Leimen: Stadt Leimen

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Stadt Leimen
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Vorgeschichtliche Zeit, Römerzeit und frühe Besiedlung

Auf den Gemarkungen Leimen und St. Ilgen reichen die Bodenfunde bis in die Steinzeit zurück. Für die frühe Besiedlung war der fruchtbare Boden des Neckarschwemmkegels, an dessen Südostspitze Leimen liegt, ausschlaggebend. Löß und Lehm gaben dem Ort seinen Namen, der zu den frühmittelalterlichen Ausbauorten zu zählen ist.

Sehr aufschlussreich sind aber erst die Funde aus der Römerzeit. Mogetius, der Sohn des Meddilius, war ein Angehöriger des keltischen Stammes der Mediomatriker aus der Moselgegend. Die Römer hatten diesen Stamm unterworfen und seine Angehörigen konnten das römische Bürgerrecht erwerben. Dies sagt ein 1884 beim Lingentaler Hof gefundener Grabstein aus, den der Sohn seinem mit 70 Jahren gestorbenen Vater setzen ließ. Der giebelförmige rote Sandstein befindet sich heute im Badischen Landesmuseum in Karlsruhe.

Die Vorgänger der Leimener Zementarbeiter waren die Kalkbrenner. 1936 wurde eine Töpferwerkstatt in der Nähe von Resten einer römischen Villa gefunden. Bei den Ausgrabungen entdeckte man Scherben von „terra sigillata“, darunter auch einen Faltenbecher mit dem Besitzstempel eines Castus.

Ein ebenfalls entdeckter verzierter weißer Sandsteinblock könnte auch von einem Grabmal stammen. Am Rande des Bergstraße führt vom Kastell Neuenheim kommend die alte Römerstraße entlang, etwa im Verlauf der früheren Heidelberger Straße, heute Geheimrat-Schott-Straße.

Im Mittelalter und in der Neuzeit war diese Straße als Weg zur Frankfurter Messe von großer Wichtigkeit. In der Probsteikirche in St. Ilgen ist über der Sakristeitür ein römisches Relief eingemauert, das einen traubenessenden Jüngling darstellt.

Erste urkundliche Erwähnung Leimens im Jahr 791

Transkription der untenstehenden Urkunde

URKUNDE 686 ( 1. Mai 791 – Reg. 2315)
Noch eine andere Schenkung des Machelm unter Kaiser ( richtig: König)
Karl und Abt Richbodo

In Christi Namen am 1. Mai im 23. Regierungsjahre (791) unseres Herrn, des ruhmreichen Königs Karl. Ich, Machelm, mache auf göttliche Eingebung hin, zu meinem Seeelenheile und um der Wiedervergeltung in der Ewigkeit willen durch diese Schenkungsurkunde eine Zuwendung an den heiligen Märtyrer Gottes Nazarius. Sein Leib ruht in dem am Flusse Wischoz ( Weschnitz) gelegene Oberrheingauer Kloster Lorsch, dem der ehrwürdige Herr Rihbodo als Abt vorsteht. Mit dem Wunsche, dass meine Vergabung ewige Dauer beschieden sei, schenke ixh in Edingun ( Edingen nw. Heidelberg) eine Hofraite mit allen darauf erstellten Bauwerken, ferner dazugehörigen Hofstätten, Felder, Wiesen, Weiden, Wälder, Wege, Weingüter, Fischteiche und Bäche. In ähnlicher Weise gebe ich in Leimheim (s. Heidelberg) alles, was ich bis dort besessen habe, nämlich Hofreiten, Felder, Wiesen, Weiden, Wege, Wälder, Weinberge, Wohnhäuser, Wirtschaftsbauten und ( acht) Leibeigene namens

Grimold,
Warmunt,
Geila mit 2 Kindern und
Suongart mit 2 Kindern,

alles Bauland und Ödland und alles das, was mein Alod ( ererbtes Eigengut) ist oder von mir kultiviert, gekauft und eingetauscht wurde oder durch anderweitigen Erwerb auf gesetzlichem Wege an mich gekommen ist. Ich schenke auch das Vieh beiderlei Geschlechtes, sei es Großvieh oder Kleinvieh, bewegliche und unbewegliche Habe und alle Gerätschaften.

Alles übergebe und übertrage ich zur Gänze und in unverändertem Zustande aus meinem Besitz- ain das Eigentums- und Herrenrecht des Hl. Nazarius. Im Namen Gottes möge er alles auf ewig besitzen. Wenn aber künftig jemand, was ich allerdings durchaus nicht glaube – und alles übrige wie oben – bis: Vertragsabschluß. Geschehen im Kloster Lorsch.

Handzeichen des Machelm, welcher veranlasst hat, dass diese Schenkungsurkunde ausgestellt und gefertigt werde. Handzeichen der ( Zeugen) Herdrich, Engilwan und Giselhelm, Adelhelm.

