|  |  | |  |  |  |  |  |  Nur wenige Kilometer von Heidelberg und Mannheim entfernt liegt Leimen im Herzen der Kurpfalz. Der alte Marktflecken wurde bereits 791 n. Chr. urkundlich erwähnt. Das vielfältige kulturelle Leben mit über 180 Vereinen spiegelt die gesellige kurpfälzische Lebensart wider. Das traditionelle Frühlingsfest und die Weinkerwe locken jedes Jahr unzählige Besucher an. Leimen hat eine mehr als 1200jährige Weinbau-Tradition, heute gibt es zwei als Familienbetriebe geführte Weingüter am Ort. In der Vergangenheit hat man hauptsächlich in den Klöstern den Wein durch Jahrhunderte hindurch veredelt und neue Sorten gezüchtet. Heute werden in Leimen die Sorten Müller-Thurgau, Riesling, Ruländer, Weißburgunder, Grauburgunder sowie Portugieser und Spätburgunder angebaut. Die Weine haben sehr gute Qualitäten und erhalten höchste Auszeichnungen. Mit seinen zahlreichen Sportanlagen und ausgedehnten Waldgebieten am Rande der Rheinebene bietet Leimen einen hohen Freizeitwert.
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Auf den Gemarkungen Leimen und St. Ilgen reichen die Bodenfunde bis in die Steinzeit zurück. Für die frühe Besiedlung war der fruchtbare Boden des Neckarschwemmkegels, an dessen Südostspitze Leimen liegt, ausschlaggebend. Löß und Lehm gaben dem Ort seinen Namen, der zu den frühmittelalterlichen Ausbauorten zu zählen ist.
Sehr aufschlussreich sind aber erst die Funde aus der Römerzeit. Mogetius, der Sohn des Meddilius, war ein Angehöriger des keltischen Stammes der Mediomatriker aus der Moselgegend. Die Römer hatten diesen Stamm unterworfen und seine Angehörigen konnten das römische Bürgerrecht erwerben. Dies sagt ein 1884 beim Lingentaler Hof gefundener Grabstein aus, den der Sohn seinem mit 70 Jahren gestorbenen Vater setzen ließ. Der giebelförmige rote Sandstein befindet sich heute im Badischen Landesmuseum in Karlsruhe.
Die Vorgänger der Leimener Zementarbeiter waren die Kalkbrenner. 1936 wurde eine Töpferwerkstatt in der Nähe von Resten einer römischen Villa gefunden. Bei den Ausgrabungen entdeckte man Scherben von „terra sigilata“, darunter auch einen Faltenbecher mit dem Besitzstempel eines Castus. Ein ebenfalls entdeckter verzierter weißer Sandsteinblock könnte auch von einem Grabmal stammen.
Am Rande des Bergstraße führt vom Kastell Neuenheim kommend die alte Römerstraße entlang, etwa im Verlauf der früheren Heidelberger Straße, heute Geheimrat-Schott-Straße. Im Mittelalter und in der Neuzeit war diese Straße als Weg zur Frankfurter Messe von großer Wichtigkeit.
In der Probsteikirche in St. Ilgen ist über der Sakristeitür ein römisches Relief eingemauert, das einen traubenessenden Jüngling darstellt.
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 | | Grabstein des Mogetius, Sohn des Meddilius, gefunden 1884 beim Lingentaler Hof, jetzt im Badischen Landesmuseum, Karlsruhe (L 7743/11) |
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 | | Traubenessender Jüngling |
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|  |  |  |  |  | zum Seitenanfang |  |  |  |  |  |  | 1.500 Jahre altes Merowingergrab in Leimen gefunden |
Das Leimen erstmals im Jahre 791 im berühmten Lorscher Codex urkundlich erwähnt wurde, ist allgemein bekannt. Vielen Mitbürgerinnen und Mitbürgern ist sicher auch noch der große Festumzug anlässlich der 1200 Jahr-Feier Leimens im Gedächtnis. Dass aber bereits vorher Menschen die Vorzüge unserer Gegend erkannt und hier gelebt haben, ist vielen nicht bewusst. Die heutige Kurpfalz war jedoch zu allen Zeiten bewohnt, es gibt auch in Leimen Funde aus römischer Zeit, auch in den sogenannten „dunklen Jahrhunderten“ zwischen dem 3. und 8. Jahrhundert, wo kaum schriftliche Zeugnisse vorhanden und Archäologen somit weitgehend auf Ausgrabungen angewiesen sind.
Und hier taucht nun plötzlich eine junge Frau zwischen 16 und 18 Jahren auf, etwa 1,65 groß, die zu Beginn des 6. Jahrhunderts hier lebte und auch hier begraben wurde. Am 20.10.2006 wurde bei der unterirdischen Verlegung von Stromkabeln in Leimen-Mitte ein menschlicher Schädel entdeckt. Darauf hin wurde von den Besitzern des Anwesens das Ordnungsamt informiert, das den Diplom-Geologen und ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger Dr. Ludwig Hildebrandt aus Wiesloch einschaltete, der zusammen mit Herrn Pfarrer Volker Reinhard aus St. Ilgen die weiteren Arbeiten an der sofort als Grabstätte identifizierten Grube übernahm. Bereits beim Durchsuchen des losen Erdmaterials konnte dabei diverse merowingische Glasperlen und als erste Sensation eine völlig intakte, silberne, vergoldete, rosettenförmige Scheibenfibel mit sogenannten Almadineinlagen in Cloisonée-Technik geborgen werden, die eine Datierung des Grabes in etwa in die Mitte des 6. Jh. und damit die sehr hohe archäologische Bedeutung belegte.
Bei den weiteren Grabungsarbeiten zeigte sich dann ein immer deutlicher werdendes Bild. Für die Öffentlichkeit am interessantesten sind natürlich die Funde, die sowohl in kunsthistorischer als auch archäologischer Hinsicht eine Sensation darstellen, auch wenn sie nicht alle aus Gold oder Silber waren. Im Brustbereich der jungen Frau fand sich eine weitere vergoldete Silberfibel mit Edelsteinen, fast baugleich zur ersten und sicherlich aus der gleichen Goldschmiedewerkstatt stammend. Neben einer sehr großen Anzahl unterschiedlichster Perlen und Trachten wurden damals auch mit Almandinen (eine Variante des Granats) verzierte Scheibenfibeln als Gewandnadeln getragen. Neben goldenen Schmuckplättchen trugen die Frauen aus reichen Familien zu ihrer Bestattung auch eine Vielzahl von Glasperlen unterschiedlicher Formen und Farben. In die Kleidung oder in das Leichentuch kann ein feiner Goldfaden (Goldlahn) eingewebt gewesen sein. Silberner Schmuck wie Ohrringe aber auch Gürtelschnallen oder die typisch merowingischen Beingurte, deren praktischer Charakter im Halten eines den Unterschenkel verdeckenden Tuches gesehen werden muss, sowie Ringe aus Edelmetall gehörten ebenfalls zur Ausstattung.
Insgesamt fanden sich im Leimener Merowinger-Grab ein rundes Dutzend gelochte Glasperlen, zwei Tonperlen und eine Perle aus Bernstein in unterschiedlichen Farben und Größen sowie die beiden bereits erwähnten, sehr gut erhaltenen Almadinscheibenfibeln, die es möglich machten, das Grab in die Zeit von ca. 530 bis 555 n. Chr. zu datieren. Hinzu kamen zwei sehr gut erhaltene Spinnwirtel, die benutzt wurden, um Garn zu einem Faden zu verarbeiten. Große Aufregung löste dann ein Fund im Beckenbereich aus, kam doch ein fast 12 cm großer, reich verzierter beinerner Kamm in einem Futteral zum Vorschein, der in dieser guten Erhaltung für Nordbaden einzigartig ist.
Fasst man alle bisherigen alten Funde zusammen, so lassen sich mittlerweile relativ sicher fünf merowingische Gräber in Leimen nachweisen (Funde aus den Jahren 1888, 1924, 1936, 1948 und 2006). Es handelt sich also um Reste eines größeren merowingischen Reihengräberfeldes des 6. und 7. Jh., das zu dem im Jahre 791 erstmals urkundlich genannten Ort „Leimheim“ gehört.
Das Grab des Jahres 2006 ist sowohl das am besten dokumentierte, als auch hinsichtlich der Beigaben als am reichsten einzustufen - wenn auch eine teilweise Beraubung (wahrscheinlich bereits im 6. oder 7. Jahrhundert) vorliegt.
Es erhebt sich die weitere Frage: Wo war die zum Gräberfeld gehörige Siedlung? Gräber und Siedlungen dieser Zeit liegen immer deutlich getrennt. Da aber alles dafür spricht, die gesuchte Siedlung als Keimzelle des späteren Leimen zu betrachten, muss die Bebauung weiter südlich wohl im Areal der Bergbrauerei gesucht werden, denn in den Bereichen um die evangelische Kirche, die Rathausstraße, die Turmstraße und dem Graupfädel fanden sich trotz diverser Notbergungen keinerlei merowingische Spuren. Durch diesen aufregenden Fund konnte jedoch ein weiterer Mosaikstein in der frühen Besiedlung Leimens gefunden werden, ein Fenster in die Vergangenheit hat sich für einen Augenblick geöffnet.
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 | | Blick in die Grabstätte |
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 | | Kamm der Merowingerin als Grabbeigabe |
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|  |  |  |  |  | zum Seitenanfang |  |  |  |  |  |  | Erste urkundliche Erwähnung Leimens im Jahr 791 |
| TRANSKRIPTION DER UNTEN STEHENDEN URKUNDE
URKUNDE 686 ( 1. Mai 791 – Reg. 2315) Noch eine andere Schenkung des Machelm unter Kaiser ( richtig: König) Karl und Abt Richbodo
In Christi Namen am 1. Mai im 23. Regierungsjahre (791) unseres Herrn, des ruhmreichen Königs Karl. Ich, Machelm, mache auf göttliche Eingebung hin, zu meinem Seeelenheile und um der Wiedervergeltung in der Ewigkeit willen durch diese Schenkungsurkunde eine Zuwendung an den heiligen Märtyrer Gottes Nazarius. Sein Leib ruht in dem am Flusse Wischoz ( Weschnitz) gelegene Oberrheingauer Kloster Lorsch, dem der ehrwürdige Herr Rihbodo als Abt vorsteht. Mit dem Wunsche, dass meine Vergabung ewige Dauer beschieden sei, schenke ixh in Edingun ( Edingen nw. Heidelberg) eine Hofraite mit allen darauf erstellten Bauwerken, ferner dazugehörigen Hofstätten, Felder, Wiesen, Weiden, Wälder, Wege, Weingüter, Fischteiche und Bäche. In ähnlicher Weise gebe ich in Leimheim (s. Heidelberg) alles, was ich bis dort besessen habe, nämlich Hofreiten, Felder, Wiesen, Weiden, Wege, Wälder, Weinberge, Wohnhäuser, Wirtschaftsbauten und ( acht) Leibeigene namens
Grimold, Warmunt, Geila mit 2 Kindern und Suongart mit 2 Kindern,
alles Bauland und Ödland und alles das, was mein Alod ( ererbtes Eigengut) ist oder von mir kultiviert, gekauft und eingetauscht wurde oder durch anderweitigen Erwerb auf gesetzlichem Wege an mich gekommen ist. Ich schenke auch das Vieh beiderlei Geschlechtes, sei es Großvieh oder Kleinvieh, bewegliche und unbewegliche Habe und alle Gerätschaften. Alles übergebe und übertrage ich zur Gänze und in unverändertem Zustande aus meinem Besitz- ain das Eigentums- und Herrenrecht des Hl. Nazarius. Im Namen Gottes möge er alles auf ewig besitzen. Wenn aber künftig jemand, was ich allerdings durchaus nicht glaube – und alles übrige wie oben – bis: Vertragsabschluß. Geschehen im Kloster Lorsch. Handzeichen des Machelm, welcher veranlasst hat, dass diese Schenkungsurkunde ausgestellt und gefertigt werde. Handzeichen der ( Zeugen) Herdrich, Engilwan und Giselhelm, Adelhelm.
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 | | Urkundliche Erwähnung im Jahre 791 |
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|  |  |  |  |  | zum Seitenanfang |  |  |  |  |  |  | "Das Frankenloch in Leimen" |
NEUENTDECKTE FEDERZEICHNUNG VON CARL PHILIPP FOHR
-Karl Ludwig Bansbach-
Vor zweihundert Jahren, nämlich am 26. November 1795, wurde einer der bekanntesten und wichtigsten Zeichner und Maler der sogenannten „Heidelberger Romantik", Carl Philipp Fohr, geboren. Den 200. Geburtstag nahm man nun im Kurpfälzischen Museum seiner Geburtsstadt zum Anlaß, eine Übersichts-Ausstellung unter dem Titel „Carl Philipp Fohr und seine Künstlerfreunde in Rom" zu zeigen: . Trotz seines tragischen frühen Todes - er ertrank im Alter von 23. Jahren im Tiber - hinterließ Carl Philipp Flohr ein außerordentlich umfangreiches Oeuvre. In Leimen ist bekannt, daß der Heidelberger Romantiker ein Bild vom hiesigen Franzosenturm und dessen unmittelbarer Umgebung malte. Es handelt sich dabei um ein Aquarell, also um ein mit Wasserfarben gemaltes Bild, das den Titel „Das Französenloch in Leimen" erhielt (s. Abb.). Als Reproduktion ist es Bestandteil der repräsentativen Bildmappe der Stadt Leimen, als farbiger Nadhdruck ist es auch anderweitig im Umlauf.
DAS ORIGINALAQUARELL Das Original-Aquarell befindet sich im Bestand der Kunhalle Karlsruhe und dort wiederum im Depot des Kupferstich Kabinetts (Inv.Nr.1949-17). Da es sich bei dem Bleistift-Aquarell um ein auf schadensanfälligem Papier gemaltes Bild handelt, muß es entsprechend geschützt werden, vor allem vor hellem Licht. Deshalb besteht bestenfalls im Rahmen einer Sonderausstellung die Chance, das Bild einmal im Original zu sehen.In der Legende zu dem Bild ist dessen Entstehungszeit nicht vermerkt, und es kann weder bestätigt noch widerlegt werden, ob die a.a.O. erfolgte Aussage„um 1812" richtig ist. Das Original des Aquarells ist von kleinem Format. Es mißt nur 15,6 x 12,7 cm. Bei der Reproduktion in der Leimener Bildmappe handelt es sich also um eine Vergrößerung, denn diese hat die Maße 18,3 x 14,7cm. Fohr selbst gab dem Bild keinen Titel, und es befindet sich auch keinerlei Schriftzug auf der Oberfläche oder ein anderweitiger Hinweis auf eine Titelvergabe durch den Künstler selbst. Auf der normalerweise nicht sichtbaren Rückseite sind Bäume und Gebäude flüchtig skizziert.
IN DARMSTADT ENTDECKT:- FOHRS FEDERZEICHNUNG VOM "FRANKENLOCH -IN LEIMEN" Zum besseren Verständnis sei aus seiner Biographie vorweggenommen, daß, Carl Philipp Fohr durch die Vermittlung des Malers und späteren Hofrats Georg Wilhelm Issel im Alter von 15 Jahren im Sommer des Jahres 1811 in die Großherzogliche Residenz nach Darmstadt kam. Neben Issel fand er dort in dem Historiker Dr. Philipp Dieffenbach einen weiteren Fürsprecher am Hof der Erb- und Großprinzessin Wilhelmine von Hessen, einer geborenen Prinzessin von Baden. In seiner Darmstädter Zeit unternahm Fohr Wanderungen im Odenwald, an der Bergstraße und im Neckartal. Die Aussichten, ausgerechnet in Darmstadt etwas von Leimen aus dem Zeichenstift; dem Pinsel oder der Zeichenfeder Fohrs zu finden, waren nicht vielversprechend. Aber ich hatte Glück: bereits bei meinem ersten Besuch im Hessischen Landesrnuseum in Darmstadt fand ich unter fachkundiger Mithilfe einer Mitarbeiterin des Museums in den Beständen der Graphischen Abteilung eine schwarz-weiße Federzeichnung von Carl Friedrich Fohr. An deren oberem Rand ist handschriftlich ein Titel vermerkt: „Das Frankenloch in Leimen" (s.Abb., HLM Darmstadt - Inv.Nr.HZ 1064). Die in Originalgröße 16,2 cm breite und 16,5 cm hohe - Zeichnung zeigt dieselbe Ecke in Leimen beim Franzosenturm wie das Aquarell. Während auf diesem eine Kuh, ein Schaf und eine Ziege von einem Mann von außerhalb kommend auf den herausgebrochenen Durchgang der Wehrmauer zugetrieben werden, zeigt die Federzeichnung eine, weibliche Gestalt, die, sich mit der rechten Hand abstützend und mit der linken Hand den Saum ihres Kleides leicht anhebend, im Begriff ist, das flache Wasser des Rösbachs auf wohl eigens zu diesem Zweck ausgelegten Steinen möglichst trockenen Fußes von innerhalb der Wehrmauer nach draußen zu durchschreiten. Das seichte Wasser des Rösbachs, der etwa um 1800 in die heutige Turmgasse und durch die Öffnung der Mauer beim Franzosenturm nach außerhalb geführt wurde (vgl. dazu Rathaus-Rundschau Nr. 16 v.-17.4.87, K.L. Bansbach: „Ein echter Leimener - Der Rösbach"), ist auch auf dem Aquarell gut zu erkennen. Gleich dem Aquarell findet sich auch bei der Federzeichnung nirgendwo ein Hinweis auf deren Entstehungsjahr.
UNTERSCHIEDE Abgesehen davon, daß das Aquarell farbig und die Federzeichnung schwarz-weiß ist, gibt es noch andere Unterschiede zwischen den beiden Darstellungen. Einige von ihnen sollen hier aufgezeigt werden: Es entgeht einem geübten Betrachter nicht, daß die Standpunkte und somit die Perspektiven des Aquarellisten einerseits und des Zeichners andererseits leicht voneinander abweichen. Der Turmaufsatz erscheint im Aquarell gedrungener als in der Federzeichnung. Die Bäume jeweils am linken Rand und am rechten Rand im Hintergrund der beiden Bilder sind in der Zeichnung weniger belaubt als in dem Aquarell. Dies läßt den Schluß auf einen Jahreszeitlichen Unterschied bei der Entstehung der Darstellungen zu. Die gelbe Farbe des noch vollen Blattwerks, die das Aquarell zeigt, deutet auf den frühen Herbst hin. Die unterschiedlichen Perspektiven sind auch der Grund dafür, daß sich in der Federzeichnung ein starker Ast des links seitlich vor dem Turmaufsatz stehenden Baumes über den Zinnenkranz des Turmes ausdehnt, während das Ast- und Blattwerk des gleichen Baumes im Aquarell den Turm nicht „berührt". Auf dem Aquarell sieht man im linken Vordergrund einen recht baufälligen schrägen Lattenzaun, den man in der Schwarz-Weiß-Zeichnung bestenfalls erahnen kann.
DIMENSIONEN Ich habe mir die Spielerei erlaubt, einige der in den Bildern sichtbaren Größenverhältnisse in Zahlen umzusetzen. Die folgenden Zirka-Maße ergeben sich sowohl bei dem Aquarell wie auch bei der Federzeichnung. Am „Tatort" des damaligen künstlerischen Tuns Carl Philipp Fohrs, also im Winkel beim FranzoSenturm, maß ich den Abstand der Unterkante der linken der drei Konsolen des Turms bis zur heütigen Erdoberfläche. Es ergab sich ein Abstand von rund 2,70 m. Mit Hilfe dieses „Richtwertes", der auf den Darstellungen in Zentimetern nachvollzogen und entsprechend umgerechnet werden kann, war es möglich, auch andere Größenordnungen zu bestimmen. Dabei ist allerdings zu bedenken, daß die Höhe der Erdoberfläche von heute zu der von damals leicht differieren kann. Jedenfalls ergaben Meine Rechenspiele, daß der Mauerdurchbruch an seinen höchsten Punkt ca. 2,55 m hoch war. Die Durchfahrt hatte auf dem Niveau der Wegoberfläche gemessen von der Innen¬kante des Ecksteins links bis zur gegenüberliegenden innenfläche eine Breite von ca. 2,65 m. Gewiß sind diese Maßangaben ungenau und sollen nur einen ungefähren Eindruck der Größenverhältnisse, wie sie die beiden Fohr-Bilder zeigen,vermitteln. Aus dem Vergleich geht auch hervor, daß der Mann, der auf dem Aquarell zu sehen ist, von recht kleiner und gedrungener Gestalt war.
LEBENSSTATIONEN Wie schon ausgeführt, kommt Carl Philipp Fohr am 26. November 1795 in Heidelberg zur Welt. Seih Vater ist Schullehrer und-"Schönschreibmeister" und stammt, wie auch die Mutter, aus Ladenburg. Ab 1807/1808 erhält der Knabe in seiner Heimatstadt Zeichenunterricht von dem Universitäts-Zeichenmeister Friedrich Rottmann, dem Vater des berühmten Malers Carl Rottmann. Schwerpunkt des Unterrichts ist das wirklichkeitsnahe und daimit im Sinne der Kobellschule verstandene Zeichnen und Malen von Landschaften. Daß Carl Philipp damit unterfordert ist, sieht der Darmstädter Maler und Hofbeamte Georg Wilhelm Issel sofort, als er den jungen Fohr 1810 zeichnend in der Umgebung von Stift Neuburg antrifft und mit sicherem Gespür das Talent des Jungen erkennt. Von 1811 bis 1813 weilt Fohr in Darmstadt und wird dort von Issel, später auch von dem Historiker Dr. Philipp Dieffenbach gefördert. Letzterer empfiehlt den jungen Künstler der Erb- und Großprinzessin Wilhelmine von Hessen, die schließlich seine großzügige Gönnerin wird. Ihr widmet Föhr das 1813/1814 entstehende „Skizzenbuch der Neckargegend"; das anschließend angelegte „Badische Skizzenbuch" geht auf eine Anregung Wilhelmines anläßlich eines Kuraufenthaltes in Baden (-Baden) zurück, wo Fohr auf Wunsch der Prinzessin zeitweilig Gast ist. Nach der Übergabe des "BadiSchen Skizzenbuches" an seine hochadelige Gönnerin im Jahre 1815 setzt diese ihm ein Jahresgehalt von 500 Gulden aus. Im gleichen Jahr geht Fohr nach München und wird dort Schüler an der Kunstakademie; die Landschaftskunst Joseph Anton Kochs zieht ihn in ihren Bann. Eine Fußreise führt ihn 1815 zunächst nach Tirol, später weiter nach Padua, Verona und Venedig. Zurück in München, unternimmt er unter dem Einfluß und der Betreuung seines Freundes Ludwig Ruhl erste Versuche der Ölmalerei. Bevor er sich am 18.Oktober 1816 auf die Reise nach Rom begibt, weilt er noch einige Monate in seiner Vaterstadt Heidelberg. Hier schließt er Freundschaften mit Persönlichkeiten aus dem Kreis der „Heidelberger Teutonen". Am 21. November trifft Carl Philipp Fohr in Rom ein. Als bald gehört er zur Gemeinschaft der Deutsch-Römer und der „Nazarener", einer Künstlergruppe der deutschen Romantik, die die Renovation christlicher Kunst unter Aspekten der Kunst des Mittelalters anstrebt. Er wohnt zunächst zusammen mit seinem Freund Ruhl. Diese Freundschaft zerbricht allerdings schon 1817, ja es kommt-am 24. März jenes Jahres sogar zu einem Duell zwischen beiden. Im Juni 1817 beginnt Fohr eines seiner berühmtesten Gemälde, das später den Titel „Die Wasserfälle Von Tivoli" erhält und vollendet das Werk Anfang des darauffolgenden Jahres. Im August 1817 erfaßt ihn eine schwere Erkrankung, die ihn bis November zu einer Pause in seinem Schaffen zwingt. Aber am Ende jenes Jahres kann er mit den Vorarbeiten zu einem Gruppenbild der deutschen Künstler im römischen Cafe Credo beginnen, einem Werk, zu dem er zwar Skizzen fertigt, das als Ganzes jedoch nicht mehr von ihm bewerkstelligt werden kann. Seine ursprünglich vorgesehene Rückreise nach Deutschland verschiebt der Künstler, weil er nach der schweren Krankheit vollständig genesen will. Viel zufrüh vollendet sich am 29. Juni des Jahres 1818 Carl Philipp Fohrs Schicksal. Zusammen mit einigen Freunden begibt er sich zum Ufer des Tiber, um dort zu baden. Er ertrinkt vor den Augen seiner hilflosen und verzweifelten Freunde Carl Barth; Johann Anton Ramboux und Samuel Amsler. Carl Philipp Fohr wurde nur zweiundzwanzigeinhalb Jahre alt.
ZWISCHEN SEHEN UND ZEICHNEN DIE VERINNERLICHUNG Es ist überliefert; daß Carl Philipp Fohr wortkarg war, was in seiner Kindheit und Jugend schon auffiel. Dies paßt durchaus zu einem Künstler seines Ranges, der seine Wahrnehmungen gänzlich verinnerlicht, um sie zu begreifen und zu verarbeiten, bevor noch der Griff nach dem Zeichenstift erfolgt. Das Erleben der Natur- nicht das bloße NachZeichnen nur dessen, was das Auge sieht- das „Aufschreiben" des Naturerlebens mit dem Zeichenstift möge als allerdings nicht erschöpfende Beschreibung seiner Manier akzeptiert werden. Im „Skizzenbuch der Neckargegend" kündigt sich die spätere Meisterschaft auch des Figurenbildes an, wie sich in den Darstellungn historischer Szenerien zeigt. Sein Aufenthalt in Rom, wo er nicht nur großen Malerpersönlichkeiten, sondern Künstlern aller Couleur begegnete, bescherte ihm, der ja am Anfang einer bald jäh und schrecklich endenden Malerlaufbahn stand, trotz seiner Jugend großen Reichtum an Erkenntnissen und Wissen. Dieser individuelle künstlerische Reichtum ließ Carl Philipp Fohr zur herausragenden Persönlichkeit der Heidelberger Romantiker-Szene des frühen 19. Jahrhunderts werden.
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 | | Das bekannte Aquarell, das Carl Philipp Fohr vom Leimener Franzosenloch malte |
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 | | Entdeckt im Hessischen Landesmuseum Darmstadt: Federzeichnung -Das Frankenloch in Leimen- von Philipp Fohr |
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 | | Carl Philipp Fohr -Zeichnung von Carl Barth- |
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|  |  |  |  |  | zum Seitenanfang |  |  |  |  |  |  | Beim Neubau des Zementwerks Leimen wurden römische Münzen aus der Zeit Marc Aurels (römischer Kaiser von 161-180) gefunden. Weiter wurden römische Kalkbrennöfen freigelegt und Tonscherben entdeckt, die auf eine bäuerliche Siedlung der Römer hinweisen, ebenso wie ein weißer Sandsteinblock mit Kapitell und Palmettverzierung. Dabei lag ein Löwenkopf aus demselben Material: Hinweis auf ein größeres römisches Denkmal aus der Zeit um 260 n.Chr. Auch Fundstücke aus fränkischen Reihengräbern und ein Alemannengrab am Markt belegen die vorgeschichtliche Besiedelung Leimens.
In neuester Zeit wurden auf einer ehemaligen Baustelle in der Nähe des Rathauses unterschiedlich geformte Schlackenteile mit dunklem Glanz gefunden. Sie lassen auf das Vorhandensein einer Zink- und Bleiverhüttung ungefähr in der zweiten Hälfte des achten Jahrhunderts n.Chr. schließen.
Am Beginn des fünfzehnten Jahrhunderts lebten in Leimen etwa 750 Einwohner. Während des Bauernkrieges zu Anfang des sechzehnten Jahrhunderts blieb Leimen weitgehend verschont; im folgenden Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) jedoch wurde auch Leimen ins Verderben gerissen und fast vollständig zerstört. Der notdürftig wiederaufgebaute Marktflecken wurde 1674 erneut geplündert und niedergebrannt. 1689 wurde Leimen von den Truppen Mélacs verwüstet und 1695 innerhalb von zehn Tagen noch zweimal von fremden Truppen heimgesucht. Im ebenfalls von zahlreichen Kriegen erfüllten achtzehnten Jahrhundert verzweifelten die Bürger an den Lasten der Einquartierungen. Auch Napoleons Soldaten hielten sich in Leimen schadlos.
Die schweren Menschenverluste des siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts zwangen den Kurfürsten, um Einwanderer zu werben, die sich schließlich - besonders aus der Schweiz kommend - in Leimen niederließen. Eine allmähliche Wende zum Besseren setzte durch die Unternehmungen des in Leimen ansässigen Aaron Elias Seligmann in der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts ein, der das Salz- und Tabakmonopol für die gesamte Kurpfalz innehatte. Der kurfürstliche Financier ist der Bauherr des um 1795 im klassizistischen Stil erbauten schloßartigen Palais, dem heutigen Alten Rathaus von Leimen. Seligmann wurde 1814 als Freiherr von Eichthal geadelt. Unter anderem der Wegzug Seligmanns nach München verursachte den erneuten Rückfall in die frühere Armut. In ihrer Folge wanderten viele Bürger und Familien aus - vorzugsweise nach Amerika.
Die Erwerbssituation änderte sich erst kurz vor der Wende zum zwanzigsten Jahrhundert durch die Verlegung des Portland-Cementwerkes von Heidelberg nach Leimen unter Dr.-Ing. E. h. Friedrich Schott. Die von da an steigenden Einwohnerzahlen belegen die allmähliche wirtschaftliche Stabilisierung. Außerdem war zum traditionellen Weinbau und der Tabakindustrie zwischenzeitlich das Braugewerbe in Leimen ansässig geworden. Im Zementwerk Leimen fanden auch St. Ilgener und Gauangellocher Bürger Arbeit, ebenso Bewohner anderer Dörfer der Umgebung, die den Weg zur Arbeit nach Leimen meist zu Fuß zu bewältigen hatten.
Eine deutliche Verbesserung der Infrastruktur erfuhr Leimen durch die Verlegung der ersten Wasserleitung (1898), die Versorgung mit Elektrizität (1899), die Kanalisation (1920) und die Versorgung mit Gas (1927) sowie den Streckenausbau der Straßenbahnlinie Heidelberg-Leimen-Wiesloch.
Im zweiten Weltkrieg fielen in Leimen zwar glücklicherweise keine Bomben, doch mußte der Ort vor der Besetzung durch amerikanisches Militär am 31. März 1945 leichten Granatbeschuß über sich ergehen lassen. Nach dem Krieg wurden fast 2.000 Heimatvertriebene in Leimen integriert. Unter anderem durch die Ansiedlung des Eternitwerkes 1954 ging es dann wieder allmählich aufwärts. Im Jahre 1973 erfolgte die Eröffnung der Sportparkhalle, des Hallenbades, der Sauna und der Kegelhalle.
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|  |  |  |  |  | zum Seitenanfang |  |  |  |  |  |  | Der Feuchtigkeitsgrad war aber zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich ausgeprägt: es gibt Funde aus der mittleren und der jungen Steinzeit, aus der Bronze- und Eisenzeit bis einschließlich der Zeit römischer Besiedelung, jedoch keinerlei Besiedelungsspuren aus dem frühen Mittelalter. Nach der Sinsheimer Chronik soll Bischof Johann von Speyer erst im Jahr 1100 dem Kloster Sinsheim Besitz u.a. in "Bruch" geschenkt haben. Die gleiche Quelle vermeldet, die Probstei St. Aegidius sei in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts durch Abt Johann gegründet worden.
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| | Es ist nicht im einzelnen feststellbar, wie sehr das Dorf unter dem Dreißigjährigen Krieg zu leiden hatte, sicher ist jedoch, daß St. Ilgen 1689 von den Truppen Mélacs vollständig zerstört wurde.
Der Ort blieb eines der kleinsten und ärmsten Dörfer des Oberamtes Heidelberg und war kurpfälzisch, bis er 1803 an Baden überging. Die große Armut veranlaßte im 19. Jahrhundert ungewöhnlich viele St. Ilgener Bürger, nach Australien oder Nordamerika auszuwandern.
Die wirtschaftliche Situation änderte sich erst, nachdem der Ort an die am 10. April 1843 fertiggestellte Eisenbahnlinie Heidelberg-Karlsruhe angeschlossen worden war. Nach dem ersten Zughalt am 1. Mai 1844 war der Ort auch für Unternehmer interessant geworden: drei Tabakmanufakturen ließen sich in St. Ilgen nieder, 1891 kam noch eine Lederfabrik dazu.
Durch die Versorgung mit Elektrizität (1899), Wasser (1914/15) und Gas (1929) von Heidelberg aus wurde die Infrastruktur St. Ilgens dann spürbar verbessert, und nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich der heutige Stadtteil Leimens zu einer modernen Wohngemeinde, die sich besonders im Süden und im Norden rasch ausdehnte. Eine Attraktion ist heute das Glockenspiel aus Meißener Porzellan an der Fassade des St. Ilgener Rathauses, in dem auch die Amtsverwaltung St. Ilgen untergebracht ist.
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|  |  |  |  |  | zum Seitenanfang |  |  |  |  |  |  | Die erste Erwähnung des Dorfes in einer vermutlich auf 1016 gefälschten Urkunde gehört ins 12. Jahrhundert. Die erste sichere Beurkundung der Gauangellocher katholischen Pfarrei mit Peterspatrozinium und den Filialen Gaiberg und Schatthausen stammt aus dem Jahr 1270; die Lehenshoheit der Pfalzgrafen über Gauangelloch wird erstmals 1391 bezeugt.
Während der Ritterzeit siedelten sich die Ritter von Angelach bzw. Angelloch hier an und erbauten sich eine Burg als Herrschaftssitz; um 1450 ging die Lehensherrschaft derer von Angelloch an die Freiherrn von Bettendorff über. Um 1522 nahm die Familie von Bettendorff die Lutherische Lehre an, und mit ihr der überwiegende Teil der Bevölkerung.
Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) wurde Gauangelloch vollständig zerstört, die Einwohner flohen oder wurden getötet. Erst 1665 bauten Johann Philipp und Helena von Bettendorff die Burg wieder auf. Im Laufe des 18. Jahrhunderts verwahrloste die Burg jedoch und begann zu zerfallen. Franz Ludwig von Bettendorff stellte den zuwandernden Katholiken den Keller der Burg zur Verfügung, um darauf eine Kapelle zu errichten, die bis zum Ende des 19. Jahrhunderts als Gotteshaus diente.
Im Jahre 1937 wurde das benachbarte Ochsenbach nach Gauangelloch eingemeindet. Ochsenbach wurde erstmals im Verzeichnis der speyerischen Leibeigenen um 1300 erwähnt. Die Ortschaft wurde 1771 mit dem angrenzenden Hof Maisbach unter einem eigenen Stabhalter vereinigt, und dieser neuen Gemeinde wurde 1797 noch der Weiler Lingental zugewiesen. Die drei Gemeinden bestanden bis 1935; nachdem sie von 1935 bis 1937 zwangsweise eine einheitliche Gemeinde gebildet hatten, wurde am 1. April 1937 Lingental an Leimen, Maisbach an Nußloch und Ochsenbach an Gauangelloch angeschlossen.
In den folgen Jahren wandelte sich die Gemeinde Gauangelloch mit ihrem Ortsteil Ochsenbach vom Bauerndorf zur Pendlergemeinde. Seit dem Zusammenschluß mit Leimen haben sich Gauangelloch und Ochsenbach zu attraktiven Wohngemeinden entwickelt.
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|  |  |  |  |  | zum Seitenanfang |  |  |  |  |  |  | Die drei Gemeinden bestanden bis 1935. Nachdem sie von 1935 bis 1937 zwangsweise eine einheitliche Gemeinde gebildet hatten, wurde am 1. April 1937 Lingental an Leimen, Maisbach an Nußloch und Ochsenbach an Gauangelloch angeschlossen.
In den folgen Jahren wandelte sich die Gemeinde Gauangelloch mit ihrem Ortsteil Ochsenbach vom Bauerndorf zur Pendlergemeinde. Seit dem Zusammenschluß mit Leimen haben sich Gauangelloch und Ochsenbach zu attraktiven Wohngemeinden entwickelt.
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|  |  |  |  |  | zum Seitenanfang |  |  |  |  |  |  Der Stadtteil Lingental wurde im Jahre 1312 erstmals urkundlich erwähnt. 1683 wurde der Lingentaler Hof mit 202 Morgen Acker und 44 Morgen Wald in Erbbestand vergeben. Nachdem 1771 aus den Weilern Maisbach und Ochsenbach die Gemeinde Ochsenbach gebildet und Lingental in dieser neuen Gemeinde mitverwaltet worden waren, wurde der Weiler Lingental 1797 in die Gemeinde Ochsenbach eingegliedert. Es wurden aber noch getrennte Rechnungen geführt.
Im Jahr 1874 gab es Pläne für den Ausbau des Verbindungsweges zwischen Lingental und Leimen. Diese Straße wurde 1881 hergestellt, wobei der Kostenanteil für Leimen 4.000 Mark betrug. 1937 wurden Ochsenbach und Lingental nach Gauangelloch eingemeindet, 1962 wurde das Hotel "Lingentaler Hof" durch die Familie Stahl eröffnet, und 1968 wurden die Erschließungsarbeiten für das geplante Wohngebiet in Angriff genommen.
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|  |  |  |  |  | zum Seitenanfang |  |  |  |  |  |  | Bürgermeister/Gemeindeoberhäupter in Leimen |
Schultheiße Dym (Diehm) 1347 Johann 1352 Karg, Hans 1381 Gyselmann, Hans 1430, 1439, 1440 Brait,Wendel 1529, 1531 Huprecht 1534 Ysig, Hans 1571 Kolb, Bernhard 1570, 1595, 1603 Kaltschmitt, Valentin 1626 Rettich, Hans 1653, 1656, 1663 Aicher, Johann Matthias 1663 Riehm, Hans Andreas 1663 Schweppler, Gabriel 1674, 1677, 1682 Würth, Niklas 1692 Schlotthauer, Georg 1695-1699 Schönleber, Leonhardt 1699-1701 Riehm, Andreas 1701-1704 Stephan, Mathias 1704-1709 Moebus, Melchior 1709-1741 Frank, Franz 1742-1750 Zotzel, Egidius 1750-1751 Hummel, Wilhelm 1751-1761 Dachert, Anton 1761-1763 Seitz, Peter 1764-1797 Hummel, Michael 1798-1801
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| Vögte Schneider, Johann Jakob 1801-1827 Brucker, Bernhard 1827-1829 Wegert, Jacob 1829-1838 (ab 1831 als Bürgermeister)
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| Bürgermeister Waldbauer, Johann Ludwig 1838-1844 Seitz, Heinrich 1845-1876 Rehm, Jacob III. 1876-1882 Schneider, Leonhard 1882-1883 Endlich, Ludwig 1883-1896 Lingg, Christoph 1896-1923 Weidemaier, Jakob 1923-1933 und 1945 Dr.Wisswesser, Fritz 1933-1945 Appel, Georg 1946-1948 Hoog, Otto 1948-1976 Ehrbar, Herbert seit 1976, ab 1992 als Oberbürgermeister Ernst, Wolfgang Oberbürgermeister seit 11.06.2000
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|  |  |  |  |  | zum Seitenanfang |  |  |  |  |  |  | Bürgermeister/Gemeindeoberhäupter in St. Ilgen |
Schultheiße Hänsel 1474 Hans Schwab 1599 Conrad Staab 1599 Tobias Köpfel 1735-1740 Baumann 1747-1763 Kraft 1772 Anton Baumann 1777 Anton Baumann 1780 Johannes Frei 1787-1795 J. Frey 1797-1810
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| Vögte J. Frey 1810-1818 Schmitt 1825 Johann Kübler 1826-1830
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| Bürgermeister Johann Kübler 1833-1838 Jakob Schmitt 1839-1844 Jakob Kübler 1845-1870 Christoph Laub 1870-1892 Philipp Stumpf 1892-1919 Heinrich Braun 1919-1928 Willi Laub 1928-1934 Johannes Kübler 1934-1940 Friedrich Stumpf 1940-1945 Jakob Weidele 1946 Willi Laub 1946-1966 Herbert Ehrbar 1966-1975
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|  |  |  |  |  | zum Seitenanfang |  |  |  |  |  |  | Bürgermeister/Gemeindeoberhäupter in Gauangelloch und Ochsenbach |
Schultheiße und Vögte/Gauangelloch Frohmüller 1770-1780 Martin Klingmann 1780-1796 Ph. Carolus 1796-1825 Martin Salzgeber 1825-1839
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| Bürgermeister Jakob Salzgeber 1839-1841 Andreas Dornes 1841-1845 Valentin Dussel 1845-1851 Josef Weckesser 1851-1861 Bernhard Himmelmann 1861-1876 Heinrich Rehm 1876-1903 Andreas Klingmann 1903-1911 Jakob Lämmler 1912-1934 Georg Litterer 1934-1936 Ludwig Baier 1936-1948 Josef Lang 1948-1950 Jacob Kast 1950-1968 Alois Lang 1968-1973
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| Schultheiße und Vögte/Ochsenbach Johann Peter Müller 1771-1772 Johann Jakob Müller 1772-1793 Johann Jakob Müller 1793-1795 Jakob Müller 1795-1820 Heinrich Müller 1820-1838
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| Bürgermeister/Ochsenbach Rudof Zimmermann 1838-1853 Johannes Zimmermann 1853-1859 Jakob Heinrich Zimmermann 1859-1865 Heinrich Müller 1865-1894 Heinrich Johann Wipfler 1894-1903 Ludwig Müller 1903-1935 Albert Müller 1935-1937
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|  |  |  |  |  | zum Seitenanfang |  |  |  |  |  |  TINQUEUX
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| | TIGY
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| | CERNAY
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| | MAFRA
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| | Castanheira de Pera
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|  |  |  |  |  | zum Seitenanfang |  |  |  |  |  |  Rathaus Leimen
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| | Spiegelsaal
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| | St.-Aegidius-Kirche
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| | Franzosenturm
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| | Glockenspiel aus Meißner Porzellan
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| | Bettendorffsches Schloss
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|  |  |  |  |  | zum Seitenanfang |  |  |  |  |  |  | Das historische Leimener Rathaus |
An der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert ließ der kurpfälzische Hofagent Aron Elias Seligmann anstelle älterer Gebäude ein stattliches schlossartiges Wohnhaus im klassizistischen Stil errichten, an dem auch barocke Elemente festzustellen sind.
Nicht nur alten Leimenern gilt es als das wohl schönste Rathaus der Region - das Palais Seligmann in Leimen, das seit nunmehr über 160 Jahren als Rathaus dient und dessen „gute Stube“, der Spiegelsaal, der schon manch berühmten Besuch beherbergte.
Zwar konnte ein angeblicher Besuch Zar Alexanders von Russland im Jahr 1815 historisch leider nicht belegt werden, nachweisbar sind jedoch dafür gleich drei preußische Könige, nämlich Friedrich Wilhelm III., der hier Neujahr 1814 mit seinen Söhnen, den späteren Königen Friedrich Wilhelm IV. und Wilhelm I., der 1871 wiederum erster deutscher Kaiser wurde, residierte.
Bereits der Heimatforscher Georg Ludwig Menzer beklagte in seinem schon 1949 erschienenen Buch über Leimen, dass über den Bauplan, den Architekten oder dergleichen kein Material mehr aufzutreiben sei. Man ist daher in dieser Hinsicht auf Indizien angewiesen. Um die Bauzeit näher zu bestimmen, wird im allgemeinen der Baustil erste Hinweise geben. Dieser ist hier hellenistisch-klassizistisch mit barocken Elementen, was zu der Vermutung Anlass gibt, mit dem Bau sei zwischen 1792 und 1798 begonnen worden. Es wurde bereits damals „die größte Zierde des Ortes“ genannt.
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 | | Eines der ältesten Bilder des Rathauses aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg |
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| Breit und massiv steht das Haus an der heutigen Rathausstraße, ruhig und vornehm wirkt seine von 32 Fenstern aufgelockerte Front; ein breit angelegter Balkon bildet die Mitte der Fassade. Auffallend ist auch der Dachbereich mit seinem Mansardengeschoss. Wie bereits erwähnt ist der Stil klassizistisch; vereinzelt sind noch Elemente der Barockzeit zu finden. Bemerkenswert sind auch die Schmiedearbeiten, am Balkongeländer sowie an den Treppenaufgängen im Innern.
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 | | Das Rathaus in den 50er Jahren |
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 | | Das Treppenhauses Ende der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts |
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 | | Das Treppenhauses Ende der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts |
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 | | Das Foyer des Rathauses während der Umbaus 1979/80 |
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| In das Gebäude hinein führen von Süden und Norden zwei breite gewölbte Flügeltore, die früher als Kutscheneinfahrt dienten. Besonders eindrucksvoll ist das Treppenhaus; zwei geschwungene Treppen führen in das Hauptgeschoss. Auf der rechten Seite blickt seit 1985 der Bauherr aus einem lebensgroßen Gemälde auf die Besucher. Unter den ca. 30 der Stadtverwaltung dienenden Räumen nimmt der sog. „Spiegelsaal“ im Mittelgeschoss eine Sonderstellung ein und verdient es, dass er schon seit vielen Jahrzehnten unter Denkmalschutz steht.