Stadt-Geschichte Leimen

Schon lange vor seiner ersten urkundlichen Erwähnung im Jahr 791 war das heutige Leimen Siedlungsgrund gewesen. 1884 wurde zwischen Leimen und Gaiberg ein Grabstein aus rotem Sandstein gefunden, der für den Kelten Mogetius, Sohn des Meddilius, aufgestellt worden war. Beide gehörten den Mediomatrikern an, einem von den Römern unterworfenen Stamm. 

Beim Neubau des Zementwerks Leimen wurden römische Münzen aus der Zeit Marc Aurels (römischer Kaiser von 161-180) gefunden. Weiter wurden römische Kalkbrennöfen freigelegt und Tonscherben entdeckt, die auf eine bäuerliche Siedlung der Römer hinweisen, ebenso wie ein weißer Sandsteinblock mit Kapitell und Palmettverzierung. Dabei lag ein Löwenkopf aus demselben Material: Hinweis auf ein größeres römisches Denkmal aus der Zeit um 260 n.Chr. Auch Fundstücke aus fränkischen Reihengräbern und ein Alemannengrab am Markt belegen die vorgeschichtliche Besiedelung Leimens.

In neuester Zeit wurden auf einer ehemaligen Baustelle in der Nähe des Rathauses unterschiedlich geformte Schlackenteile mit dunklem Glanz gefunden. Sie lassen auf das Vorhandensein einer Zink- und Bleiverhüttung ungefähr in der zweiten Hälfte des achten Jahrhunderts n.Chr. schließen.

Am Beginn des fünfzehnten Jahrhunderts lebten in Leimen etwa 750 Einwohner. Während des Bauernkrieges zu Anfang des sechzehnten Jahrhunderts blieb Leimen weitgehend verschont; im folgenden Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) jedoch wurde auch Leimen ins Verderben gerissen und fast vollständig zerstört. Der notdürftig wiederaufgebaute Marktflecken wurde 1674 erneut geplündert und niedergebrannt. 1689 wurde Leimen von den Truppen Mélacs verwüstet und 1695 innerhalb von zehn Tagen noch zweimal von fremden Truppen heimgesucht. Im ebenfalls von zahlreichen Kriegen erfüllten achtzehnten Jahrhundert verzweifelten die Bürger an den Lasten der Einquartierungen. Auch Napoleons Soldaten hielten sich in Leimen schadlos.

Die schweren Menschenverluste des siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts zwangen den Kurfürsten, um Einwanderer zu werben, die sich schließlich - besonders aus der Schweiz kommend - in Leimen niederließen. Eine allmähliche Wende zum Besseren setzte durch die Unternehmungen des in Leimen ansässigen Aaron Elias Seligmann in der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts ein, der das Salz- und Tabakmonopol für die gesamte Kurpfalz innehatte. Der kurfürstliche Finanzier ist der Bauherr des um 1795 im klassizistischen Stil erbauten schloßartigen Palais, dem heutigen Alten Rathaus von Leimen. Seligmann wurde 1814 als Freiherr von Eichthal geadelt. Unter anderem der Wegzug Seligmanns nach München verursachte den erneuten Rückfall in die frühere Armut. In ihrer Folge wanderten viele Bürger und Familien aus - vorzugsweise nach Amerika.

Die Erwerbssituation änderte sich erst kurz vor der Wende zum zwanzigsten Jahrhundert durch die Verlegung des Portland-Cementwerkes von Heidelberg nach Leimen unter Dr.-Ing. E. h. Friedrich Schott. Die von da an steigenden Einwohnerzahlen belegen die allmähliche wirtschaftliche Stabilisierung. Außerdem war zum traditionellen Weinbau und der Tabakindustrie zwischenzeitlich das Braugewerbe in Leimen ansässig geworden. Im Zementwerk Leimen fanden auch St. Ilgener und Gauangellocher Bürger Arbeit, ebenso Bewohner anderer Dörfer der Umgebung, die den Weg zur Arbeit nach Leimen meist zu Fuß zu bewältigen hatten.

Eine deutliche Verbesserung der Infrastruktur erfuhr Leimen durch die Verlegung der ersten Wasserleitung (1898), die Versorgung mit Elektrizität (1899), die Kanalisation (1920) und die Versorgung mit Gas (1927) sowie den Streckenausbau der Straßenbahnlinie Heidelberg-Leimen-Wiesloch.

Im zweiten Weltkrieg fielen in Leimen zwar glücklicherweise keine Bomben, doch mußte der Ort vor der Besetzung durch amerikanisches Militär am 31. März 1945 leichten Granatbeschuß über sich ergehen lassen. Nach dem Krieg wurden fast 2.000 Heimatvertriebene in Leimen integriert. Unter anderem durch die Ansiedlung des Eternitwerkes 1954 ging es dann wieder allmählich aufwärts. Im Jahre 1973 erfolgte die Eröffnung der Sportparkhalle, des Hallenbades, der Sauna und der Kegelhalle.