Der nach Süden orientierte Raum öffnet sich zu dem bereits erwähnten prächtigen Balkon. Dem in warmen Farben gehaltenen Inneren geben Tapetenmalereien und schöne Barockspiegel das Gepräge. Motive aus der griechischen Mythologie bestimmen die malerische Ausgestaltung des Raumes. Tapetengemälde: (vom Balkon aus gesehen von links beginnend)
1.) Ariadne, die Gemahlin des Dionysos 2.) Dionysos, der Gott des Weines 3.) Silen, von Aegle, Mnasyllos und Chromis geneckt 4.) Ganymed tränkt den Adler 5.) Grisaillegruppen über den Eckkaminen: • Kaunus und Byblis • die Zwillingsbrüder Kastor und Pollux
Als Maler wird heute der 1777 in Mannheim geborene Peter Ferdinand Deurer († 1844 in München) angesehen.
Von hier aus winkte übrigens auch Boris Becker nach seinem Wimbledon Sieg 1985.
Eine erste kunsthistorische Würdigung erfuhr das Gebäude 1913 in dem Werk von Oechelhäuser "Badische Kunstdenkmäler' Bd. 8.
Eine Bauabrechnung stammte aus dem Jahre 1802. In diesem Jahr bat Aron Elias Seligmann, der seiner Zeit als einer der reichsten Männer in Deutschland galt, in einer Eingabe an den Kurfürsten um Beteiligung an den Baukosten, da diese in schwerer Zeit eine willkommene Arbeitsbeschaffungsmaßnahme gewesen seien. Er nannte eine Summe von 80.000 Gulden, die er aufgewendet hätte.
Da diese Summe vor dem Hintergrund der damaligen Preise und Lebenshaltungskosten sehr hoch ist, ist es durchaus interessant, die Kaufkraft des damaligen Geldes zu betrachten.
Im Jahre 1740 wurden in Leipzig vier Häuser zu Preisen zwischen umgerechnet 700 und 1740 Gulden angeboten, jeweils einschließlich Grund und Boden. In Berlin verlangte man 1794 als Miete für eine Wohnung je nach Lage und Ausstattung umgerechnet zwischen 36 und 48 Gulden - jährlich, wohlgemerkt.
Ein hoher Staatsbeamter verdiente zur damaligen Zeit durchschnittlich 1.000 bis 1.500 Gulden jährlich, der Lohn eines Handwerkers lag noch weit unter diesen Sätzen. Schillers Diener Rudolf erhielt 40 Taler jährlich bei freier Kost und Logis. Immanuel Kant bekam 1781 für seine Arbeit „Kritik an der reinen Vernunft“ 700 Taler, 16 Göttinger Würste und zwei Pfund Schnupftabak. Eine Summe von 80.000 Gulden oder etwa 40.000 Reichstalern wäre nach heutiger Kaufkraft also ein Millionenvermögen.
Nach dem Wegzug Seligmanns nach München wurde das Leimener Palais noch für kurzfristige Aufenthalte und besonders für Feste und Empfänge von höchsten Persönlichkeiten, u. a. dem preußischen König Friedrich Wilhelm III. benutzt; als dieser mit seinen beiden Söhnen, den späteren Königen Friedrich Wilhelm IV. und Wilhelm I. 1814 auf dem Weg nach Paris war. Die Familie selbst verlor aber mehr und mehr das Interesse an diesem Haus.
Der Sohn Simon von Eichthal, ein Finanzmagnat von europäischem Rang und Begründer der Bayrischen Hypotheken und Wechselbank, ließ es am 24. August 1832 erstmals an den Karlsruher Bierbrauer und Wirt Peter Mathäus Müller verkaufen. Als Kaufpreis waren 9.000 Gulden vereinbart worden.
Müller selbst besaß das Anwesen nur neun Jahre. Wahrscheinlich war es ihm zu groß und so verkaufte er es am 26. März 1841 an die Gemeinde Leimen. Der Kaufvertrag befindet sich im Grundbucharchiv der Stadt. Er ist in der damaligen, heute nur schwer lesbaren Handschrift abgefasst und stellt ein schönes Mosaiksteinchen der Stadtgeschichte dar. Da das Original im allgemeinen unzugänglich ist, soll es an dieser Stelle einem breiteren Publikum bekannt gemacht werden. Die Transliteration besorgte freundlicherweise Herr Manfred Fuchs, Leimen, die Wiedergabe erfolgt im Schrift- und Schreibstil der damaligen Zeit.
Nro. 38
Actum Leimen am 26ten Merz 1841
Praes(entibus) (= Anwesend) Der Gemeinderath und Bürgerausschuß
Es hat heute der großjährige Karlsruher Bürger und Bierbrauer Peter Mathäus Müller und seine Ehe- frau Barbara geb. Klever an die politische Gemeinde Leimen nachbeschriebene Liegenschaften zu Eigenthum verkauft:
Ehegemeinschaftl.:
Eine dahier beim untern Brunnen gelegene zweystöckige Behausung mit sämmtlichen Nebengebäuden nebst drey unterm Haus und einem bey der ev. Kirche befindlichen Kellern, sodann den beim Haus befindlichen Garten mit Treib- haus mit allen darin befindlichen Bäumen und sonstigen Gewäch- sen, den Hof und überhaupt alles so, wie es Peter Müller bisher besessen hat, sammt allem was nied- und nagel- fest ist, wie auch die Spiegel und Gemälde, mit Ausnahme der Malzdarre und des Bassins, eins.(eitig) gegen Berg Urban Rehm, Gg. Michael Weidemaier, Philipp Reinhard, Konrad Lingg, Jacob Renner II., Mathäus Renner u. Adam Anweiler, anders.(seits) gegen Rhein Rudolph Schneider, Bernhard Mayer und die Gaulbrunner Gasse, vorn die Landstraße und die Reesbach und hinten Johann und Conrad Sauerzapf, Michael Al- brecht und Philipp Suntz Wittib um die Summe von
Acht Tausend Gulden d.(as) i.ist) 8000 fl. (=Florin=Gulden)
Unter nachstehenden
Bedingungen:
1.
Die Zustimmung der Gemeinde zur gegenwärtigen Handlung ihrer Vertreter wird vorbehaltl. Der Gemeindebeschluß darüber muß aber längstens bis 1ten April l.(aufenden) J.(ahres) erhoben sein. Auch wird die oberamtliche Genehmigung und mit derselben die Einsicht und der Ausspruch der Großh(erzog)l.(ichen) Bauinspektion Heidelberg, daß in dieser Behausung zur Einrichtung sämmtlicher Schulen der christl. Confessionen hiesiger Gemeinde und des Rathhauses hinreichender Raum vorhanden sey mit Einschluß der Lehrer- wohnungen.
2.
Die Einweisung in den Besitz dieser Realitäten geschieht unmittelbar nach erfolgter Genehmigung von Seiten des Großh. Oberamts und erfolgter Zustimmung der Ge- meinde.
3.
Die Zahlung des Kaufschillings muß längstens bis 26ten April l. J. mit Zins á 4 ½ procent vom Tag der Einweißung in den Besitz an gerechnet in ungetrennter Summa jedoch 6000 fl. früheren Kaufschil- lingsrest an Freiherrn Simon von Eichthal in München oder an dessen Bevollmächtigten und der Rest an den Verkäufer bezahlt werden.
4.
Mit dem Tag der Einweisung in den Besitz übernimmt die Ge- meinde alle Lasten und Be- schwerden welche auf den Kauf- objekten ruhen und sich etwa später darauf erfinden sollten. 5.
Kaufkosten u.s.w. zahlt die Gemeinde. Vorgelesen und unterschrieben
von dem Verkäufer 1. Peter Mathäus Müller
von der Käuferin 1.) Gemeinderath
Waldbauer Bgrmstr. (=Bürgermeister)
Daniel Volk Bernhardt Löscher Jacob Rehm
2.) Bürgerausschuß:
Nicolaus Weidemaier Ludwig Lingg Martin Appel Conrad Hemmy Ludwig Schollenberger Jacob Dietz
In fidem Joseph, Rthschrbr. (=Ratschreiber)
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| Leider existieren die Orangerie, die Treibhäuser, der Palmengarten und die Springbrunnen, die zum Ensemble gehörten, nicht mehr. Keine Pläne oder Abbildungen sind erhalten geblieben, so dass der Besucher auf seine Phantasie angewiesen ist. Der Schwetzinger Schlossgarten dürfte wohl als Vorbild gedient haben, so dass sein Aussehen zumindest in Ansätzen und in wesentlich kleineren Maßstäben diesem entsprochen haben dürfte.
Das Palais wurde in späterer Zeit immer wieder renoviert, ein Anbau aus späterer Zeit 1990 abgebrochen, um das ursprüngliche Bild wiederherzustellen.
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 | | Das Rathaus mit Anbau nach 1907 |
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 | | Das Rathaus mit Anbau in den 70er Jahren |
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 | | Die Rekonstruktion der Fassade nach dem Abbruch des Anbaus 1990/91 |
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 | | Nach dem Abbruch des Anbaus 1990/1991 |
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| Heute sind hier die Verwaltungsspitze mit den Diensträumen des Oberbürgermeisters sowie das Hauptamt der Stadtverwaltung Leimen untergebracht. Ein großes Bild im Treppenaufgang erinnert noch an den Erbauer, Aron Elias Seligmann.
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|  |  |  |  |  | zum Seitenanfang |  |  |  |  |  |  | Der Spiegelsaal des Rathauses |
Viele Hochzeitspaare haben sich im Spiegelsaal im Laufe der Jahre in stilvollem Ambiente das Jawort gegeben, für viele Empfänge, Ehrungen und Feiern bildet er den repräsentativen Hintergrund.
Seinen Namen verdankt der Saal den großen Barockspiegeln, die in früheren Zeiten den Schein der Kerzen verstärkten und deren wohl berühmteste Version im Schloß zu Versailles zu sehen ist, wo am 18. Januar 1871 Wilhelm I. von seinem Schwiegersohn, dem Großherzog Friedrich von Baden, zum Deutschen Kaiser ausgerufen wurde.
Wilhelm selbst hatte sogar zusammen mit seinem Vater, König Friedrich Wilhelm III. und seinem Bruder, dem späteren König Friedrich Wilhelm IV. den Spiegelsaal im Palais Seligmann zu Leimen in der Neujahrsnacht 1814 betreten. Grund dafür war die Übernachtung der königlichen Familie vor der Weiterreise nach Frankreich.
Im nach Süden orientierten Spiegelsaal sind diverse Stilrichtungen vertreten, Hellenismus und Barock sind hierbei die hervorstechenden. Die vier Gemälde und der Wandschmuck stammen aus der griechischen Mythologie.
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Das Palais wurde bereits am 24. August 1832 an den Karlsruher Bürger und Bierbrauer Peter Mathäus Müller und dessen Ehefrau verkauft, die es aber schon am 26. März 1841 an die Gemeinde Leimen weiterverkauften. Im Kaufvertrag, der sich im Grundbucharchiv der Stadt befindet, findet sich hierzu die Bemerkung „...sammt allem, was nied- und nagelfest ist, wie auch die Spiegel und Gemälde...“
Die Gemeinde war damals offensichtlich aber an der Inneneinrichtung des Spiegelsaales nicht sonderlich interessiert. In den „Heidelberger Tageblättern“ vom 19. September 1841 findet sich nämlich folgende Anzeige:
„Leimen. (Spiegel=, Oelgemälde= und marmorne Kamine=Verkauf). In dem ehemals von Eichthal’schen, von der Gemeinde erkauften Palais, werden zum Verkauf ausgeboten:
1) 5 Spiegel mit Aufsätzen; mit diesen zwischen 27“ und 35“ breit und 54“ bis 67“ hoch. 2) 7 Oelgemälde, nach Raphael, zwischen 50“ - 60“ hoch und 37“ - 50“ breit; vorstellend: 1) Flora, 2) Bacchus, 3) Sylen oder die Trunkenheit mit mehreren Figuren, 4) ein Diener des Jupiter mit dem Adler, 5) der Todesbote, 6) die Liebe, in 3 Figuren, 7) ein Triumphwagen, mit mehreren Figuren. 3) Zwei franz. Kamine von weißem Marmor, die in Paris gemacht wurden und 57“ breit sind, auf beiden Seiten mit Lesinen; Wände und Bodenplatten von Gußeisen. Bei annehmbaren Geboten werden die beschriebenen Gegenstände aus der Hand verkauft; in jedem Fall aber Tagfahrt zu einer Versteigerung auf den 27. d. M., Nachmittags 2 Uhr, festgesetzt. Kaufliebhaber wollen sich gefälligst beim Gemeinderath melden und an jenem Tage einfinden.
Leimen, den 13. September 1841 Das Bürgermeisteramt. Waldbauer.“
Zum Glück für Leimen und seinen Spiegelsaal scheint das Angebot, welches auch in anderen Zeitungen erschien, aber keine Liebhaber angelockt zu haben. Recherchen in den Verkaufsunterlagen der damaligen Zeiten erbrachten keine Belege über einen verbuchten Verkauf, so dass man davon ausgehen darf, dass es sich bei den noch vorhandenen Inventarien um Originalstücke aus dieser Zeit handelt.
Erst in neuerer Zeit gewann Rudi Dorsch Forschungsergebnisse, die nahe legen, dass es sich bei dem Künstler um den Mannheimer Historien- und Porträtmaler Peter Ferdinand Deurer handelt.
Dieser Historien- und Porträtmaler wurde am 5. Januar 1777 in Mannheim geboren und war seit 1793 Schüler des zweibrückischen Hofmalers Johann Christof Mannlich. 1799 half er mit, die nach Mannheim gebrachte herzoglich zweibrückische Galerie nach München zu retten und studierte anschließend auf den Akademien in Düsseldorf und Kassel. 1811 wurde er aufgrund seiner Verdienste um die zweibrückische Galerie zum Direktor der Galerie in Augsburg ernannt, wo er sich durch seine sehr sorgfältig ausgeführten, außerordentlich ähnlichen Porträts einen guten Ruf erwarb.
1804 malte er das sog. „pompejanische Zimmer“ im züllenhardtschen, ehem. Cheliusschen Haus in Heidelberg. Auch fertigte er einen Entwurf für ein Wandgemälde, das eine verblüffend große Ähnlichkeit mit denen im Spiegelsaal des Leimener Rathauses aufweist.
Ab 1823, dem Jahr, in dem er das erste Mal nach Rom gereist war, lebte er mit seiner Frau und seinen beiden Kindern wieder in Mannheim. 1826 nahm er seine Entlassung und verlegte 1829 Wohnsitz nach Rom, wo er bis 1843 nachweisbar ist. Wie viele Künstler seiner Zeit verspürte er den inneren Drang, in Italien seine Kunst zu erproben und zu verfeinern. Er hielt mit spitzem Bleistift sehr sorgsam fest, was er dort sah und folgte den Spuren der Maler der vorausgegangenen Generation. In diesem Jahr zwang ihn ein Leberleiden, zur Kur nach Kissingen zu gehen; den Winter verbrachte er in München, wo er am 9. Januar 1844 starb.
Deurer wohnte mit seiner Frau Susanna Karolina, geb. Fröhlich, die er am 11. August 1805 geheiratet hatte in Rom in der Via Gregoriana 33 und war öfters Vorstand der Deutschen Künstlerbibliothek in Rom. Er studierte dort besonders Raffael, in dem er zahlreiche Kopien nach dessen Bildern anfertigte. Sein obiges Porträt zeichnete 1836 sein Sohn Ludwig Friedrich Deurer (* 16. Mai 1806 in Mannheim, † 1847) für das Deutsche Künstleralbum in Rom.
Im Rahmen dieser Arbeit erbrachte Rudi Dorsch auch Hinweise, dass Verschaffelts Sohn Maximilian, Baumeister und Architekt, die Planerstellung zum Palais Seligmann ausgearbeitet haben könnte. Sein Vater, Peter Anton von Verschaffelt wurde am 8. Mai 1710 in Gent geboren und stand seit 1752 in Diensten des Kurfürsten Karl Theodor. Er schuf sowohl für den Schwetzinger Schlossgarten als auch für das Mannheimer Zeughaus und das dortige Palais Bretzenheim Skulpturen, Bildnisse und dekorative Reliefs. Zugleich war er der Architekt des Mannheimer Zeughauses, heute Reiß-Engelhorn-Museum und des Palais Bretzenheim. Er starb am 5. Juli 1793 in Mannheim.
Der Spiegelsaal ist damit wie das gesamte Gebäude ein architektonisches Kleinod, auf das man in Leimen zu Recht stolz ist und es gilt als eines der schönsten Rathäuser in der Kurpfalz. Besichtigen kann man den Spiegelsaal nach vorheriger Anmeldung während der üblichen Dienstzeiten des Rathauses.
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|  |  |  |  |  | zum Seitenanfang |  |  |  |  |  |  | Die Jahre zwischen 1832 und 1841 |
Das Leimener Rathaus nach der Familie Seligmann und vor der Nutzung als Verwaltungs- und Schulgebäude Die Geschichte des Leimener Rathauses kann trotz mancher wohl nie zu schließender Lücken als überwiegend gut erforscht und durch zahlreiche Originaldokumente als belegt gelten und wurde bereits mehrfach publiziert.
Eine Lücke klafft jedoch zwischen 1832 und 1841, also zwischen erstmaligem Verkauf des Anwesens am 24. Juli 1832 durch den Sohn des Erbauers Aaron Elias Seligmann, Simon von Eichthal nach dem Tod der Mutter und dem Erwerb des Gebäudes 1841 durch die Gemeinde Leimen als neues Schul- und Rathaus.
Zwar ist der Name des Käufers im Jahre 1832 in Gestalt des Karlsruher Bierbrauers Peter Matthäus Müller durchaus bekannt, denn der Vertrag vom 26. März 1841, mit dem er das Gebäude an die Gemeinde Leimen weiter verkaufte, befindet sich im Archiv der Stadt Leimen, aber über den Eigentümer der Jahre von 1832 bis 1841 ist nur wenig bekannt.
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|  | Das Leben Peter Müllers schilderte Martin Frey ausführlich, aus seiner Arbeit werden daher die wesentlichen Passagen entnommen.
Peter Matthäus Müller wurde 1810 in Heidelberg geboren, wo sein Vater Johann Gottlieb Müller das vor dem sogenannten „Schießtor“ gelegene Gasthaus „Zum Riesenstein“ betrieb, in dem heute eine Burschenschaft ihr Heim hat.
Der Vater war wohlhabend, so dass er seinen drei Söhnen entsprechende Startchancen verschaffen konnte. Der älteste Sohn Karl übernahm 1832 das elterliche Gasthaus, der zweite Sohn Salomon studierte und erwarb sich in niederländischen Diensten hohes Ansehen als Gelehrter. Peter Müller erlernte das Brauhandwerk und konnte es sich aufgrund der väterlichen Finanzausstattung leisten, am 24. August 1832 das Palais Eichthal bzw. Seligmann für 9.000 Gulden zu kaufen, um dort eine Gastwirtschaft mit Bierbrauerei und einer Branntweinbrennerei einzurichten.
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| Gezahlt wurde in Raten. 2.000 Gulden waren am Tag der der Protokollierung fällig, weitere 2.500 Gulden am 1. Oktober 1832. Den Rest von 4.500 Gulden konnte Müller, „sobald als thunlich ist mit 4½ Zins an Herrn Freiherr Simon von Eichthal oder dessen Ordre bezahlen“, d. h. der Betrag wurde ihm zunächst gestundet.
Müller betrieb seine Gastwirtschaft und Brauerei im Palais Seligmann nur wenige Jahre und verkaufte es am 26. März 1841 an die Gemeinde Leimen „einschließlich Orangerie und Gemälden“ für 8.000 Gulden, wovon jedoch allein 6.000 Gulden noch an Simon von Eichthal als ausstehende Schuld inkl. Zinsen gezahlt werden mussten. Müller scheint also bereits die erste Rate nicht vollständig bezahlt zu haben, warum, ist unbekannt, es deutet aber darauf hin, dass das Geschäft nicht wie vorgestellt lief und ihm das große Gebäude in der Unterhaltung wohl zu kostspielig wurde. Wahrscheinlich sah er aber dann woanders bessere Entwicklungsmöglichkeiten, denn bereits 1839 hatte er sich in Karlsruhe niedergelassen. Vermutlich stand das Palais in Leimen daher leer und Müller war sicher erleichtert, als er einen Käufer gefunden hatte. In Leimen suchte man zu diesem Zeitpunkt einen Ersatz für das zu klein gewordene alte Rathaus, da kam das leerstehende große Gebäude wohl gerade recht.
Die Gemeinde Leimen versuchte unmittelbar nach dem Ankauf zumindest einen Teil des Kaufpreises wieder hereinzubekommen. In den „Heidelberger Tageblättern“ vom 19. September 1841 erschien eine Anzeige, in der es hieß: „In dem ehemals von Eichthal’schen, von der Gemeinde erkauften Palais werden zum Verkauf ausgeboten:
1. 5 Spiegel mit Aufsätzen, mit diesen zwischen 27“ bis 35“ breit und 55“ bis 67“ hoch 2. 7 Oelgemaelde, nach Raphael zwischen 50-60“ hoch und 37-50“ breit; vorstellend 1) Flora, 2) Bacchus, 3) Sylen oder die Trunkenheit mit mehreren Figuren, 4) ein Diener des Jupiter mit dem Adler, 5) der Todesbote, 6) die Liebe, in zwei Figuren, 7) ein Triumphwagen, mit mehreren Figuren 3. Zwei franz. Kamine von weißem Marmor, die in Paris gemacht wurden und 57“ breit sind, auf beiden Seiten mit Lesinen; Wände und Bodenplatten von Gusseisen.
Bei annehmbaren Geboten werden die beschriebenen Gegenstände aus der Hand verkauft; in jedem Fall aber Tagfahrt zu einer Versteigerung auf den 27. d. M., nachmittags 2 Uhr, festgesetzt. Kaufliebhaber wollen sich gefälligst beim Gemeinderath melden und an jenem Tage einfinden.
Leimen, den 13. September 1841 Das Bürgermeisteramt. Waldbauer“
Ganz offensichtlich hatte sich das Bürgermeisteramt über das mögliche Publikumsinteresse getäuscht. Obwohl sich die Quellen über den – sicherlich unbefriedigenden - Verlauf des Versteigerungstags ausschweigen, können die damals zum Verkauf angebotenen Gemälde glücklicherweise noch heute im Rathaus im Original besichtigt werden – der Spiegelsaal dient vielen jungen Paaren als stilvoller Beginn eines gemeinsamen Lebenswegs.
Müller ließ sich wie gesagt schon 1839 in Karlsruhe nieder und eröffnete in der Zähringerstraße 68 eine Bierbrauerei und die Gaststätte „Zum Römer“. Zu dieser Zeit heiratete er Barbara Clever aus Hockenheim, aus der Ehe gingen insgesamt sieben Kinder hervor.
In Karlsruhe etablierte sich Müller rasch, die Karlsruhe Bierbrauer- und Küferzunft wählte ihn zweimal zu ihrem Vorsitzenden. Zusammen mit seinem Schwager Georg Clever, dem er 1842 den Weg nach Karlsruhe geebnet hatte, baute er sein Geschäft aus. Im „Schicksalsjahr“ 1848 betrieb er zusammen mit Clever ein viel- und gut besuchtes Gartenlokal vor den Toren der Residenzstadt auf der Straße nach Mühlburg, der heutigen Kaiserallee.
Müller hatte noch aus seiner Heidelberger Jugendzeit viele Bekanntschaften mit Männern, die dort studiert hatten und sympathisierte offen mit den revolutionären Ideen, die im Februar 1848 aus Paris nach Baden schwappten und hier nicht zuletzt aufgrund der schweren Wirtschaftskrise von 1846 und der damit verbundenen Unzufriedenheit in weiten Teilen der Bevölkerung auf fruchtbaren Boden fielen. Sein Untermieter in Karlsruhe war zu dieser Zeit der Redakteur Karl Blind, der zusammen mit Freunden das Karlsruher Zeughaus stürmen wollte und hierfür Arbeiter aufwiegelte. Der Plan wurde verraten und zusammen mit den Aufrührern wurden am 28. Februar 1848 auch Peter Müller und sein Schwager Georg Clever verhaftet. Der nächste Tag sah zwar alle zwei wieder auf freiem Fuß, aber die beiden waren nun aktenkundig, was sich zumindest für Peter Müller als folgenschwer herausstellte.
Er machte auch in der folgenden Zeit aus seiner Meinung keinen Hehl, etliche Zeitzeugen bezeichnen ihn als politischen Agitator. In seiner Gaststätte trafen sich zahlreiche Unzufriedene, auch viele Soldaten gingen bei ihm ein und aus. Augenzeugen schilderten das Treiben dort, das ihm dem wenig schmeichelhaften Spitznamen „Affenmüller“ eintrug und zu einer stadtbekannten Erscheinung machte. Dies führte dazu, dass es Peter Müller angeraten erschien, am 25. Juni 1849, kurz vor dem Einmarsch der preußischen Truppen in die badische Landeshauptstadt zusammen mit seiner Familie Karlsruhe zu verlassen und in Straßburg Zuflucht zu suchen. Dieser Rettungsversuch wurde zu seinem Verhängnis.
Seine geschäftlichen Unternehmungen in Karlsruhe hatte er wie die meisten seiner Zeitgenossen mit Krediten finanziert, die er bei Geschäftspartnern, Freunden und Verwandten aufgenommen hatte. Viele von ihnen hatten ihre Ansprüche weiterverkauft und diese Dritten zogen nun nach Müllers Flucht vor die Gerichte und erwirkten einen Zahlungsbefehl, dem dieser aufgrund seines Auslandsaufenthalts nicht nachkommen konnte. Nach Ablauf der Frist wurden daraufhin im Januar 1850 sein Haus und sein gesamtes zurückgelassenes Eigentum zwangsversteigert – Müller war ruiniert.
Seine Frau Barbara kehrte mit den Kindern bald darauf nach Karlsruhe zurück, wo sie durch ihren Schwager Karl Müller aus Heidelberg, den ältesten Bruder ihres Mannes, zumindest etwas Unterstützung fand. Ihr Mann Peter Müller selbst fasste nun den Plan, mit seiner Familie in die USA auszuwandern und wollte zur Vorbereitung dieses Plans noch einmal nach Karlsruhe zurückkehren, um alles hierfür Notwendige zu erledigen. Auf entsprechende Briefe an die zuständigen Behörden reagierten diese allerdings nur ausweichend. Als er im Dezember 1850 nach Baden zurückkehrte, wurde er sofort verhaftet und eingekerkert. Nach einem halbem Jahr Haft fällte ein Gericht im Juni 1851 ein hartes Urteil – wegen „hochverräterischen Unternehmungen“ wurde er zu drei Jahren Zuchthaus bzw. zu zwei Jahren Einzelhaft und zu Schadenersatz für alle Kosten verurteilt, am 10. September wurde er im Bruchsaler Zuchthaus eingeliefert.
Besonders hart traf es seine Familie. Barbara Müller, die eine Fehlgeburt erlitten hatte, musste mit den sieben Kindern in Karlsruhe von einer kargen Unterstützung leben, in deren Verlauf die Familie auch gesundheitlich schwere Schäden davontrug. Zwei Kinder erblindeten teilweise, andere litten an Nervenfieber oder Brustfellentzündungen. Zahlreiche Gnadengesuche Müllers wurde im Gegensatz zu denen anderer Revolutionären abgelehnt.
Seine ganze Hoffnung baute Müller nun auf ein Buch, in dem er seine mittlerweile über 25jährigen Brauerfahrungen niederlegte. Mit dem Erlös hoffte er, die Auswanderung finanzieren zu können und bat daher darum, die Herausgabe organisieren zu dürfen. Auch dies wurde ihm verweigert, die bereits eingegangenen Vorbestellungen daraufhin storniert. Er musste seine volle Strafe bis September 1853 verbüßen und wurde als völlig verarmter Mann entlassen.
Eine Auswanderung war unter diesen Umständen ausgeschlossen und so lebte die Familie noch über zwei Jahre in ärmlichsten Verhältnissen, da es ihm auch nicht gelang, eine Anstellung zu finden. Das Blatt schien sich im Februar 1854 zu wenden, als es ihm endlich gelang, für das Manuskript seines Buches einen Verleger in Braunschweig zu finden, mit dem er auch schnell handelseinig wurde. Schon im November des gleichen Jahres lag der Band vor. Das über 400 Seiten starke Buch erregte in Fachkreisen beträchtliches Aufsehen und avancierte rasch zu einem Standardwerk, brachte aber leider nicht die erhofften Einnahmen.
Etwa um 1856 verließ Müller mit seiner Familie Karlsruhe und begab sich zunächst nach Dresden, wo er eine Brauerei leitete. Weitere Stationen in seinem Leben waren anschließend Belgien, Frankreich und die Schweiz, wo er die bayerische Brauweise einführte. Eine eigene Brauerei gründete er nicht mehr, ob aus Mangel an Kapital oder weil ihn seine unstete Lebensweise daran hinderte, ist unbekannt. 1862 erschien eine französische Übersetzung seines Handbuches und 1869 plante er eine zweite deutsche Auflage. In diesem Jahr zog er aus geschäftlichen Gründen nach Paris, wo ihn dann der Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges überraschte. Die Feindseligkeiten führten zu seiner sofortigen Ausweisung, bei der er buchstäblich nur das mitnehmen konnte, was er am Leibe trug. Erneut stand er vor dem Aus, zumal er sein fast fertiges Manuskript in Paris zurücklassen musste und dies beim Aufstand der Kommune 1871 verloren ging.
Nach dem Krieg ließ er sich in Schiltigheim im nun deutsch gewordenen Elsaß nieder. Dort waren ab den 60er Jahren zahlreiche Brauereien gegründet worden, so dass er zusammen mit seinem Sohn Wilhelm ein reiches Betätigungsfeld fand. In Schiltigheim starb Peter Matthäus Müller in seinem 73. Lebensjahr am 8. Februar 1883.
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|  |  |  |  |  | zum Seitenanfang |  |  |  |  |  |  Johann Peter Langer - der Maler des großen Porträts von Aron Elias Seligmann
Als im Frühjahr 1985 Paul Freiherr von Moreau der Stadt Leimen das in seinem Besitz befindliche große Porträt des Aron Elias Seligmann (1747 - 1824) angeboten und nicht in einem Aktionshaus an X oder Y versteigert wurde, war es eine glückliche Fügung, die sich der damalige Oberbürgermeister Ehrbar nicht entgehen ließ und zugriff. Das Ölgemälde befand sich im Magazin der Neuen Pinakothek in München. Es zeigt in Lebensgröße den kurpfälzisch-bayrischen Hoffaktor als erfolgverwöhnten Bankier seiner Zeit. Freiherr von Moreau schreibt in seinem Brief vom 28. Mai 1985, dass das große Porträt bis zum Tod seiner Großmutter Elisabeth Freifrau von Moreau geborene von Eichthal im Jahre 1944 in deren Münchner Haus hing. Das Bild hat eine Abmessung von 1,58 m Breite und 2,25 m Höhe inclusive des 15 cm tiefen Rahmens und zeigt den 62-jährigen Aron Elias Seligmann auf einem Stuhl sitzend und ins Freie blickend. Neben seinem Stuhl befindet sich ein kleines Tischchen mit Schreibzeug, d. h. Federn, die in einem Porzellangefäß stehen; ein deutlicher Hinweis auf seine kaufmännische Tätigkeit als Finanzier des Bayrischen Staates und des Adels. An der rechten Seite seiner Person erkennt man gerade noch einen Wandabschluss in klassizistischer Ausführung. Der Bildhintergrund ist so stark geschwärzt, dass der Betrachter nur andeutungsweise die einzelnen Gegenstände erkennen kann; eine Restaurierung wäre angebracht und wünschenswert.
Uns drängt sich unwillkürlich die Frage auf, wer sich in dieser Zeit solch ein großes Porträt leisten konnte? Es war der Hochadel. Doch Aron Elias Seligmann, ein Schutzjude, zählte nicht dazu, aber als Heereslieferant und Finanzier der Kurpfalz und des Königreiches Bayern zählte er zum „Geldadel“. Erst mit 67 Jahren war es ihm endlich vergönnt, dass ihm der König Maximilian I. Joseph die Gunst erwies, ihn und seine Familie in den erblichen Freiherrenstand zu erheben. Ab 1814 durfte er sich fortan Freiherr von Eichthal nennen.
Auch das Wappen der ausgestorbenen Linie von Eichthal wurde ihm verliehen.
Der Maler des Bildes „Herr Seeligmann“ ist der Akademiedirektor Johann Peter Langer. Ein kleines Porträt, das den Auftraggeber im Brustbild zeigt, wurde von Herrn Robert d´Eichthal, dem letzten Nachkommen der französischen Linie, 1980 der Stadt Leimen übergeben. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Johann Peter Langer dieses kleine Bild als Studie vorab malte. Seine Porträts sind vor allem durch die genaue und natürliche Wiedergabe des zu Porträtierenden bekannt. In seinen Porträts entwickelte er einen persönlichen Stil, den er ausdrucksvoll wiedergab. Seine Zeitgenossen schätzten seine Porträts und Nagler schreibt in seinem Lexikon: „So hat er in eine Reihe herrlicher Bildnisse sich nicht nur den größten seiner Zeitgenossen in diesem Fache auf das rühmlichste zugesellet, sondern zugleich , vorzüglich in dem Colorite, sich an das Beste angeschlossen, was die niederländische Schule in ihren guten Zeiten hervorgebracht.“
Johann Peter Langer wurde am 1. Juli 1756 in Kalkum, wo sein Vater herrschaftlicher Gärtner beim Grafen von Hatzfeld war, getauft. Sein genaues Geburtsdatum ist nicht bekannt. Als Neunzehnjähriger begann er seine künstlerische Ausbildung an der Düsseldorfer Kunstakademie, die von Lambert Krahe geleitet wurde und wo Langer 1777 den ersten Preis der Akademie errang. In Krahes Schule erlernte er das Zeichnen im Rückgriff auf die Stilmittel früherer Künstlerepochen, vor allem des späten Barock. 1784 wurde Langer zum Professor der Düsseldorfer Akademie ernannt. Drei Jahre später trat er mit seiner Kunst erstmals an die Öffentlichkeit. Er vertraute Christoph Martin Wieland, der den „Teutschen Merkur“ herausgab, seine Zeichnungen an und kein Geringerer als Goethe hat die „unpartheyisch sorgfältige Vergleichung“ mit Lob beschrieben. 1790, nach dem Tod von Lambert Krahe, ernannte ihn Kurfürst Carl-Theodor zum Nachfolger der Düsseldorfer Akademie. Nach der verheerenden Beschießung Düsseldorfs durch die französische Revolutionsarmee im Jahre 1794 floh Langer nach Duisburg. Dort gründete er mit dem Großkaufmann Böninger das Mechanographische Institut. Hier entwickelte er ein Verfahren zur Herstellung von in Öl gemalten Bildern auf Leinwandtapeten. Das Unternehmen blieb auf Grund mangelnder Aufträge erfolglos. Er trennte sich von Böninger und widmete sich der arg durch die Kriege gebeutelten Düsseldorfer Akademie. 1805 wurde ihm der Auftrag erteilt, die Bilder der Düsseldorfer Gemäldegalerie zu verpacken und nach München zu überführen. Daraufhin erfolgte seine Versetzung nach München, nachdem die Bilder der Düsseldorfer Gemäldegalerie in Sicherheit waren. Hier wurde er zum ersten Direktor der neuen Münchner Kunstakademie bestellt. Diese Jahre bilden den Höhepunkt in Langers Schaffen. Hier traf er auf bedeutende Leute aus dem Adel, dem Hof und dem aufstrebenden Bürgertum, aber auch auf große Künstler. Er begegnete dem Königlich Bayrischen Hofbankier Aron Elias Seligmann, der ihn beauftragte, von ihm ein lebensgroßes Porträt zu malen. Sein letztes Porträt malte Langer 1812. Es zeigt die Kronprinzessin Therese von Bayern in ganzer Figur in Öl auf Leinwand, 2,19 m hoch und 1,45 m breit. Insgesamt malte er 52 Porträts. Aus seinem Atelier kommen 55 historische und religiöse Gemälde sowie unzählige Zeichnungen und Studien.
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 | | Aron Elias Seligmann (1747 - 1824) |
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| Das Ölgemälde befand sich im Magazin der Neuen Pinakothek in München. Es zeigt in Lebensgröße den kurpfälzisch-bayrischen Hoffaktor als erfolgverwöhnten Bankier seiner Zeit. Freiherr von Moreau schreibt in seinem Brief vom 28. Mai 1985, dass das große Porträt bis zum Tod seiner Großmutter Elisabeth Freifrau von Moreau geborene von Eichthal im Jahre 1944 in deren Münchner Haus hing. Das Bild hat eine Abmessung von 1,58 m Breite und 2,25 m Höhe inclusive des Rahmens und zeigt den 62-jährigen Aron Elias Seligmann auf einem Stuhl sitzend und ins Freie blickend. Neben seinem Stuhl befindet sich ein kleines Tischchen mit Schreibzeug, d. h. Federn, die in einem Porzellangefäß stehen; ein deutlicher Hinweis auf seine kaufmännische Tätigkeit als Finanzier des Bayrischen Staates und des Adels. An der rechten Seite seiner Person erkennt man gerade noch einen Wandabschluss in klassizistischer Ausführung. Der Bildhintergrund ist so stark geschwärzt, dass der Betrachter nur andeutungsweise die einzelnen Gegenstände erkennen kann; eine Restaurierung wäre angebracht und wünschenswert.
Uns drängt sich unwillkürlich die Frage auf, wer sich in dieser Zeit solch ein großes Porträt leisten konnte? Es war der Hochadel. Doch Aron Elias Seligmann, ein Schutzjude, zählte nicht dazu, aber als Heereslieferant und Finanzier der Kurpfalz und des Königreiches Bayern zählte er zum „Geldadel“. Erst mit 67 Jahren war es ihm endlich vergönnt, dass ihm der König Maximilian I. Joseph die Gunst erwies, ihn und seine Familie in den erblichen Freiherrenstand zu erheben. Ab 1814 durfte er sich fortan Freiherr von Eichthal nennen.
Auch das Wappen der ausgestorbenen Linie von Eichthal wurde ihm verliehen.
Der Maler des Bildes „Herr Seeligmann“ ist der Akademiedirektor Johann Peter Langer. Ein kleines Porträt, das den Auftraggeber im Brustbild zeigt, wurde von Herrn Robert d´Eichthal, dem letzten Nachkommen der französischen Linie, 1980 der Stadt Leimen übergeben. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Johann Peter Langer dieses kleine Bild als Studie vorab malte. Seine Porträts sind vor allem durch die genaue und natürliche Wiedergabe des zu Porträtierenden bekannt. In seinen Porträts entwickelte er einen persönlichen Stil, den er ausdrucksvoll wiedergab. Seine Zeitgenossen schätzten seine Porträts und Nagler schreibt in seinem Lexikon: „So hat er in eine Reihe herrlicher Bildnisse sich nicht nur den größten seiner Zeitgenossen in diesem Fache auf das rühmlichste zugesellet, sondern zugleich , vorzüglich in dem Colorite, sich an das Beste angeschlossen, was die niederländische Schule in ihren guten Zeiten hervorgebracht.“
Johann Peter Langer wurde am 1. Juli 1756 in Kalkum, wo sein Vater herrschaftlicher Gärtner beim Grafen von Hatzfeld war, getauft. Sein genaues Geburtsdatum ist nicht bekannt. Als Neunzehnjähriger begann er seine künstlerische Ausbildung an der Düsseldorfer Kunstakademie, die von Lambert Krahe geleitet wurde und wo Langer 1777 den ersten Preis der Akademie errang. In Krahes Schule erlernte er das Zeichnen im Rückgriff auf die Stilmittel früherer Künstlerepochen, vor allem des späten Barock. 1784 wurde Langer zum Professor der Düsseldorfer Akademie ernannt. Drei Jahre später trat er mit seiner Kunst erstmals an die Öffentlichkeit. Er vertraute Christoph Martin Wieland, der den „Teutschen Merkur“ herausgab, seine Zeichnungen an und kein Geringerer als Goethe hat die „unpartheyisch sorgfältige Vergleichung“ mit Lob beschrieben. 1790, nach dem Tod von Lambert Krahe, ernannte ihn Kurfürst Carl-Theodor zum Nachfolger der Düsseldorfer Akademie. Nach der verheerenden Beschießung Düsseldorfs durch die französische Revolutionsarmee im Jahre 1794 floh Langer nach Duisburg. Dort gründete er mit dem Großkaufmann Böninger das Mechanographische Institut. Hier entwickelte er ein Verfahren zur Herstellung von in Öl gemalten Bildern auf Leinwandtapeten. Das Unternehmen blieb auf Grund mangelnder Aufträge erfolglos. Er trennte sich von Böninger und widmete sich der arg durch die Kriege gebeutelten Düsseldorfer Akademie. 1805 wurde ihm der Auftrag erteilt, die Bilder der Düsseldorfer Gemäldegalerie zu verpacken und nach München zu überführen. Daraufhin erfolgte seine Versetzung nach München, nachdem die Bilder der Düsseldorfer Gemäldegalerie in Sicherheit waren. Hier wurde er zum ersten Direktor der neuen Münchner Kunstakademie bestellt. Diese Jahre bilden den Höhepunkt in Langers Schaffen. Hier traf er auf bedeutende Leute aus dem Adel, dem Hof und dem aufstrebenden Bürgertum, aber auch auf große Künstler. Er begegnete dem Königlich Bayrischen Hofbankier Aron Elias Seligmann, der ihn beauftragte, von ihm ein lebensgroßes Porträt zu malen. Sein letztes Porträt malte Langer 1812. Es zeigt die Kronprinzessin Therese von Bayern in ganzer Figur in Öl auf Leinwand, 2,19 m hoch und 1,45 m breit. Insgesamt malte er 52 Porträts. Aus seinem Atelier kommen 55 historische und religiöse Gemälde sowie unzählige Zeichnungen und Studien.
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| | Auch habe er streng darauf geachtet, „daß nach der Natur, nach dem lebenden Modell gezeichnet und gemalt wurde“. Er vertrat einen akademischen Klassizismus, welcher bereits Ansätze zum Realismus enthielt. Der junge frühverstorbene Carl Philipp Fohr, der in vier Feder- bzw. Bleistiftstudien „Das Frankenloch“ zu Leimen zeichnete, war von Juli 1815 bis Mai 1816 an der Münchner Akademie eingeschrieben. Da er mit seinem Freund für ein nationalgeeintes Deutschland warb und das auch in seiner Kleidung zum Ausdruck brachte, wurde er nach Ermahnungen von Langer aus der Akademie ausgeschlossen. Der Direktor Johann Peter Langer war ein streng konservativer bayrischer Untertan. Er starb am 6. August 1824 auf seinem Landgut Haidhausen.
R. Dorsch
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|  |  |  |  |  | zum Seitenanfang |  |  |  |  |  |  | Der Name "Seligmann" und seine Herkunft |
Das die jüdische Familie Seligmann, ab 1814 vom bayrischen König Maximilian I. Joseph als Freiherren von Eichthal in München geadelt, für die Geschichte der Stadt Leimen eine große Rolle spielten, ist sicher nicht nur den Einwohnern der Großen Kreisstadt bekannt. Woher kommt aber der Name „Seligmann“?
Die Ursprünge der Leimener Familie Seligmann liegen in Hessen. Um 1640 wird in Treysa (heute Stadtteil von Schwalmstadt in Nordhessen) Aron geboren. Nach seiner Heirat um 1670 kommen wohl etwa 1680 zwei Söhne auf die Welt, die die Namen Seligmann Aron und Meir Seligmann erhielten. Beide wanderten in die Kurpfalz aus und ließen sich in Leimen nieder. Seligmann Arons jüngster Sohn Elias wurde 1710 in Leimen geboren, sein ältester Sohn Aron Elias wurde der spätere Freiherr von Eichthal.
Juden benutzten Benennungen und Bezeichnungen als eine rein persönliche Identifikation, lange bevor die eigentlichen Familiennamen eingeführt wurden. Diese Bezeichnungen basierten in der Regel auf hebräischen und biblischen Namen. Aschkenasische, d. h. europäische Juden, hatten bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts meist noch keine festen Familiennamen. In aller Regel wurde der Name des Vaters als zweiter Name benutzt, also beispielsweise Jakob ben Nathan = Jakob, Sohn des Nathan.
Es gab aber viele Ausnahmen zur Regel. Am wichtigsten steht wohl der Brauch, eine rabbinischen Dynastie mit einem, meist vom Herkunftsort des Gründers abgeleiteten, Familiennamen zu bezeichnen, z. B. (von Katzenelnbogen in Hessen) oder Emden. Diese Nachnamen dienten teils als Familiennamen, teils sozusagen als Markennamen.
In manchen Orten, besonders wo es eine größere jüdische Gemeinde gab, z. B. in Prag, wurden Nachnamen zwar nicht offiziell, aber doch einigermaßen regelmäßig verwendet.
In den absolutistisch regierten Staaten Mittel- und Nordeuropas wurde Ende des 18. Jahrhunderts damit begonnen, jüdische Bewohner als Bedingung für erweiterte Bürgerrechte zur Annahme eines unveränderbaren Familiennamens zu zwingen. Zuerst geschah dies 1787 im Erzherzogtum Österreich, ab 1790 folgte Preußen und mit ihm nach und nach die anderen deutschen Staaten.
Die Juden konnten ihre neuen Namen nicht immer frei wählen; so kam es in vereinzelten Fällen zu erniedrigenden oder gar beleidigenden Nachnamen. Aber die österreichischen und französischen Gesetze ließen keine neuen Namen zu, die den jüdischen Hintergrund des Trägers deutlich herausstellten (z.B. Namen aus dem Alten Testament oder alttestamentliche Städtenamen). Die jüdischen sollten sich von deutschen Familiennamen möglichst nicht unterscheiden, um die Integration der Juden zu fördern, die in dieser Zeit volle Bürgerrechte erhielten.
Je nach Region konnte die Namensgebung unterschiedlich verlaufen, so dass bei der Deutung der Namen auch die Herkunftsregion eine große Rolle spielen kann.
Baruch (= der Gesegnete) wurde eingedeutscht in Selig, Seeliger, Seliger oder Seligmann.
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|  |  |  |  |  | zum Seitenanfang |  |  |  |  |  |  Eine massiv goldene Tabaksdose, die Freiherr von Eichthal als Geschenk von König Maximilian I. Joseph (1756 - 1825) erhielt.
Dieser folgte 1799 dem Kurfürsten Karl Theodor und wurde 1806 erster bayrischer König. Bekannt wurde der populäre Monarch als "König Max".
Am 22.09.1814 erhob er seinen Hofbankier Aron Elias Seligmann als Freiherrn von Eichthal in den erblichen Adelsstand und schenkte ihm diese Tabaksdose. Die ca. 9 x 5 cm große und etwa 2 cm hohe Dose ist vermutlich eine Genfer Arbeit und zeigt auf der Vorderseite das von 20 einkarätigen Brillanten eingefasste emaillierte Bild des Königs.
Diese Dose wurde der Stadt Leimen 1984 von französischen Nachfahren der Familie Eichthal, in deren Besitz sie sich bis dahin befunden hatte, vermacht. Ihr Wert wird auf etwa 60.000 € geschätzt.
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 | | -Aufnahme Fotostudio Keller Sandhausen- |
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|  |  |  |  |  | zum Seitenanfang |  |  |  |  |  |  | Vor 100 Jahren entdeckte Daniel Hartmann den Unterkiefer von Mauer |
Mit dem Begriff „Homo Heidelbergensis“ werden sicher viele Mitbürgerinnen und Mitbürger noch etwas anfangen können, beim Namen „Daniel Hartmann“ werden die meisten aber wohl eher den Kopf schütteln müssen.
Dabei sind der mit rund 500.000 Jahren älteste Überrest eines europäischen Menschen, ein Unterkieferknochen mit 16 Zähnen, und Daniel Hartmann untrennbar miteinander verbunden. Am 21. Oktober des Jahres 1907 grub der aus Leimen stammende Tagelöhner an seinem Arbeitsplatz, der Sandgrube im Grafenhain in Mauer, diese paläontologische Sensation aus.
„Heit haw ich de Adam g`funne,“ sollen seine Worte gewesen sein, als er abends im Schankraum der damaligen Gastwirtschaft Hochschwender in Mauer seinen Fund allgemein bekannt gab.
Es soll an dieser Stelle nicht auf den eigentlichen Fund eingegangen werden, hierzu gibt es umfassende einschlägige und wissenschaftlich fundierte Fachliteratur, sondern uns soll hier das Leben Daniel Hartmanns und seine Beziehung zu Leimen interessieren.
Eine erste grundlegende Arbeit zu diesem Thema, der die meisten der hier verarbeiteten Informationen entnommen wurden, stammt von Herrn Karl Ludwig Bansbach, der im Januar 1996 in der Reihe „Neues vom Stadtarchiv Leimen“ das Leben Daniel Hartmanns ausführlich schilderte. Interessenten können noch Exemplare dieser Schrift bei der Stadtverwaltung Leimen beziehen.
Unter dem Datum 05. November 1854 ist im ev.–protest. Taufbuch in Leimen folgender Eintrag zu lesen:
„43.) Im Jahre Eintausend achthundert vier und fünfzig den fünften November Nachmittags drei Uhr wurde hier geboren und am zwölften November Nachmittags zwei Uhr durch den unterzeichneten Pfarrer getauft: Daniel, ehelicher Sohn des Franz Hartmann Bürgers und Tagelöhners und der Barbara geborene Schäfer dahier. Taufpathe ist: Daniel Kalbrunner Bürger und Landwirt dahier. Zeugen: Johannes Stephan und Jakob Engelhorn Bürger und Landleute dahier, Leimen 12. November 1854. D. LLeBeau Pfr.“
Der Vater, Franz Ludwig Hartmann, brachte sich und seine Familie als Tagelöhner durch. Er war am 22.04.1819 in Leimen geboren worden und starb am 29.05.1892 in Heidelberg. Am 01.08.1847 hatte er in Leimen Eva Barbara Schäfer geheiratet (* 20.06.1817 in Leimen, + 22.01.1856 ebenda). Aus der Ehe gingen insgesamt 5 Kinder, zwei Töchter und drei Söhne, hervor. Daniel war das viertjüngste.
Der Großvater von Daniel war der am 04.02.1778 in Zuzenhausen geborene Friedrich Karl Hartmann, der am 18.07.1813 in Leimen in erster Ehe Magdalena Dietz geheiratet hatte. Magdalena starb am 21.09.1821, Friedrich Karl heiratete daraufhin ein Jahr später ihre am 15.03.1773 geborene ältere Schwester Katharina Barbara.
Beginnend mit den Eltern von Friedrich Karl, dem Schneidermeister Johann Georg Martin Hartmann (* 02.11.1751 in Neidenstein, + 07.12.1783 in Zuzenhausen) und seiner Ehefrau Elisabeth, geb. Gebhard (* November 1746 in Zuzenhausen, + 28.10.1783 ebenda), werden die derzeit nachweisbaren genealogischen Spuren der Familie Hartmann dann aber geringer.
Vater von Johann Georg Martin Hartmann war der 1717 in Neidenstein geborene Johann Christian Philipp, der dort auch am 22.06.1772 starb. Er heiratete 1740 eine um 1719 geborene Maria Charlotte, deren Nachname leider nicht überliefert ist. Mit diesen beiden verlieren sich die Spuren.
Geboren wurde Hartmann in dem Haus in der Heltenstraße, dass heute die Hausnummer 29 trägt. Dieses kleine Häuschen steht, zusammen mit einem zweiten von der Bauflucht weg nach hinten versetzt gegenüber der Einmündung des Beintwegs in die Heltenstraße. Dass es sich bei dem Haus Heltenstraße 29 um das Elternhaus des späteren Sand-Daniel handelt, belegt der Handriß „Marktflecken Leimen, Heldenstraße von Franz Hartmann bis Jacob Reinigs Garten“ von Feldmesser Joseph aus den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts.
Obwohl sich entsprechende Nachweise aufgrund fehlender Schriftstück nicht führen lassen, ist doch als sicher anzunehmen, dass Daniel Hartmann in Leimen zur Schule ging. Daniel Hartmann wuchs als Halbwaise auf. Seine Mutter war im Alter von erst 38 Jahren gestorben:
„22.1.1856 E.B. Hartmann/3) Im Jahre Eintausend achthundert sechs und fünfzig den zwei und zwanzigsten Januar Morgens neun Uhr starb hier alt acht und dreißig Jahre, sieben Monate zwei Tage und wurde am vier und zwanzigsten Januar Morgens neun Uhr durch Pfarrer Grohn (*2) beerdigt: Eva Barbara Hartmann, Ehefrau des Franz Ludwig Hartmann Bürgers und Taglöhners, Tochter des Georg Schäfer und dessen Ehefrau Elisabeth geborene (?) Bedmann von hier. Zeugen waren: Johannes Schäfer Bürger u. Landmann u. Georg Ludwig Horn Bürger und Zimmermann dahier. Leimen 24. Januar 1856 DLLeBau Pfr.“
Viel später als die Mutter starb Daniels Vater. Auch dessen Tod ist im Totenbuch der ev. Kirchengemeinde Leimen wie folgt vermerkt: „29. Mai 1892 nachmittags ½ 4 Uhr/Franz Hartmann, Taglöhner von hier, Wittwer der Eva Barbara geb. Schäfer 73 Jahre 1 Monat 7 Tage F.L. 245/+ in Heidelberg im Spital.“
Im Alter von etwa 15 Jahren ging er nach Mauer, um dort Arbeit zu suchen. Dort fand Daniel Hartmann seine Ehefrau Elisabetha, geb. Gutruf. Am 07.11.1880 war Hochzeit im Dorf auf der geologischen Grenzlinie zwischen Kraichgau und Kleinem Odenwald. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor: Sohn Martin und Tochter Konstantine. Allzu früh verstarb Daniel Hartmanns Ehefrau im Jahre 1909. Ein zweites schweres Leid traf ihn, als sein Sohn Martin 1915 in Flandern fiel, ein Schicksalsschlag, mit dem sich Daniel Hartmann sein Leben lang nicht abzufinden vermochte.
Nach dem frühen Tod der Ehefrau hatte seine Tochter Konstantine, die ledig geblieben war, seine Versorgung und Pflege übernommen.
Im Jahre 1948 verlieh im die Gemeinde Mauer schließlich die Ehrenbürgerschaft. Am 21. Januar 1952 verstarb Daniel Hartmann im Alter von 97 Jahren.
Die Gemeinde Mauer bestattete ihren verdienten und berühmten Bürger in einem Ehrengrab, das heute allerdings nicht mehr existiert. Sein Grabstein steht aber als Gedenkstein in der Nachbarschaft des Gefallenen-Ehrenmals auf dem Friedhof zu Mauer und erinnert noch heute an den Finder des „Homo Heidelbergensis“.
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 | | Daniel Hartmann |
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|  |  |  |  |  | zum Seitenanfang |  |  |  |  |  |  | Von Berno Müller Torturm, Gefängnis, Schicksalsort In der vergangenen Woche hat die RNZ darüber berichtet, wie bei Kanalarbeiten in Leimens Stadtmitte die Fundamente des wohl repräsentativsten Stadttores gefunden wurden. Allein, ein Bild, wie dieses über Jahrhunderte auch als Gefängnis genutzte „Bärentor“ ausgesehen hat, fehlte bisher in der Öffentlichkeit. Doch es gibt eines. Gezeichnet hat es der an der Leimener Ortsgeschichte sehr interessierte Pfarrer Otto Halter, der von 1890 bis 1909 die katholische Gemeinde betreut hat. Unermüdlich hat er Daten und Fakten gesammelt, Urkunden gelesen, in Archiven gestöbert und – sich mit den Menschen unterhalten. Dabei stieß er auf einen Augenzeugen, der das im Oktober 1842 abgerissene, überaus stattliche Gebäude noch selbst gesehen hatte. Nach dessen Angaben hat er es, von Westen aus gesehen, zu Papier gebracht. Links neben dem Tor ist die Zollstation zu sehen, im Gebäude rechts wohnte der Gefängniswärter.
Das Bärentor, das die Leimener noch 1834, als es die Kurpfalz und damit die Zenten schon lange nicht mehr gab, als den „alten Centturm“ bezeichneten, war ursprünglich Teil der Ortsbefestigung, die sich um den fast ovalen Ort legte, und von der heute lediglich noch der „Franzosenturm“ und wenig vom Mauerwerk steht. Vor dem Bärentor stand eines der drei Wegekreuze, die Pater Antonius Sauerlender am 9. Juni 1730 geweiht hatte. Weitere Tore waren das „Obere Tor“, auch gemeines Hirten- und Krankenhaus, das an der Straße nach Gaiberg, knapp oberhalb der Rosmaringasse gestanden hatte und im Mai 1857 abgebrochen wurde. Das „Heidelberger Tor“ befand sich in der Hirschgasse (später Heidelberger Weg, heute etwa Bürgermeister-Lingg-Straße, 1829 abgerissen) und „Nußlocher Tor“ in der Nußlocher Straße beim heutigen Gasthaus ‚Zur Rose‘ und wurde 1796 abgebrochen. Etwas östlich davon gab es noch das sog. Rondell, einen runden Turm. Schaut man auf einen ebenfalls von Otto Halter gezeichneten Plan, kann man vielleicht noch den Ort des späten Mittelalters mit seinen kleinen, schmalen, ineinander verschachtelten Häusern wenigstens erahnen. Leimen, das neben Weinheim, Ladenburg und Wiesloch zu den größten Orten der Kurpfalz zählte und 1439 schon etwa 735 Einwohner besaß, erhielt seine Mauer, wie Archäologe Ludwig H. Hildebrandt feststellte, wohl im Rahmen eines bisher unerkannten, von Kurfürst Ruprecht I. (1353-1390) initiierten Bauprogramms.
Mit dem Bärentor, wie gesagt auch Malefizgefängnis der gesamten Kirchheimer Zent, modern würde man wohl Verwaltungsbezirk sagen, sind auch zwei außergewöhnliche Schicksale verbunden, die in den Kirchenbüchern der katholischen Pfarrgemeinde dokumentiert sind. Sie dürften damals für großes Aufsehen gesorgt haben. Denn am 4. September 1777 und am 10. Januar 1793 wurden zwei Bluturteile durch das Schwert vollstreckt, und das trotz starken Rückgangs der Hinrichtungen unter dem damaligen Kurfürsten Karl Theodor. Eine dieser Hinrichtungen fand sogar in Leimen statt, was keinesfalls die Regel war, denn eigentlich wurden Bluturteile seit jeher auf der alten Kirchheimer Richtstätte vollstreckt. Betroffen waren eine Kindsmörderin und einer Mörderin von Gatten und Schwiegervater. Der damalige Ortsgeistliche Pater Tranquillinus Pöppen berichtete, dass eine seit 6. Mai 1777 eingekerkerte Deliquentin aus St. Ilgen, die in Hockenheim wohnte, im Alter von 28 Jahren in Kirchheim hingerichtet wurde. 1792 war eine reiche Bürgerin aus Edingen eingekerkert, die von einem Soldaten verführt wurde und schließlich mit dessen Hilfe ihren Ehemann vergiftete. Sie wurde am 10. Januar 1793 nach ergangenem Urteil auf die Wiesen am St. Ilgener Weg geführt und unter geistlicher Zurüstung und dem Bekenntnis der Reue an ihrem 38. Geburttag enthauptet.
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|  |  |  |  |  | zum Seitenanfang |  |  |  |  |  |  Die Verwendung des Leimener Stadtwappens
Führung und Verwendung des Stadtwappens und der von der Stadt Leimen verwendeten Logos sind ausschließlich der Stadt Leimen vorbehalten. Die unbefugte Verwendung durch Dritte ist verboten. Unter dieses Verbot fallen auch Führung und Verwendung der Wappen der früher selbständigen Orts- bzw. Stadtteile der Stadt Leimen sowie Abbildungen oder Darstellungen des Wappens und der Logos, welche zu Verwechslungen führen können. Die Stadt Leimen kann die Unterlassung des Gebrauchs des Stadtwappens durch Dritte verlangen und nach § 8 Abs. 1 Nr. Landesordnungswidrigkeitsgesetz die unbefugte Benutzung mit einer Geldbuße ahnden.
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Leimen
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| | Leimen (vor 1975)
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| | Gauangelloch
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| In Blau ein silberner (weißer) Angelhaken.
In einer im 12. Jahrhundert auf das Jahr 1016 gefälschten Urkunde wird der Ort „Angelach“, der den Namen des dort entspringenden Bachesübernommen hat, erstmals erwähnt. Seit 1330 bis zum Übergang an Baden 1803 stand Gauangelloch, der Meckesheimer Zent zugehörig, unter pfälzischer Landeshoheit. Die Ortsherrschaft hatten zunächst ganz, ab 1404 bis 1450 noch zur Hälfte die Herren von Angelloch inne, deren „redendes“ Wappen einen Angelhaken zeigte. Schon das seit 1762 nachgewiesene Gerichtssiegel lässt in einem barocken Schild, über dem eine Krone zu sehen ist, den Angelhaken, also das Wappen des alten Ortsadels, erkennen. Bei Widder findet sich folgende 1786 folgende Beschreibung: „Das Siegel ist rund, hat ein mit dem Freiherrnhute bedecktes Herzschild, worin ein Angel befindlich.“ Der Angelhaken ist hier wie auch in allen späteren Siegeln, im Gegensatz zu Waldangelloch, stets wie im Adelswappen nach heraldisch rechts gewendet. Die Gemeinde stimmte im Oktober 1911 zwar dem Wappenentwurf des Generallandesarchivprinzipiell zu, führte bis zum Beginn der sechziger Jahre aber weiterhin die Siegel mit dem Siegelbild des 19. Jahrhunderts, das einen von Palmzweigen umgebenen Angelhaken in einem Oval zeigte. Am 01. April 1937 wurde Ochsenbach nach Gauangelloch eingemeindet. – Die Flagge in den Farben Weiß-Blau (Silber-Blau) hat das Innenministerium am 18. August 1961 verliehen.
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 | | Gauangelloch |
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| St. Ilgen
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| | Ochsenbach
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| In Silber (Weiß) auf grünem Boden ein schreitender roter Ochse.
Der Weiler gehörte zur Meckesheimer Zent und kam mit dieser unter pfälzischer Oberhoheit. Die Kurpfalz trat im 18. Jahrhundert auch in die zuvor von verschiedenen Adelsfamilien innegehabten grundherrlichen Rechte ein. 1771 wurden die Höfe Ochsenbach und Maisbach unter einem eigenen Stabhalter vereinigt. 1797 kam der Weiler Lingental zur Gemeinde hinzu. Das erste Siegel des Stabhalters, bis ins 19. Jahrhundert verwendet, trug die Umschrift „ST. SIEGEL OB u. MB“ (= Stabhalter[ei] Siegel Ochsenbach und Maisbach). Es enthielt die Namensinitialen „H.P.M.“ des Stabhalters Müller über einer haselstrauchartigen Pflanze, darüber als Schmuckelement einen Stern. In den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts entstand ein Siegel, das im Oval einen schreitenden Ochsen als „redendes“ Bild für den Ortsnamen zeigte. Nach diesem Vorbild nahmen die drei Teilgemeinden im Jahre 1911 ein Wappen an, in dem der Ochse nach dem Vorschlag des Generallandesarchivs „natürlich“ (braun) tingiert war. Diese der strengen heraldischen Farbregeln nicht entsprechende Farbgebung ersetzte man später durch die rote Tingierung. 1935 wurden die drei Teilgemeinden, die bis dahin je eigene Gemarkung und Vermögungsverwaltung besessen hatten, zwangsweise vereinigt, die Gemeinde jedoch bereits 1937 wieder aufgelöst, Ochsenbach zu Gauangelloch, Maisbach zu Nußloch, und das gar nicht an die übrigen Gemeindeteile angrenzende Lingental zu Leimen geschlagen.
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 | | Ochsenbach |
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| Der Text wurde mit freundlicher Genehmigung des Landratsamtes Rhein-Neckar dem "Wappenbuch Rhein-Neckar-Kreis" entnommen (erschienen im Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher 1996)
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|  |  |  |  |  | zum Seitenanfang |  |  |  |  |  |  Anfang des 20. Jahrhunderts war die Flugbegeisterung in aller Welt, in Europa, in Deutschland, aber auch in Leimen sehr groß.
Kurz vor der Jahrhundertwende führte der Flugzeugpionier Otto von Lilienthal systematische Versuchsflüge (1891-1896) durch. Den Gebrüdern Wright gelang 1903 in Amerika, nachdem ihnen bis 1902 die Beherrschung des Segelfluges mit Starrflüglern gelungen war, der erste Motorflug mit einem von einem 12-PS-Benzinmotor angetriebenen Doppeldecker. Der Franzose Bleriot überquerte 1909 den Ärmelkanal.
Am 29. Mai 1911 unterbreitete der Heidelberger Ingenieur Ernst Naujoks an den „verehrlichten Gemeinderat zu Leimen“ folgende Anfrage:
“... Da ich vor der Vollendung meines selbstkonstruierten Flugapparates stehe und der hiesige Exerzierplatz als Übungsplatz für Flugversuche zu beengt ist, wurde ich von Herrn Major von Wahlen-Jügrass auf die großen Wiesenflächen aufmerksam gemacht, welche sich zwischen der St. Ilgener Chaussee und dem Bahndamm der Staatsbahn hinziehen und Gemeindegut der Gemeinde Leimen sind.
Ich erlaube mir hiermit die Anfrage, ob der verehrliche Gemeinderat geneigt wäre, mir zu gestatten, dass ich diese Wiesenflächen zu Flugversuchen unentgeltlich benutze und an geeigneter Stelle einen provisorischen Schuppen zur Unterbringung meines Apparates hinbaue. Von der hiesigen Behörde ist mir Platz und Schuppen frei zur Verfügung gestellt, leider ist der hiesige Exerzierplatz wohl als Landungsplatz für Aeropanflüge, nicht als Übungsplatz geeignet. Da Aeroplanflüge immerhin eine kleine Attraktion für den betreffenden Ort bilden, ebenso daraus auch späterhin für die Gemeinde Vorteile entstehen könnten, hoffe ich, dass der Verehrliche Gemeinderat meiner Anfrage näher tritt.“
Am Donnerstag, den 13. Juli 1911, stand auf der Tagesordnung der Bürgerausschusssitzung folgender Punkt : „7. Errichtung eines Sport-Flugplatzes“
Aus dem Sitzungsprotokoll des Bürgerausschusses ist zu entnehmen, dass der Ausschuss dem Vorhaben durchaus positiv gegenübersteht und festlegt, dass bezüglich des Flugplatzes die Verhandlungen weiterzuführen sind.
Am 7. September 1911 schlug Ernst Naujoks ein Übereinkommen „betreffs Flugplatz“ vor, in dem der die Erlaubnis erhalten sollte, die besichtigten Wiesenflächen bei der St. Ilgener Chaussee zu Flugversuchen zu benutzen und zur Unterbringung seines Flugzeuges auf markierter Stelle einen Holzschuppen provisorisch hinzubauen.
Dieser Übereinkunft stimmte der Leimener Gemeinderat mit Beschluss Nr. 1739 vom 13. September 1911 unter folgenden Bedingungen zu :
„ 1. Die Flugversuche können nur bis zum 15. März durchgeführt werden, in dieser Zeit ist das entstehen von Flurschäden ausgeschlossen. 2. Bezüglich des Pachtpreises für das Schuppengelände muss es Ihnen überlassen bleiben, mit den Eigentümern (Nutzungsberechtigten) ein Abkommen treffen. 3. Das Ernten der Wiesen ist an und für sich schon verboten und das Bürgermeisteramt wird auf das Verbot wiederholt aufmerksam machen. Die Gemeinde ist aber nicht in der Lage, Beamte zur Aufrechterhaltung der Ordnung und zum Schutze des Publikums und des Fliegens unentgeltlich zu stellen. Die Anwerbung der Ordnungsmannschaft muss vielmehr Ihnen überlassen werden, nur empfehlen wir Ihnen sich dieserhalb mit dem Kommando der Feuerwehr ins Benehmen zu setzen.“
Das gepachtete Wiesengelände lag am Landgraben, wo heute das Gewerbegebiet Süd liegt. Damals gab es keine Aussiedlerhöfe, keine Fabrikanlagen und keine Hochspannungsleitungen. Auf dem Gelände des heutigen Bereichs (Adalbert-Stifter-Straße/Ernst-Reuter-Straße) pflügten Bauern ihre Felder bis zum Hotel „Traube“. Im Süden Leimens erstreckte sich somit eine landwirtschaftlich genutzte Ackerflur.
Walter Schmidt, Oberlehrer a. D., hat die Ereignisse jener Zeit nachgezeichnet und sie in der Rathaus-Rundschau veröffentlicht. Er schreibt darüber folgendes :
„Ernst Naujoks, Angestellter einer Heidelberger Badeofenfabrik, konstruierte in seiner Freizeit Flugzeuge und hatte die neuartige Idee, die wenig sicheren Bauteile Holz und Segeltuch der damaligen Flugapparate durch Metall zu ersetzen. Er wollte dadurch den Vorsprung der Franzosen für Deutschland zurückerobern.
So wurde Ernst Naujoks zum ersten deutschen Erbauer eines Ganzmetallflugzeuges.
Er war ein außerordentlich fleißiger Mann und benutzte jede freie Minute – wie die meisten von einer Idee gepackten Menschen – um seine Maschine und die Halle (sie befand sich etwa an der heutigen Ecke Tinquex-Allee-Schwimmbad-Gutenbergstraße) fertigzustellen.
Recht zahlreich verfolgen Kinder und neugierige Bürgersleute den Fortgang der Arbeit. Auch erschien neben Ratschreiber Botz des öfteren der Arzt Dr. Hack sowie der Direktor des Heidelberger Gas- und Elektrizitätswerks Dr. Kukuk und ließen sich von dem Erfinder Einzelheiten des Flugapparates erläutern.
Naujocks freute sich über das Interesse, das seinem Werk entgegengebracht wurde und lud daher, als zum Ende auch der Flugmotor eingebaut war, seine Freunde mit ihren Damen zu einer Besichtigung ein. Hierbei ereignete sich eine kleine lustige Episode, über die kurz berichtet werden soll.
Zunächst erklärte Naujoks seinen Gästen die Konstruktion seiner Maschine und wollte schließlich auch den Motor in Gang bringen. Wegen der Wärme in der Halle waren die großen Torflügel weit geöffnet, desgleichen auch die hintere kleinere Eingangstür. Dorthin hatten sich die Ehefrauen und Ratschreiber Botz, Ingenieur Naujoks, Dr. Hack und Dr. Kukuk im lebhaften Gespräch zurückgezogen, die Herren standen zur Seite des Flugzeuges.
Als nun Naujoks den Propeller anwarf, entstand ein tüchtiger Wind, sodass sich besagte weibliche Gäste, entsetzt ihre hochfliegenden Röcke haltend, eilends näher zur Tür begaben. Zugleich begann aber nun der Propeller auf volle Touren zu laufen und im selben Augenblick flogen die Damen infolge des ungeheuren Luftdrucks kopfüber ins Freie hinaus. Glücklicherweise kam niemand zu Schaden und man lachte zuletzt recht humorvoll über den unfreiwilligen Flug. Doch Spaß beiseite :
Die Zeit der Flugversuche war gekommen! Es bestand kein Zweifel, die Konstruktion war gut, der Metallvogel würde sich stolz in die Lüfte erheben. Nur eines schien bedenklich : Naujocks mochte ein hervorragender Techniker sein, aber ein Pilot war er nicht.
Die Anschaffung der teuren Baustoffe und besonders des 25 PS Motors hatte ihn trotz größter Sparsamkeit so in Schulden gestürzt, dass er es sich nicht leisten konnte, einige Wochen seine Berufsarbeit auszusetzen, um das Fliegen zu erlernen. So versuchte er es ohne Schulung und selbstverständlich musste die Sache schief gehen. Zunächst wurden mit dem laufenden Motor Rollversuche unternommen, di vollkommen zufrieden stellend verliefen. Der glänzende Vogel rollte und hüpfte ohne seitliche Schwankungen munter über das Gras hinweg. Dann sollte er in die Lüfte gehen. Und da begann die Katastrophe.
Die Maschine hob zwar tadellos vom Boden ab; als Naujoks aber zum ersten Mal das Höhenruder betätigte, überzog er ganz gewaltig – die Stärke der Wirkung konnte ihm ja nicht bekannt sein. Der Apparat bäumte sich mächtig auf und als er dann sofort drückte, aber ebenfalls zu stark, stürzte das Meisterwerk aus 8-10 m Höhe zur Erde. Das mit so viel Mühe und unter großen Opfern erbaute Flugzeug war schwer beschädigt. Naujoks selbst blieb unterverletzt. Ein am nächsten Tag erfolgter Aufruf brachte zwar das Geld zusammen, um die notwendigen Reparaturen vornehmen zu können. Der nächste Flug endete jedoch mit der völligen Zertrümmerung der Maschine. Naujoks blieb wie durch ein Wunder völlig unverletzt.
Nach diesem unglücklichen Ausgang des Unternehmens hielten die Neider und andere unverständige Zeitgenossen nicht mit ihrem Spott zurück und ein Lied folgenden Inhalts machte die Runde :
In Leimen war ein Flieger, Naujoks war er genannt. Der wollte einmal fliegen, bis an den Leimbachstrand. Zuerst brach ihm das Steuer, zum zweiten mal das Rad, zum dritten Mal, da krachte der ganze Apparat. Naujoks, lass doch das Fliegen sein! Naujoks, du fliegst noch in den Leimbach rein!
Damit hatte man den schwer enttäuschten Erfinder, der zudem bald darauf auch noch seine Arbeitsstelle verlor, zutiefst gekränkt. Um sich weiterem Spott zu entziehen, verkaufte er seine Flughalle an Adam Müller (Weingut), der sie als Dreschhalle benutzte, bedankte sich beim Gemeinderat für dessen Entgegenkommen und verzog am 13.5.1913 nach Berlin.
Dort verstarb der opferbereite Pionier der Luftfahrt, nachdem er Hab und Gut, Gesundheit und ein sorgenfreies Leben für seine bahnbrechende Idee eingesetzt hatte, bald an einem Lungenleiden.
Mit Ernst Naujoks war die Geschichte der Fliegerei und der Anlage eines Flugplatzes in Leimen jedoch noch nicht beendet. Am 15.08.1925 stellte der Techniker Hartmeyer an das Bürgermeisteramt die Anfrage, ob die Gemeinde bereit wäre, Wiesengelände zur Errichtung eines Flugplatzes pachtweise abzugeben. Es war ein allgemeiner Flugplatz geplant, eine Anlage zum Bau von Flugzeugen, Rundflüge über Heidelberg, Fernflüge mit Anschluss an bestehende Luftverkehrslinien und der Bau von Kleinautomobilien. Eine umfangreiche Denkschrift wurde dem Gemeinderat unterbreitet.
Am 12.12. 1925 nahm der Gemeinderat Kenntnis, Wiesengelände wurde von der Gemeinde ungepachtet und von dem Techniker Hartmeyer ein Bauantrag an das großherzogliche Bezirksamt gestellt, der am 22.5.1926 genehmigt wurde. Wie ernsthaft dieses Vorhaben zu bewerten war, beweist der Eintrag in das Reichsadressenbuch der Verbände und Vereine für Leibesübungen im Jahre 1925, wo in Leimen ein Flugplatz mit der Größe von 4-5 ha eingetragen war. Zwischenzeitlich regten sich jedoch Bedenken wegen der Zuverlässigkeit des Antragstellers, der zwei Gesellschaften gründen wollte und zwar Taifun-Automobilbau GmbH, Leimen und Flugplatzgesellschaft, Leimen. Schließlich zerschlugen sich die Bemühungen, wahrscheinlich aus Gründen der Bonität des Antragstellers.
Im „Leimener Anzeiger“ wurde 1926 das Vorhaben wie folgt glossiert : „Jüngst stand ich abends auf der Landgrabenbrücke und betrachtete die neue Form des Grabens. Unwillkürlich weiteten sich Ufer und große Wassermassen gurgelten in der Tiefe. Ein Schleppdampfer mit vielen angehängten Kähnen fuhr zu Berg unter der Brücke hindurch. Ich wandte mich um, um auf der anderen Seite die Weiterfahrt des Schiffes zu verfolgen und war nicht wenig erstaunt, auf dem früheren Wiesengelände nun riesige Fabrikbauten mit gewaltigen Kaminen zu sehen. Ohrenbetäubende Geräusche der Maschinen erfüllte die Luft und aus dem weitoffenen Fabriktor fahren unzählige neue kleine Autos in überaus gefälliger Form. Unterdessen schwirrt in der Luft eine große Zahl ab- und zufliegender Luftfahrzeuge. Sprachlos stand ich da und schaute das Wunder. Von Leimen her ratterten fünf große Lastautos hochbepackt herbei. Jemand erzählte, dass dies die Automobilbauanstalt und der Flughafen von Hardtmeyen sei. Täglich werden 500 Automobile fertig, im Flughafen sei ein unvermeßlicher Verkehr. Der Tagesbedarf an Rohstoffen wird auf dem Rheinstichkanal mit drei Schifflastzügen herbeigeschafft. Täglich müssten 10 Millionen Prospekte versandt werden. Staunend hörte ich da zu und bedachte die Riesensummen, die ein so großer Betrieb nötig hat.
Da fühlte ich an meinem Arm ein Zucken und hörte meine Frau sagen : „hat dir Hartmeyer schon die 5 Mark geschickt, die du zu fordern hast?“ –„Nein!- „Der Traum verschwand. Behüt´ dich Gott, es wär´ so schön gewesen!“
Noch einmal gab es Bemühungen, durch die Firma Rund-, Fernseh- und Schulflug Gratograf von Seckendorff, Heidelberg, einen Flugplatz in Leimen einzurichten. Diese Firma sollte in eine Sport- und Reklameflug. AG umgewandelt werden und zwar mit einem gesamten Aktienkapital von 80.000,-- Reichsmark. Diese Firma plante ebenfalls, einen Flugplatz in Leimen zu errichten. Dieses Unternehmen scheiterte schließlich an Einwendungen des Badischen Innenministeriums, das mit Schreiben vom 12. Dezember 1927 mitteilte, dass die Anlegung eines Flugplatzes in Leimen im Hinblick auf die Bestimmungen des Pariser Luftfahrtabkommens hinsichtlich der neutralen Zonen nicht möglich sei. Die Gemeinde wurde vom Bezirksamt Heidelberg gewarnt, von irgendwelchen Absichten hinsichtlich des Flugplatzes Abstand zu nehmen. Diese Haltung wurde vom Reichsverkehrsministerium in Berlin, mit Schreiben vom 30.12.1927, bestätigt. Damit war der Traum von einem Flugplatz in Leimen ausgeträumt.
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|  |  |  |  |  | zum Seitenanfang |  |  |  |  |  |  | Der Bau der Eisenbahnlinie Heidelberg - Karlsruhe und des Bahnhofs St. Ilgen |
..... sowie dessen Bedeutung für St. Ilgen und Umgebung
-Egbert Risch- Von großer Bedeutung für St. Ilgens Entwicklung war der Bau der Eisenbahnlinie Heidelberg - Mannheim, der im Jahre 1841 in Angriff genommen wurde und unsere Gemarkung in zwei Teile zerschnitt (Projektierung und erste Vorarbeiten schon seit 1837). Zunächst bestand jedoch ein Plan, die Linienführung auf Sandhäuser Ge-markung vorzunehmen und zwar vom Alten Holz her über die Gewanne Riegel, Hügelswies, Kleegarten, der Düne am Gewann See entlang in Richtung Walldorf. Dies stieß jedoch auf vehemente Ablehnung der Sandhäuser Bauern. Sie verhinderten den Bau, denn sie weigerten sich, das erforderliche Gelände zum Bahnbau zur Verfügung zu stellen. Aber auch die Bürger aus Leimen und Nußloch weigerten sich, auf ihren Gemarkungen den Bahnbau durchführen zu lassen. So blieb letztlich nur die Linienführung über die St. Ilgener Gemarkung zu verwirklichen. Die St. Ilgener Grundstückseigentümer mußten hierzu ihr Gelände im Wege der Zwangsvollstreckung zur Verfügung stellen.
Das großherzogliche Ministerium des Innern hatte zu diesem Zweck eine „Expropriations-Commission“ gebildet, die mit den betroffenen Grundeigentümern verhandeln sollte. So ist in den „Heidelberger Tageblättern“ vom 11. Juni 1841 zu lesen, daß am Samstag, den 19. Juni in Leimen und am Mittwoch, den 23. Juni im Gemeindehaus von St. Ilgen, diese Kommission sich mit den Einsprachen und Anträgen der Eigentümer oder sonstigen Berechtigten befassen werde. Außerdem solle über die notwendige Verlegung von Wegen und Wasserläufen verhandelt werden.
Und gerade zu diesem Punkt hatte die Gemeinde St. Ilgen einige Bedenken oder Wünsche vorzubringen, denn durch den Bahndamm wurde - wie man befürchtete - einigen Bauern der Weg zu ihren Feldern abgeschnitten. Die größte Sorge bereitete den St. Ilgenern jedoch das Leimbach-Hochwasser, das keinen Abfluß finden würde, wenn beim Bahnbau nicht ein genügend großer Durchlaß (Dohlen) eingeplant werde. Dieser Dohlen sollte nach den Vorstellungen der Gemeinde so groß sein, daß ein beladener Heuwagen hindurchfahren könne. Ein Dohlen wurde zwar gebaut, aber wesentlich kleiner, denn die Oberdirektion des Wasser- und Straßenbaus in Karlsruhe meinte dazu, daß dieser ausreiche, um das Hochwasser abzuführen, „zudem sei ein Durchlaß, der von einem beladenen Heuwagen durchfahren werden könne, bei der dortigen Bahnhöhenlage gar nicht zulässig, besonders, da ganz in der Nähe bei dem Dorfwege ein Übergang geplant sei.“
Der Bau der Eisenbahn brachte den St. Ilgenern und Leimenern jedoch überwiegend Vorteile. Die Regierung rekrutierte nämlich die benötigten Arbeitskräfte aus den umliegenden Gemeinden, so daß hier für die männliche Bevölkerung ein zusätzlicher Verdienst gegeben war, zumal der Bahnbau hauptsächlich nach der Ernte durchgeführt wurde, wenn die meisten landwirtschaftlichen Arbeiten bereits erledigt waren. Außerhalb der Erntezeit stellten die Bauern der umliegenden Orte ihre Arbeitskraft und vor allem ihre Gespanne zur Verfügung, wenn zum Beispiel das in den Domänenwaldungen bei St. Leon und Schwetzingen geschlagene Stammholz zu den Lagerplätzen bei St. Ilgen zu transportieren war.
In der Regel sollte jede Gemeinde dreißig Arbeiter stellen, wobei die Bürgermeisterämter die Leute aussuchten. Es waren „nur Leute im Alter zwischen 20 und 45 Jahren, von gesundem kräftigen Körperbau zugelassen,“ wie es in einem Aufruf in den Heidelberger Wochenblättern vom 19. Juli 1838 hieß.
Einheimische Arbeitskräfte brachten den Vorteil, daß keine Unterkünfte für Ortsfremde gebaut werden mußten. Es mußte auch nicht für Verpflegung auf der Baustelle gesorgt werden, denn die Leute konnten ihr Essen von zu Hause mitbringen. Es bestand eine gewisse Gewähr dafür, daß die von den Gemeinden gestellten Männer einen guten Leumund hatten. Dadurch waren Unruhen oder sogar Arbeitskämpfe wenig wahrscheinlich. Die Arbeitszeit betrug damals 16 Stunden, bei je einer Viertelstunde Pause am Vormittag und am Nachmittag und einer Mittagspause von einer Stunde.
Nach einem Bericht des Mannheimer Journals, ebenfalls aus dem Jahr 1838, betrug die Entlohnung der Arbeiter 36 Kreuzer pro Tag.
Der Bau der Strecke war 1842 bis St. Ilgen vorangetrieben. Die offizielle Eröffnung der Bahnstrecke Heidelberg - Karlsruhe war am 10. April 1843; und ein Jahr darauf, am 1. Mai 1844 feierte man den ersten Zughalt in St. Ilgen. Eine interessante Notiz hierzu enthält ein Kostenzettel, der im Rechnungsbuch des Jahres 1844 abgeheftet ist. Da heißt es:
„St. Ilgen, den 2ten May 1844 Da am ersten May des Jahres der erste Anhalt des ersten Eisenbahnzuges stattfand, so hat der Gemeinderath im Einverständnis mit der Bürgerschaft zur Verzierung des Bahnwarthauses hiesiger Gemarkung zur Ehre unseres vielgeliebten Fürstenhauses folgende Ausgaben empfangen: Für Fertigung von Kränzen nebst Verzierung der Lokomotive sammt Stellung der Blumen und Leimfarben bringen die beiden Lehrer 3 Fl. 40 Kr. in Abrechnung, um dessen Decretur man gehorsamst bittet.“
Im Jahre 1858 war die Hauptbahnstrecke Mannheim - Heidelberg - Basel endgültig fertiggestellt. Mit dem Bau der Eisenbahn war ein großer Schritt zur wirtschaftlichen Entwicklung Badens getan; dies konnte man auch bei uns wohltuend verspüren.
Mit der Eröffnung des Personen- und Güterverkehrs im Jahre 1844 begann für St. Ilgen eine Zeit der Prosperität und der Öffnung nach außen.
Ursprünglich war die Bahn auf Empfehlung der englischen Firma Sharp und Roberts und Co. mit einer Spurweite von 5 1/3 bad. Fuß (1600 mm) gebaut worden. Diese Spurweite sei günstiger, hieß es, da sich so die Kraft des Dampfkessels besser auf die Räder übertragen lasse. 1854 ging man jedoch wie die Nachbarstaaten zur stevensonschen Normalspur (1435 mm) über. Das heißt, die Strecke wurde während des normalen Eisenbahnbetriebes umgerüstet, indem man ein drittes Gleis einbaute, wodurch der Gebrauch einer kleineren Spurweite möglich wurde. Immerhin mußte eine Strecke von 282 km erneuert werden, 202 km davon zweigleisig. Doch schaffte man diese Arbeit innerhalb eines Jahres von Anfang Mai 1854 bis zum 15. April 1855. Schon am 9. November 1854 rollte der erste Güterzug über diese neugebaute normalspurige Bahn vom Mannheimer Rheinhafen zum dortigen Bahnhof und von dort weiter bis Bruchsal - also auch durch St. Ilgen.
Die Belange des Eisenbahnbaus waren beim Innenministerium bis 1.10.1840 bei der eigens hierfür gebildeten „Eisenbahn-Bau-Direktion, später bei der Oberdirektion des Wasser- und Straßenbaus angesiedelt, während die Ober-Post-Direktion, die spätere Direktion der Posten und Eisenbahnen, unter der Oberaufsicht des Außenministeriums den Betrieb verwaltete. Erst nachdem die badische Post 1872 auf die Reichspostverwaltung übergegangen war, entstand für Bau und Betrieb eine einheitliche Eisenbahnbehörde.
Bald sind unter den Einträgen in den Kirchenbüchern die ersten Nennungen von Bahnarbeitern zu finden; so mancher, der sich und seine Familie vorher kümmerlich mit allen möglichen Tätigkeiten durchbringen mußte, hatte jetzt seine erste feste Anstellung und damit auch ein gesichertes Einkommen gefunden.
Im Jahre 1862 wird von St. Ilgen und den Nachbargemeinden Sandhausen, Leimen und Nußloch erstmals eine Güterstation beantragt. Diese wird jedoch nicht befürwortet; die damit befaßte großherzogliche Inspektion der Verkehrsanstalten in Karlsruhe lehnt den Antrag ab.
Gleichfalls aus dem Jahre 1862 hören wir von einem Billetausgeber Holtz im Bahnhof St. Ilgen. Dies deutet darauf hin, daß es damals ein kleineres Stations- oder Abfertigungsgebäude, wahrscheinlich aus Holz, am Haltepunkt St. Ilgen gab. Auf jeden Fall hat das Großherzogliche Postamt im Anwesen des Billetausgebers Holtz eine Postablage eingerichtet, nachdem per Gesetz vom 1. April 1863 die Landpost neu organisiert worden war.
Der nebenstehende Brief datiert vom 27. Dezember 1865 und ist trotz abgelöster Marke ein gutes Beispiel für das damalige Zusammenwirken von Bahn und Post. Geschrieben wurde der Brief von Johannes Bähr aus Leimen, der damit einen Geldbetrag quittierte. Die einzige postalische Leistung in Leimen des Jahres 1865 bestand in einer sog. „Brieflade“, einen heutigen Briefkasten ähnlich, die nach letztem Forschungsstand wohl am heutigen Hotel „Bären“ hing. Diese Lade wurde sechsmal wöchentlich vom Landpostboten geleert, der die Briefe zur Kontrolle mit einem sog. „Uhrradstempel“ versah, der sich in der Lade selbst befand. Leimen führte zu diesem Zeitpunkt die Nummer 12, die Nummer selbst änderte sich mit jeder Einteilung der Bezirke, was eine Erforschung sehr erschwert. Anschließend brachte der Bote den Brief an die übergeordnete Stelle, die Postablage in St. Ilgen, die nun ebenfalls einen Stempel anbrachte und den Brief ihrerseits an ihre vorgesetzte Dienststelle, die Postexpedition Heidelberg sandte. Erst von dort aus wurde der Brief dann an die gleichrangige Postexpedition Mannheim spediert, wo er noch am gleichen Tag zwischen 8 und 10 Uhr abends ankam und üblicherweise noch zugestellt wurde.
Das heutige Bahnhofsgebäude und das um 1960 abgerissene ehemalige Dienstwohnungsgebäude wurden erst um 1878/79 erbaut.
1866 wird erneut eine Petition an den badischen Landtag gerichtet betr. Errichtung einer Güterexpedition beim Bahnhof St. Ilgen; auch die Gemeinden wiederholen ihre Anträge vom Jahr 1862. 1868 wird die Petition des Josef Müller aus Leimen wegen einer Güterexpedition in der 2. Kammer des badischen Landtages beraten. Sie wird jedoch zunächst auch wieder abschlägig beschieden.
Erst im Jahr 1872 erklärt sich die Großherzogliche Eisenbahndirektion gegen eine Kostenbeteiligung der Petenten bereit, der Errichtung einer Güterstation näher zu treten.
Im selben Jahr bewilligt die Regierung dann auch 3.700 fl. (Gulden) unter der Voraussetzung, daß die sonstigen Interessenten 2.500 fl. aufbringen. Es sollen hierzu die Fabrikanten von Sandhausen, Leimen, Nußloch und St. Ilgen herangezogen werden.
Am 11. Juni 1872 wird die Errichtung der Güterstation dann endgültig beschlossen. Der Staat trägt 38.000 fl. bei, die beteiligten Gemeinden 2.500 fl., nämlich Sandhausen 600 fl., Leimen 400 fl. und die in Leimen und Sandhausen ansässigen Zigarrenfabrikanten 1500 fl.. Diese Güterstation steht heute noch und ist damit eigentlich eines der historischen Gebäude in St. Ilgen. Inzwischen führt sie auch nicht mehr das Mauerblümchendasein wie in den 70er und 80er Jahren dieses Jahrhunderts, als der Güterverkehr kaum noch von Bedeutung war und folglich auch eingestellt wurde, denn heute befindet sich darin ein Obst- und Gemüsegroßhandel.
Daß der Bahnhof und seine nähere Umgebung besonders auf der Sandhäuser Seite in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts zu einem starken Anziehungspunkt geworden war, geht aus einem Ortsbereisungsprotokoll des Jahres 1885 hervor. Dort heißt es:
„Die polizeilichen Verhältnisse bieten nichts bemerkenswertes, wenn an Sonntagen und Festtagen namentlich die Bahnstation St. Ilgen förmlich belagert ist, worüber seit einiger Zeit besondere polizeiliche Überwachung angeordnet wurde, so fällt dies zum geringsten Theile dem Ort St. Ilgen als vielmehr der anstoßenden Nachbargemeinde Sandhausen zur Last. In dieser Zeit (ganz genau am 18. Juni 1884) wurde vom Bahnspediteur Wilhelm Kletti aus Sandhausen die Bitte um Erbauung und Betrieb einer weiteren (zweiten) Restauration am Bahnhof gestellt. Dies lehnte der Gemeinderat mit der Begründung ab, daß dazu kein Bedarf bestehe und es jetzt schon in polizeilicher Hinsicht genug Probleme mache, dort alles in den Griff zu bekommen.“
Mit der Ansiedlung von verschiedenen Gewerbe- und Industriebetrieben war rund um den Bahnhof bald ein kleines Wohn- und Gewerbegebiet entstanden. Den Anfang machte 1891 die Firma Reichert u. Cie. Glaceleder und Handschuhfabrik im ehemaligen Anwesen des Hauptlehrers Hörauf.2 Im Jahre 1892 folgte die Zigarrenfabrik „Vorwärts“ und 1901 die Kistenfabrik Schmidt, die später durch Kauf an die Firma Scheifele & Becker ging. Dazu kamen einige Privathäuser.
Heute bietet sich die Chance, diesen Bereich um und mit Einbeziehung des Bahnhofs noch weiter auszubauen und mit der bereits geplanten, noch zu verwirklichenden Inbetriebnahme einer S-Bahn-Linie und mit der jetzt beginnenden Wohnbebauung in den neuen Baugebieten Fasanerie und Bahnhof II in ein modernes Verkehrs- und Kommunikationszentrum zu verwandeln.
Eine interessante und umfassende Beschreibung des Bahnhofs St. Ilgen und seiner Bedeutung für die Gemeinde wie auch für die Umgebung liefert uns Hauptlehrer Hermann Ganser in seiner Chronik:
„Nebst der Landwirtschaft sind die Eisenbahn, die mit einer der größten Arbeitgeber und Unternehmer ist und die aufblühende Industrie die beiden anderen Faktoren, mit denen gerechnet werden muß. Fanden einerseits die Bewohner als Tagelöhner, Bahnarbeiter oder Streckenwärter Beschäftigung, so hatten damals auch manche Fuhrwerksbesitzer Gelegenheit zum Geldverdienen, durch Beifuhr von Sand, Schotter und Sandsteinen. Infolge der bedeutenden Industrie der Umgegend mußten Stationsgebäude und Güterhalle mehrfach umgebaut werden. Die 31500 Tonnen ankommender Güter (Jahr 1910) bestehen meistens in Kohlen aus Mannheim, Holz von Rußland, vom Schwarzwald und Odenwald, sonstigen Baumaterialien und Kolonialwaren, Gerbereiartikel und Tabaken.
Der Versand ist viel bedeutender und sind unter den 46000 Tonnen Cigarren, Zwetschgen, Hopfen, Handschuh- und feine Lederlacke, Galmei3 aus den Gruben von Nußloch und eine Anzahl Kleingüter.
Zur Bewältigung der anstrengenden Arbeit, die auch einen aufreibenden Nacht-dienst erfordert, sind ein Stationsvorsteher und vier Assistenten nebst mehreren Bureaudienern und Hilfspersonen angestellt.
St. Ilgen ist Stationsamt IIter Klasse. Fast zu jeder Stunde am Tag hat man mindestens einmal Gelegenheit, nach Heidelberg oder in Richtung Karlsruhe fahren zu können.
Es verkehren täglich mehr als 100 Personen- und Güterzüge. Die Einführung der Bahnsperre brachte auch St. Ilgen 1909 wie vorher seinen nördlichen und südlichen Nachbarn eine 600 Meter lange und bis zu 6 M. ansteigende Überführung, die mit den Geländeunkosten einen Aufwand von ungefähr 250000 Mark verursachte. Da nun die Bahnschranken die Fuhrwerke abhalten, müssen diese in mehrmaligen Windungen über die eiserne Brücke geleitet werden, was für die Sandhäuser Bauern, die in der Fasanerie Äcker haben, einen Umweg von einer Viertelstunde bedeutet. Die Personen benützen einen unterhalb neben dem Stationsgebäude errichteten Steg zum Bahnübergang.
Es ist viel über diese Sandwürmer gescholten worden. Dienen sie vor allem einem raschen Durchgangsverkehr, so genießt man bei hellem Wetter der herrlichsten Aussicht auf der Brücke.
Prachtvoll bietet sich die Hardt dar, nach Norden erkennt man noch den Melibocus und südlich schließt erst der Michelsberg die Weitsicht ab. Geradezu feenhaft ist der Anblick der Lichter des Bahnkörpers und der Ortschaften von 6 - 8 Uhr im Winter, wo aller Lichtschein herrscht. Die beiden Seiten der neu angelegten Straße sind mit Ebereschenbäumen besetzt. Der Sand, der zur Auffüllung diente, wurde mittels Feldbahn von Sandhausen herübergeführt.
Zur Zeit gehen täglich fast 60 Arbeiter aus St. Ilgen zum Bahnbetrieb nach Heidelberg und auf die Strecke.
Bei dem Bahnhof und in der Bahnhofstraße hat sich seit 20 Jahren ein ganz neuer Ortsteil entwickelt. Ursprünglich waren nur ein Restaurationsgebäude und eine Kohlen- und Holzhandlung vorhanden. Heute ist eine Gerberei daneben, die außer der Herstellung von Glaceleder-Handschuhen einen bedeutenden Fellhandel betreibt. Cigarenfabriken, eine Hopfendarre einer Karlsruher Brauerei und eine Lackfabrik sind dort entstanden. Dabei und in der Verbindungsstraße des Bahnhofs mit dem Orte wurden eine Menge gleichförmiger Wohnhäuser, prächtige Landhäuser und ein Geschäftshaus erbaut. Hier liegt die Zukunft St. Ilgens. Aus den Industrien, die hier entstehen, wird St. Ilgen einst einen großen Nutzen ziehen!“
Soweit Hauptlehrer Hermann Ganser mit seiner Beschreibung des Bahnhofs und seiner Umgebung vom Jahre 1911.
Quellen: • Ortsbereisungsprotokolle GLA KA No. 356/1060 und 356/2269 • sowie die Gemeindeprotokollbücher der ehem. Gemeinde St. Ilgen • „Die Erbauung eines Durchlasses durch den Eisenbahndamm bei St. Ilgen“ • Generallandesarchiv (GLA) Abt. 229 / 90781 • verschiedene Ausgaben der Heidelberger Tageblätter von 1841 • Großherzoglich Badisches Staats- und Regierungsblatt vom 17. März 1843 • St. Ilgener Zeitung, Unabhängiges Volksblatt, Anzeigenblatt für St. Ilgen • vom 15. April 1911 • Kurt Frey, Familien in St. Ilgen (Herausgeber: Stadt Leimen) Band 81 der Badischen Ortssippenbücher der Zentralstelle Badischer Ortssippenbücher, Lahr-Dinglingen • Wolfgang v. Hippel u.a.: Eisenbahnfieber - Badens Aufbruch ins Eisenbahnzeitalter, Ubstadt-Weiher 1990 (Landesmuseum für Arbeit und Technik, Mannheim)
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|  |  |  |  |  | zum Seitenanfang |  |  |  |  |  |  -R. Dorsch- Der Ortsname St. Ilgen leitet sich vom Schutzheiligen Ägidius her, dem das St. Ilgener Kirchlein geweiht wurde. Die jetzige Gemarkung war ursprünglich ein Stiftungsgut der Speyerer Domkirche und hieß „Bruoch“. Die Erbauung eines dreischiffigen Kirchleins im romanischen Baustil mit den zugehörigen Klostergebäuden wird dem Abt Johannes aus dem Benediktinerkloster zu Sinsheim zugeschrieben. In der Quellensammlung der badischen Landesgeschichte von F. J. Mone findet sich die Chronik des Sinsheimer Klosters in lateinischer Sprache. Dort wird berichtet, dass unter Aufsicht des Abtes das Klösterlein s. Aegidii nahe bei dem Dorf Nußloch, eine Meile von Heidelberg entfernt, erbaut und mit drei Mönchen von Sinsheim betreut wurde. Hier lesen wir auch, dass der Ort Sanct Gilgen im Bruch genannt wird. Das kunstgeschichtlich Bedeutsamste an der Kirche, die zwischen 1158 bis 1170 erbaut wurde, ist das noch gut erhaltene Portal mit Säulen und einfachem Giebel aus rotem Sandstein. Ein in Stein gehauenes Bild schmückt das Tympanon. Es zeigt den auf einem Sessel sitzenden Kirchenpatron Ägidius, der mit seiner Hand einen knieenden Mönch segnet, während an seiner linken Seite ein Mönch seinen Abtstab hält. Im 12. Jahrhundert erhielt das Kloster den St. Ägidii- oder Probsteiwald zugesprochen, der 1525 gerodet und in Wiesen umgewandelt wurde. Ein großer Teil der Klostergemarkung war Wiesen- oder Bruchland, also sumpfiges Gelände, das vom Leimbach, der damals auch Swarzaha genannt wurde, ständig überschwemmt wurde. Bruch ist heute noch eine Gewannbezeichnung, die auf das alte lehmige Bett der Leimen- oder Lehmbach hinweist. Der Leimbach, von Wiesloch kommend und nach Bruchhausen dahinfließend, umfloss die auf einer Erhöhung liegende Klosterkirche mit ihren Gebäuden. Die ausgedehnten Feuchtwiesen und das sumpfige Gelände St. Ilgens waren ein idealer Brutplatz für Frösche, die sich hier recht wohl fühlten und mit ihrem nächtlichen Gequake dem Ort und seinen Bewohnern zum Necknamen Diljemer Frösch verholfen haben. Ob die St. Ilgener in Notzeiten Frösche verspeist haben, ist uns allerdings nicht belegt.
Viele alte Kochbücher verzeichnen Rezepte, die die Zubereitung von Fröschen beschreiben. Das Fleisch der Frösche wird heute noch von manchen Gourmets als Delikatesse angepriesen. Ulrich von Richental verfasste zum Konzil von Konstanz (1414 - 1418), das über die Zukunft der gespaltenen Glaubenswelt beriet und den Prager Reformator Johannes Hus auf dem Scheiterhaufen verbrannte, eine Chronik, die von unbekannt gebliebenen Malern ausgestaltet und ab 1425 verbreitet wurde. Hier zeigt ein Bild die Konstanzer Fischbänke, wo neben Fischen aus dem Bodensee auch Frösche feilgeboten wurden. Das wohl berühmteste Kochbuch der älteren deutschen Kochbuchliteratur stammt aus der Feder des Kurfürstlich Mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt: Ein new Kochbuch, das allen Menschen hohen und niedrigen Standes nützen möge. Es wurde 1516 erstmals mit vielen Bildern gedruckt und erlebte mehrere Auflagen. Neben Rezepten erfährt der Leser die vielfältigen Aufgaben der Dienerschaft, nämlich was ein Hofmeister, Marschall, Hausstabel oder Küchenmeister bis hin zum so genannten Vorschneider bei der Zubereitung und Ausführung einer Festtafel zu tun hatte. Auch werden ausführlich Fürsten- und Herrenbankette nach Ständen geordnet bis hin zum Bankett der Bauern sowie deren Speisefolgen beschrieben. Das Kapitel Kellermeisterei, wo Wein-, Bier- und Essigzubereitung behandelt werden, ergänzt die Rezeptsammlung. Marx Rumpolt beschreibt in seinem neuen Kochbuch auch die Zubereitung der Frösche. Die toten Frösche werden enthäutet und ausgenommen. Nur das Hinterteil des Froschkörpers mit den kräftigen Froschschenkeln wird in der Regel als Speise zubereitet. Zum Ausbacken in Butter werden die Froschschenkel gesalzen, gepfeffert und eingemehlt. Anschließend werden sie in einer heißen Pfanne in reichlich Butter angebraten. Wenn die Frösche fein resch seyn, werden sie mit Ingwer bestreut und noch warm serviert. Will man eine saure Brühe hinzugeben, so nehme man nach dem Rezeptvorschlag des Mundkochs Agrastwasser mit den Beern. Agrastwasser ist eine saure Soße, die aus unreifen Weintrauben bzw. aus Stachelbeeren hergestellt wurde. Weitere Zubereitungsarten, die Marx Rumpolt erwähnt, sind Frösche im Sud, also eine Art Froschsuppe, frittierte Frösche, Frösche in Teigpasteten und gekochte Frösche mit Karpffenschweiß, d. h. mit dem Blut von Karpfen. Wir dürfen annehmen, dass der Mundkoch dem Kurfürsten und Fürstbischof von Mainz diese Froschdelikatessen servierte, nachdem er selbst schrieb: Versuch es (die zubereitete Speise), wie es schmeckt. Denn man muß eine Speise kochen, kosten und versuchen. Ob am Heidelberger Hof auch Frösche auf den Tisch kamen, ist nicht überliefert, jedenfalls hat Liselotte von der Pfalz in ihren Briefen nichts erwähnt; denn sie liebte herzhafte, kräftige Gerichte wie den berüchtigten Specksalat, ein Krautsalat mit viel Schweinespeck. Auf „Diljemer Frösche“, die man dem Küchenmeister in die Schlossküche als anrechenbare Naturalsteuer der St. Ilgener hätte liefern können, hatte der kurfürstliche Hof zu Heidelberg keine Lust. Alle Kurfürsten der Kurpfalz huldigten ausgiebig der Jagd und betrieben die Fischzucht. Frösche zu jagen, war ihnen nicht in den Sinn gekommen. Heute sind die ehemaligen Feuchtgebiete St. Ilgens verbaut, der Leimbach in ein eigenes Flussbett geleitet worden, so dass der Lebensraum für die „Diljemer Frösch“ verloren ging.
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|  |  |  |  |  | zum Seitenanfang |  |  |  |  |  |  | Leimener "Nahrungszettelbuch" |
| Das „Nahrungszettelbuch“ ist ein alter Foliant, der die Vermögensaufstellungen der Leimener Bürger zur Festlegung der Schatzung (=Vermögenssteuer) enthält. Er wird im Stadtarchiv Leimen aufbewahrt und bringt auf fast 1.500 Seiten die von jedem Haushaltsvorstand unterschriebenen Listen seiner Äcker, Wiesen, Wingert, Häuser usw., aber auch Angaben zu seinen sonstigen Einkünften aus Handwerk oder Gewerbe. Die meisten Einträge stammen aus dem Jahr 1721, die letzten datierten Listen sind 1731 unterschrieben. Hinzu kommen zahlreiche undatierte spätere Ergänzungen, Nachträge und Veränderungsvermerke, die aber zeitlich meist nicht eingeordnet werden können.
Für den Heimat- und Familienforscher stellt das Nahrungszettelbuch eine wichtige Forschungsquelle dar, die in Auszügen über die Wohnhäuser und deren Lage hier erstmals digital zugänglich gemacht wird. Wir danken Herrn Manfred Fuchs für die Transkription.
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|  |  |  |  |  | zum Seitenanfang |  |  |  |  |  |  Hugo Mayer Im Jahre 1899 zog der am 15.4.1864 in Nussloch geborene Handelsmann jüdischen Glaubens und deutscher Nationalität aus seiner Heimatgemeinde nach Leimen und kaufte im gleichen Jahr die Bergbrauerei nebst Anwesen sowie die inzwischen abgebrochene Gastwirtschaft Gossenbrunnen in der Heltenstraße oberhalb des heutigen Schießstandes. Die Brauerei betrieb er fast 20 Jahre, bis er sie am 1.10.1918 an die Familie Geiser aus gesundheitlichen Gründen weiterveräußerte.
Er war mit der im Jahre 1879 geborenen Karoline geb. Bierig verheiratet. Aus der Ehe gingen eine Tochter, die später Kindergärtnerin wurde, sowie zwei Söhne - der 1910 geb. Gustav und der 1921 geb. Kurt - hervor, die später den Beruf des Kaufmanns bzw. des Schlossers ergriffen.
Am 22./23. Oktober 1940 wurden alle jüdischen Bürger Badens, Männer, Frauen, Alte und Kinder auf Befehl des Gauleiters Robert Wagner nach Frankreich in das Internierungslager Gurs, Dept. Pyrénées Atlantiques, deportiert. Viele von ihnen verstarben dort aufgrund der sehr harten Lebensbedingungen in dem völlig unzureichend ausgestatteten Lager. Diejenigen, die das Lager trotz aller Torturen überlebten, wurden später in die Vernichtungslager im Osten gebracht. Nur wenige der über 6.000 Menschen überlebten.
Während Hugo Mayer bis zu seiner Deportation am 22.10.1940 in Leimen blieb, zog die Tochter Friedel 1930 nach Nussloch und wanderte 1937 mit ihrem Bruder Gustav nach den USA aus. Auch der jüngere Sohn Kurt wanderte aus, und zwar am 12.6.1939 nach Manchester in Großbritannien.
Die Eheleute Hugo und Karoline Mayer, geb. Bierig (geb. am 02.12.1879) wurden am 22. Oktober 1940 deportiert. Hugo Mayer kam 1942 in Südfrankreich um, seine Frau Karoline wurde in Auschwitz ermordet.
Laut Mitteilung des Sonderstandesamtes Arolsen aus jener Zeit sei Hugo Mayer nach „Beurkundung und Sterbebuch des Standesamtes Noe/ Frankreich unter Nr. 2/1942 in Noe/Frankreich verstorben“, was nicht den Tatsachen entsprach. Das Amtsgericht Heidelberg hat nach dem Krieg im Jahre 1951 amtlicherseits den Tod Hugo Mayers zum 8.5.1945, 24 Uhr rechtskräftig festgestellt.
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 | | Hugo Mayer |
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| Daniel Hartmann Mit dem Begriff „Homo Heidelbergensis“ werden sicher viele Mitbürgerinnen und Mitbürger noch etwas anfangen können, beim Namen „Daniel Hartmann“ werden die meisten aber wohl eher den Kopf schütteln müssen.
Dabei sind der mit rund 500.000 Jahren älteste Überrest eines europäischen Menschen, ein Unterkieferknochen mit 16 Zähnen, und Daniel Hartmann untrennbar miteinander verbunden. Am 21. Oktober des Jahres 1907 grub der aus Leimen stammende Tagelöhner an seinem Arbeitsplatz, der Sandgrube im Grafenhain in Mauer, diese paläontologische Sensation aus.
„Heit haw ich de Adam g`funne,“ sollen seine Worte gewesen sein, als er abends im Schankraum der damaligen Gastwirtschaft Hochschwender in Mauer seinen Fund allgemein bekannt gab.
Es soll an dieser Stelle nicht auf den eigentlichen Fund eingegangen werden, hierzu gibt es umfassende einschlägige und wissenschaftlich fundierte Fachliteratur, sondern uns soll hier das Leben Daniel Hartmanns und seine Beziehung zu Leimen interessieren.
Eine erste grundlegende Arbeit zu diesem Thema, der die meisten der hier verarbeiteten Informationen entnommen wurden, stammt von Herrn Karl Ludwig Bansbach, der im Januar 1996 in der Reihe „Neues vom Stadtarchiv Leimen“ das Leben Daniel Hartmanns ausführlich schilderte. Interessenten können noch Exemplare dieser Schrift bei der Stadtverwaltung Leimen beziehen.
Unter dem Datum 05. November 1854 ist im ev.–protest. Taufbuch in Leimen folgender Eintrag zu lesen:
„43.) Im Jahre Eintausend achthundert vier und fünfzig den fünften November Nachmittags drei Uhr wurde hier geboren und am zwölften November Nachmittags zwei Uhr durch den unterzeichneten Pfarrer getauft: Daniel, ehelicher Sohn des Franz Hartmann Bürgers und Tagelöhners und der Barbara geborene Schäfer dahier. Taufpathe ist: Daniel Kalbrunner Bürger und Landwirt dahier. Zeugen: Johannes Stephan und Jakob Engelhorn Bürger und Landleute dahier, Leimen 12. November 1854. D. LLeBeau Pfr.“
Der Vater, Franz Ludwig Hartmann, brachte sich und seine Familie als Tagelöhner durch. Er war am 22.04.1819 in Leimen geboren worden und starb am 29.05.1892 in Heidelberg. Am 01.08.1847 hatte er in Leimen Eva Barbara Schäfer geheiratet (* 20.06.1817 in Leimen, + 22.01.1856 ebenda). Aus der Ehe gingen insgesamt 5 Kinder, zwei Töchter und drei Söhne, hervor. Daniel war das viertjüngste.
Der Großvater von Daniel war der am 04.02.1778 in Zuzenhausen geborene Friedrich Karl Hartmann, der am 18.07.1813 in Leimen in erster Ehe Magdalena Dietz geheiratet hatte. Magdalena starb am 21.09.1821, Friedrich Karl heiratete daraufhin ein Jahr später ihre am 15.03.1773 geborene ältere Schwester Katharina Barbara.
Beginnend mit den Eltern von Friedrich Karl, dem Schneidermeister Johann Georg Martin Hartmann (* 02.11.1751 in Neidenstein, + 07.12.1783 in Zuzenhausen) und seiner Ehefrau Elisabeth, geb. Gebhard (* November 1746 in Zuzenhausen, + 28.10.1783 ebenda), werden die derzeit nachweisbaren genealogischen Spuren der Familie Hartmann dann aber geringer.
Vater von Johann Georg Martin Hartmann war der 1717 in Neidenstein geborene Johann Christian Philipp, der dort auch am 22.06.1772 starb. Er heiratete 1740 eine um 1719 geborene Maria Charlotte, deren Nachname leider nicht überliefert ist. Mit diesen beiden verlieren sich die Spuren.
Geboren wurde Hartmann in dem Haus in der Heltenstraße, dass heute die Hausnummer 29 trägt. Dieses kleine Häuschen steht, zusammen mit einem zweiten von der Bauflucht weg nach hinten versetzt gegenüber der Einmündung des Beintwegs in die Heltenstraße. Dass es sich bei dem Haus Heltenstraße 29 um das Elternhaus des späteren Sand-Daniel handelt, belegt der Handriß „Marktflecken Leimen, Heldenstraße von Franz Hartmann bis Jacob Reinigs Garten“ von Feldmesser Joseph aus den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts.
Obwohl sich entsprechende Nachweise aufgrund fehlender Schriftstück nicht führen lassen, ist doch als sicher anzunehmen, dass Daniel Hartmann in Leimen zur Schule ging. Daniel Hartmann wuchs als Halbwaise auf. Seine Mutter war im Alter von erst 38 Jahren gestorben:
„22.1.1856 E.B. Hartmann/3) Im Jahre Eintausend achthundert sechs und fünfzig den zwei und zwanzigsten Januar Morgens neun Uhr starb hier alt acht und dreißig Jahre, sieben Monate zwei Tage und wurde am vier und zwanzigsten Januar Morgens neun Uhr durch Pfarrer Grohn (*2) beerdigt: Eva Barbara Hartmann, Ehefrau des Franz Ludwig Hartmann Bürgers und Taglöhners, Tochter des Georg Schäfer und dessen Ehefrau Elisabeth geborene (?) Bedmann von hier. Zeugen waren: Johannes Schäfer Bürger u. Landmann u. Georg Ludwig Horn Bürger und Zimmermann dahier. Leimen 24. Januar 1856 DLLeBau Pfr.“
Viel später als die Mutter starb Daniels Vater. Auch dessen Tod ist im Totenbuch der ev. Kirchengemeinde Leimen wie folgt vermerkt: „29. Mai 1892 nachmittags ½ 4 Uhr/Franz Hartmann, Taglöhner von hier, Wittwer der Eva Barbara geb. Schäfer 73 Jahre 1 Monat 7 Tage F.L. 245/+ in Heidelberg im Spital.“
Im Alter von etwa 15 Jahren ging er nach Mauer, um dort Arbeit zu suchen. Dort fand Daniel Hartmann seine Ehefrau Elisabetha, geb. Gutruf. Am 07.11.1880 war Hochzeit im Dorf auf der geologischen Grenzlinie zwischen Kraichgau und Kleinem Odenwald. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor: Sohn Martin und Tochter Konstantine. Allzu früh verstarb Daniel Hartmanns Ehefrau im Jahre 1909. Ein zweites schweres Leid traf ihn, als sein Sohn Martin 1915 in Flandern fiel, ein Schicksalsschlag, mit dem sich Daniel Hartmann sein Leben lang nicht abzufinden vermochte.
Nach dem frühen Tod der Ehefrau hatte seine Tochter Konstantine, die ledig geblieben war, seine Versorgung und Pflege übernommen.
Im Jahre 1948 verlieh im die Gemeinde Mauer schließlich die Ehrenbürgerschaft. Am 21. Januar 1952 verstarb Daniel Hartmann im Alter von 97 Jahren.
Die Gemeinde Mauer bestattete ihren verdienten und berühmten Bürger in einem Ehrengrab, das heute allerdings nicht mehr existiert. Sein Grabstein steht aber als Gedenkstein in der Nachbarschaft des Gefallenen-Ehrenmals auf dem Friedhof zu Mauer und erinnert noch heute an den Finder des „Homo Heidelbergensis“.
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 | | Daniel Hartmann |
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| Ferdinand Langer Kapellmeister und Komponist, geboren 1839 in Leimen
Am 21. Januar 1839 wurde in Leimen ein Knabe geboren, der in seinem späteren Leben zu einer Musikpersönlichkeit von nationaler Bedeutung heranreifte: Ferdinand Langer.
Da die vorstehende Aussage etwas vollmundig erscheinen mag sei hier vorweggenommen, dass Langer neben seiner kompositorischen Arbeit zunächst als zweiter, später als erster Hofkapellmeister am Hof- und Nationaltheater in Mannheim wirkte. Das Mannheimer Theater aber – und da insbesondere das Musiktheater- zählte damals längst neben München, Stuttgart, Darmstadt, Kassel, Hamburg zu den bedeutensten Häusern im Lande.
Dazu hatte Kurfürst Carl Theodor in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts die Voraussetzungen geschaffen, indem er in der damaligen Zeit so bekannte und bedeutende Musiker wie Vater und Sohn Stamitz, Franz Xaver Richter, Franz Danzi und Christian Cannabich an seinen Hof engagierte.
Unter Johann Stamitz hatte sich Mannheim ein Orchester entwickelt, das allerersten europäischen Ansprüchen gerechnet wurde.
Auch Wolfgang Amadeus Mozart weilte wiederholt in Mannheim und gab – wie auch in Schwetzingen- Konzerte vor dem Kurfürsten.
Mozarts Begeisterung über das Mannheimer Orchester wurde natürlich gerne registriert. Nebenbei sei erwähnt, dass Mozart in Mannheim seine spätere Ehefrau Constanze Weber kennen lernte; diese übrigens war eine Cousine des bekannten Komponisten romantischer Opern, Carl Maria v. Weber.
Man kann sich nun wohl recht gut vorstellen, welch hohem künstlerischen Ansprüchen der erste Mann am Dirigentenpult des Mannheimer Theaters gerecht werden musste und vermag so die musikalische Begabung Ferdinand Langers uns seine Bedeutung zu seinen Lebzeiten besser einzuordnen.
Nach diesen Hintergrundinformationen wollen wir uns nun Ferdinand Langers Lebenslauf zuwenden. Als der kleine Ferdinand in Leimen geboren wurde, war sein Vater, Joseph Michael Langer, als Lehrer der katholischen Schule unseres Ortes tätig. Er wirkte hier von 1838 bis 1842.
Dann wurde Vater Langer nach Langenbrücken versetzt; wegen einer unbedachten Äußerung gegen den Großherzog geriet er von dort in das Gefängnis nach Bruchsal, wo er sechs Wochen Haft absitzen musste. Sogar die Todesstrafe hatte man ihm angedroht.
Selbstverständlich verlor Joseph Michael Langer gleichzeitig sein Amt als Lehrer und musste der Unterhalt für seine zehnköpfige Familie fortan als Reisender verdienen.
Merkwürdigerweise wurde die Familie nach der Haftentlassung des Vaters ausgerechnet in Bruchsaal ansässig, was allerdings auch sein Gutes hatte. In Bruchsal nämlich gab es eine Musikschule, die Ferdinand Langer besuchte und das Violoncello-Spiel erlernte.
Die außergewöhnliche musikalische Begabung des Sohnes Ferdinand war Vater Langer zu diesem Zeitpunkt längst bewusst.
Es muss beeindrucken, dass Ferdinand bereits nach nur wenigen Monaten der Ausbildung sein erstes öffentliches Konzert gab. Im Alter von nur sechzehn Jahren äußerte der junge Langer zielstrebig den Wunsch, zur musikalischen Weiterbildung nach Mannheim übersiedeln zu dürfen. Der Vater zeigte für das Anliegen seines begabten Sohnes durchaus Verständnis; allerdings musste zu dessen Realisierung die ohnehin karge Familienkasse restlos geleert werden. Man muss sich einmal vergegenwärtigen, welch gewaltige innere Kräfte in jener unsicheren Zeit bei einem so jungen Menschen wirksam geworden sein mussten, um eine solche Vorstellung heranreifen zu lassen!
Hier deuten sich erstmals Zielstrebigkeit und Selbstvertrauen des jungen Künstlers an, Eigenschaften, die langer sein leben lang begleiteten. Auf unerwartete einfache Arte und Weise konnte Ferdinand Langer kurz darauf in Mannheim Fuß fassen: Ein mehr zufälliges Gespräch während einer Probenpausen des Mannheimer Orchesters brachte ihn mit dem Cellisten Heinefetter, einem " Kammermusikus ", zusammen. Dieser zeigte sich beeindruckt von den klaren Künstlerischen Vorstellungen unseres jungen Springinsfeld und nahm ihn mit zu sich nach Hause. Ferdinand wohnte fortan bei den Heinefetters und hatte Kost und Logis frei. Seine Gegenleistung bestand in der Erledigung alltäglicher Hausarbeiten; er erwies sich dabei als sehr zuverlässig. Kein Wunder, denn seine " Entlohnung " – oder sollte man hier nicht besser von " Entgegenkommen " sprechen? – bestand aus kostenlosem Musikunterricht durch den Kammermusikus Heinefetter.
Der Zufall, der bei großen Persönlichkeiten so oft am Anfang ihrer Laufbahn steht, half auch Ferdinand rechtzeitig weiter: Eines Tages musste einer der vier Cellisten des Orchesters Proben und Aufführung von Wagners " Tannhäuser " wegen Krankheit absagen. Hinsichtlich des Engagements eines Aushilfsmusikers dachte Heinefetter natürlich sofort an seinen Lieblingsschüler Ferdinand und brachte diesen mit zum Orchester.
Von dem für seine Strenge bekannten, ja auch gefürchteten ersten Hof-Kapellmeister Vincenz Lachner ( einer der drei berühmten Lachner Brüder Vincenz, Franz und Ignaz, allesamt bedeutende Musikpersönlichkeiten ) erhielt Langer die Anweisung, ja nicht mitspielen sondern lediglich "mitzutun"; seine Aufgabe sei das "Besetzen" eines leeren Orchesterstuhles und nichts weiter.
Man mag sich nun in Ferdinand Langers Gedanken- und Gefühlswelt hineinversetzen, um zu erkennen, dass es mit diesem "Befehl" nicht gut gehen konnte. Oder etwa doch? Jedenfalls spielte Ferdinand entgegen der strengen Anweisungen mit dem Orchester mit; nur zu "mimen" war für das mit Macht nach außen drängende Genie schon damals undenkbar. Kapellmeister Lachner beobachtete das "undisziplinierte" Treiben Langers zunächst missmutig. Schließlich "klopfte" er das Orchester ab und jeder Musiker glaubte zu wissen, was dies zu bedeuten hatte. Aber – die Musiker irrten sich. Satt einer Standpauke an Ferdinand Langer fragte Vincenz Lachner unseren jungen Musiker nach dessen Namen. Die Antwort kam zaudernd, ja ängstlich. Zur allgemeinen Überraschung sagte dann Lachner lapidar: "Du kannst mitspielen". Das selbstherrliche Wesen Lachners ließ nicht mehr zu, als diese drei in die Stille der Orchesterunterbrechung hineingesprochenen Worte.
Wenig später ließ Lachner den jungen Musiker zu sich kommen. Wahrscheinlich empfand Ferdinand Langer dies mehr als ein "Vorreiten – müssen", aber er täuschte sich. Der große Vincenz Lachner bot dem musikalischen "Niemand" Ferdinand Langer an, zukünftig für dessen musikalische Weiterbildung verantwortlich sein zu wollen. So geschah es dann auch. Selbst der Umstand, dass Lachner dieser selbstgewählten Aufgabe wegen anderweitigen Verpflichtungen nicht immer in befriedigender Weise nachkommen konnte und diese schließlich an Musikdirektor Dr. Hetsch weitergeben Es dauerte nun nicht mehr lange und Ferdinand Langers Berufung mündete in den ersehnten Beruf: Er wurde zum Hofmusikus am Hof- und Nationaltheater Mannheim berufen. Seine Entlohnung bestand aus 100 Gulden Jahresgehalt. Leider erlebte der Vater Ferdinands, der durch seinen Weitblick den Grundstock für die Musikerlaufbahn seines Sohnes gelegt hatte, diesen stolzen Tag nicht mehr. Er starb 1864 nachdem ihm wenigstens die Genugtuung widerfahren war, wieder in den Schuldienst aufgenommen worden zu sein. Ferdinand Langer beschäftigte sich neben seiner Tätigkeit als Cellist auch mit der Komposition. Erste Werke entstanden, durch deren Aufführungen Langers Popularität in Mannheim wuchs. Gleichzeitig aber verstärkten sich die schon seit geraumer Zeit immer wieder aufgetretenen Spannungen zwischen ihm und Vincenz Lachner.
War Ferdinand Langer ein glühender Verehrer des Werkes Richard Wagners, so war auf der anderen Seite Vincenz Lachner ein ebenso eifriger Kritiker des Schöpfers des Melodrams. Wagner, nicht als Musiker, sondern in Personalunion auch als Textdichter, Bühnenbildner und Regisseur völlig neue Maßstäbe setzend, stieß an der Mannheimer Bühne auf mehrheitliche Ablehnung.
Dies änderte sich nur unwesentlich, als Ferdinand Langer schließlich vom bloßen Orchestermusiker über die Station des Korrepetitors, des Chordirektors und des Musikdirektors zum Stellvertreter Lachners avancierte. Langer spielte schließlich erstmals mit dem Gedanken, den Theaterdienst aufzugeben, Freunde konnten ihn jedoch zum Verbleiben überreden. Allerdings blieb ein gerüttelt Maß an Misstrauen zurück. Dieses Misstrauen wurde schließlich auf dramatische Weise bestätigt: Als Lachner aus dem Hof- und Nationaltheater Mannheim ausschied, um in Karlsruhe seinen Lebensabend zu verbringen, wurde allgemein die Berufung des in Mannheim längst sehr populären Ferdinand Langer zum ersten Hofkapellmeister erwartet. Aber daraus wurde nicht. Man besetzte die erste Kapellmeisterstelle vielmehr mit einem auswärtigen Musiker namens Franck. Langer quittierte, zutiefst enttäuscht und getäuscht, den Theaterdienst. Was sollte nun werden? Längst hatte Langer eine eigene Familie gegründet, die es zu versorgen galt. Sollte sein Talent nun auf künstlerisch bedeutungsloser Ebene versickern, vergeudet werden für ein paar lächerliche Almosen? Langer wandte sich der Chorarbeit zu und übernahm die Leistung eines jüngst gegründeten Männerchors. Außerdem erteilte er Musikunterricht, die Familie brauchte ja ein Einkommen.
Zwar war Langer in Mannheim längst heimisch geworden und hing an der Stadt und ihrer Menschen, trotzdem will es nicht so recht verständlich werden, dass er lukrative Angebote aus Stuttgart und Hamburg in einer Zeit ablehnte, als es ihm und seiner Familie wirtschaftlich nur gerade eben hinreichte. Ja sogar die Berufung zum Chordirektor in Bayreuth, wo der von ihm so sehr verehrte Richard Wagner längst von Langer und auch von dessen hartem Schicksal wusste, schlug er aus. Woher nahm Ferdinand Langer sein grenzenloses Selbstvertrauen? Ahnte er die Wende? In der Tat, einige Umstände änderten sich auf fast schon dramatische Weise. Im Jahre 1877 wurde ein neues Theater –Komitee eingesetzt, dem auch der mit Langer bereits befreundete Emil Heckel angehörte. Heckel war ein entschiedener Anhänger Wagners und damit ein "Parteigängers" Langers. Er betrieb in Mannheim eine Klavierfabrik und einen Musikverlag *1. Heckel war mit Wagner persönlich bekannt, *2 Vorwiegend Emil Heckel ist zu danken, dass Langer wieder in den Theaterdienst eintrat. Nun war der Weg frei; Langer war nun erster Hofkapellmeister und konnte neben seinen eigenen Werken, die ihm teilweise beträchtliche Erfolge einbrachten, direkten Einfluss auf den Spielplan des Theaters nehmen. Es versteht sich von selbst, dass der Name Richard Wagners in diesem nun recht oft zu lesen war. Allmählich wurde Mannheim neben Bayreuth sozusagen zum "zweiten Tempel" Wagnerscher Kunst. Welch eine Wende !
Welch eine Wende dank Langer und Hecke! Nun darf man freilich nicht denken, dass am Mannheimer Theater nur noch Langers eigene Werke und ansonsten Wagner gespielt wurde. Immer wieder wurden auch Kompositionen und Musikdramen anderer Musiker aufgelegt. Mannheim war damals bekannt als so genanntes "Premieren- Theater" und Ferdinand Langer konnte durch seinen künstlerischen Instinkt so manches Erstlingswerk oder Neubearbeitung zu triumphalem Erfolg führen.
Von Gestalt war Langer schmächtig, feingliedrig. Seine Erscheinung verbreitete verbindliche Freundlichkeit und vermittelte etwas von der inneren Ruhe, die ihm die Kraft für seinen künstlerischen Auftrag gab. Längst erzählte man sich in Mannheim auch Geschichten über ihn, die auf sein freundlich- schrulliges Wesen hinwiesen.
Fast unnahbarer Künstler war Langer allerdings am Dirigentenpult. Dort hielt sich seine gelegentliche Kompromissbereitschaft sehr in Grenzen; beim Dirigieren wirkte er energisch und war ein perfekter Meister seines Faches. Da er selbst komponierte und bearbeitete, kannte er die Musik sozusagen "von innen heraus", was es ihm möglich machte, das Wesen eines Werkes in der Interpretation aufzudecken.
Die konzentriert durchzuführende vielfältige künstlerische Arbeit auf höchstem Niveau forderte Langer nicht nur geistig, auch enormer physischer Einsatz war in die tägliche Arbeit einzubringen- Stress!
Anfängliche Warnsignale des zunehmend überforderten Körpers überging Langer zunächst. Als er diese Schließlich doch nicht mehr einfach "überspielen" konnte, war das letzte Kapitel seiner Lebensgeschichte bereits aufgeschlagen. Eine zunächst leichte Erkrankung, bei der sich gelegentliche Atemnot einstellte, nahm Langer nicht sehr ernst. Doch die Krankheit verschlimmerte sich und Langer wurde schließlich ernsthaft krank. Nach scheinbarer Besserung nahm er einen Kururlaub in Kirneck bei Villingen/Schwarzwald. Seine Erkrankung war aber offenbar schon zu weit fortgeschritten. Ein heftiger Anfall raffte ihn dort hinweg. Am 5. August 1905 schloss Ferdinand Langer für immer die Augen.
Besonders seine geliebten Mannheimer traf sein Tod im Alter von fünfundsechzig Jahren sehr schwer. Ergreifende öffentliche Nachrufe aus dem gesamten Lande, aus München, Stuttgart, Hamburg, Berlin, um nur einige zu nennen, sind Beweise für Bedeutung und Respekt, die diesem Großen der Tonkunst gehörten.
Als Komponist von Opern- es waren deren immerhin fünf- hatte Langer zeitlebens kein rechtes Glück. Waren seine musikalischen Einfälle oft noch so herrlich, sein Musikdrama scheiterte an mäßigen Texten, ein Umstand, der Langer manchmal fast in die Verzweiflung trieb, wusste er doch, dass er parallel zu seinen musikalischen Fähigkeiten nicht auch gleichzeitig das Talent zum Literaten besaß. Aber es gab auch wahre Triumphe und allerhöchste Anerkennung für andere Arbeiten. Sehr gelungen ist seine Neubearbeitung des Tanzspieles "Sylvana" von Carl Maria v. Weber. Auch die "H-moll-Messe" von Johann Sebastian Bach bearbeitete er, ein zweifellos schwieriges Unterfangen, das aber vollkommen gelang und Begeisterung und Bewunderung auslöste. Ferdinand Langers "Konzert für Flöte und Orchester" zählte einst zum Repertoire eines jeden solistischen begabten Flötisten. Auch sein kompositorisches Schaffen für Männerchöre sei hier erwähnt. Man kann es Langer nicht zum Vorwurf machen, dass seine Chorliteratur nicht mehr dem Geist der heutigen Zeit entspricht.
Das Archiv des National- Theaters Mannheim ist im Mannheimer Reiß- Museum untergebracht. Dort liegen die Handschriftenoriginale Ferdinand Langers. Möge es hier seiner Kunst beschieden sein, eines Tages neue Liebhaber zu gewinnen.
Karl-Ludwig Bansbach
*1 Eine Musikalienhandlung Heckel, die in der direkten Nachfolge steht, existiert noch heute in Mannheim.
*2 Ob Ferdinand Langer jemals mit Richard Wagner persönlich zusammentraf ist nicht gewiss, jedoch nach Meinung von Experten sehr wahrscheinlich. Jedenfalls gründete Ferdinand Langer zusammen mit Emil Heckel den ersten Deutschen Wagner-Verein.
Quellen:
Baker's Bibliographical Dictionary, London 1986 Albert Langer: Ferdinand Langer- Werden und Wirken eines deutschen Komponisten, Rejakosti- Verlag, Jagstfeld, um 1929 Riemann, Musiklexikon
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 | | Ferdinand Langer |
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| Boris Becker Leimens berühmtester Sohn
Boris Becker, der wohl erfolgreichste deutsche Tennisspieler aller Zeiten , wurde am 22. November 1967 in Leimen geboren und wuchs hier auf. Sein erster Trainer und auch sein Entdecker war der Leimener Boris Breskvar, der damalige Sportwart des Badischen Tennisverbandes, Dieter Späth, betreute ihn.
Durch seinen legendären Wimbledon-Sieg von 1985 wurde der Tennissport über Nacht populär und Boris Becker weltberühmt. Er hatte damit alle Rekorde geschlagen - er war der jüngste Gewinner aller Zeiten, der erste Deutsche, der auf dieser für den Tennissport so symbolträchtigen Anlage überhaupt gewann und dies noch dazu als ungesetzter Spieler - ein sportliches Meisterstück.
Boris Becker hat immer zu Leimen gestanden und Leimen damit ebenfalls weltbekannt gemacht. Wenn er bei Turnieren in Amerika, Europa oder Australien auftrat, fiel auch der Name seiner Heimatstadt, mit der er sich auch heute noch verbunden fühlt.
Neben den vielen Ehrungen und Pokalen, die er im Laufe seines Sportlerlebens erhielt, ist Boris Becker besonders stolz, jüngster Ehrenbürger Leimens zu sein. Diese besondere Ehre wurde ihm 1986 verliehen und verdeutlicht damit auch den Stolz, den man in Leimen auf seinen berühmtesten Sohn hegt - Bumm-Bumm-Boris!
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 | | Boris Becker |
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|  |  |  |  |  | zum Seitenanfang |  |  |  |  |  |  In dieser Rubrik wollen wir sukzessive Straßen in Leimen vorstellen, die nach Persönlichkeiten benannt wurden, die im weiteren Umfeld nicht immer so präsent sind wie beispielsweise Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Schiller, Richard Wagner, Wolfgang Amadeus Mozart, Theodor Heuss, Konrad Adenauer oder Willy Brandt. Hier bitte anklicken!!! (PDF-Datei/Acrobat Reader)
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