David Freiherr von Eichthal vormals Seligmann: Stadt Leimen

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David Freiherr von Eichthal vormals Seligmann

Von den fünf Söhnen des Aron Elias Seligmann ist nur David in Baden geblieben. David Seligmann wurde am 15. Februar 1776 als fünftes Kind in Leimen geboren. Der Grund seiner Sesshaftigkeit in der Kurpfalz und im danach neu gebildeten Großherzogtum Baden liegt einerseits in der Heirat mit der Tochter des Badischen Hoffaktors und Judenschultheißen Hayum Levi im Jahre 1797, andererseits war sein Vater, der mit einem Gesuch und einer Empfehlung des Kurpfälzischen Staatsminister von Oberndorf an die Badische Regierung erreichte, dass seinem Sohn David am 06.04.1790 der Titel eines Badischen Hofagenten verliehen wurde. In dem Gesuch wird darauf hingewiesen, dass er mit der Tochter Maria Anna des Hoffaktors Hayum Levi, welcher am Badischen Hofe und in der Karlsruher israelischen Gemeinde hohes Ansehen genoss, bereits verlobt sei. Beide waren damals erst 14 Jahre alt! Lobend wird außerdem erwähnt, dass David Seligmann eine gute Erziehung genossen habe und sich bei seinen Glaubensgenossen auszeichne.

Wie sein Vater und Großvater betätigte sich David Seligmann zunächst im Salzhandel. Als er 1806 einen Vertrag als „Salzadmodiateur“ für Baden abschloss, machte er dem Geheimen Rat Johann Friedrich Baumgärtner ein Geschenk von 150 Napoleon d’or. Da Baumgärtner Bedenken gegen die Annahme von so viel Geld hatte, legte Seligmann das Geld in seinen Pult und sagte, dass er sein Verhalten auch vor dem Großherzog verantworten könne. Der gewissenhafte Rat holte sich dann doch untertänigst die Genehmigung beim Großherzog ein, um seine Beamtenlaufbahn nicht zu gefährden. Im Antwortschreiben des Großherzogs wird ihm empfohlen, die „von dem Handelsmann David Seligmann aus Anlass des abgeschlossenen Salzmodiations-Contracts als Geschenk zugedachte 150 Napoleon d’or (1.395 Gulden) ........ anzunehmen und u behalten“. Die großherzogliche Regierung sah in diesem großzügigen Douceur weder eine Bereicherung noch eine Pflichtwidrigkeit ihres Beamten.

David Seligmann lebte nach seiner Heirat (1797) in Karlsruhe, wo er 1799 als Bürger angenommen wurde. 1804 kaufte David Seligmann ein Grundstück mir einem baufälligen Anwesen am Schlossplatz 13, wo er sein prächtiges Haus erbaute. Im sogenannten „Wegweiser für die großherzogliche Residenzstadt Karlsruhe“ aus dem Jahre 1818 wird das Wohn- und Geschäftshaus des Bankiers von Eichthal, Im Vorderen Zirkel 15 gelegen, ausgewiesen. Hier begründete er sein eigenes Bankgeschäft, welches bereits nach wenigen Jahren der großherzoglichen Regierung aus den schwierigen Finanznöten helfen konnte. Ohne die Millionenanleihen der badischen Hoffaktoren von David Seligmann, Elkan Reutlinger, Israel Jacobson und Salomon Haber hätte der junge badische Staat nicht durchstehen können.

In seinem Haus am Schlossplatz empfing er auch die Künstler seiner Zeit. So berichtete der liberal gesinnte Komponist und Hofkapellmeister Louis Spohr, dass er bei seinen Besuchen in der Residenzstadt u. a. zweimal bei Herrn von Eichthal seine Streichquartette und Quintette vorspielen konnte.

Bis zum Jahre 1805 schuldete das Großherzogtum dem Bankier acht Millionen Gulden. Bei den Anleihen dürfte sein Vater Aron Elias, der schon einige Jahre in München als Bankier tätig war, mit gewirkt haben. Als Hofagent übernahm er von seinem Schwiegervater die Krappfabrik in der Augustenburg in Grötzingen. Nach einer Akte im GLA kaufte im Jahre 1792 Oberrat Hayum Levi die Krappfabrik, „welche im Durchschnitt 50 Arbeiter beschäftigt und dem Landmann durch die Gelegenheit, die gedachte Pflanze in dem Innenlande vorteilhaft anzubringen, zum großen Nutzen gereicht“, von den Markgrafen Friedrich und Ludwig. Er betrieb hier von 1836 bis 1844 eine Zuckerfabrik.

Im Jahre 1803 stellte der Großherzog Karl Friedrich eine Schuldverschreibung über eine Million Gulden aus, deren Rückzahlung in den Jahren 1816 bis 1819 erfolgen sollte. Als Belohnung war David Seligmann vom Großherzog der Titel eines Badischen Hofbankiers vorgesehen. David Seligmann lehnte dieses Ansinnen ab, weil er keine besonderen Verbindlichkeiten gegenüber dem Hof eingehen und sich seine Unabhängigkeit bewahren wolle. Hätte er diese Ernennung angenommen, dann wäre er zehn Jahre vor seinem Vater bereits Hofbankier, allerdings in Baden, gewesen.

Die Säkularisierung des Benediktinerklosters St. Blasien bereitete der Großherzoglichen Regierung keine Freude; denn die Bevölkerung war nicht in der Lage, sich zu ernähren. Es herrschte große Not; ein Zubrot war die Spinnerei am Spinnrad in den ärmlichen Hütten. Im Mai 1808 gab der Geheime Rat der Großherzoglichen Rentkammer in Freiburg den Auftrag, „das Kloster St. Blasien, mit dem Ausschluss der Kirche, durch in- und ausländische Zeitungen feilzubieten, den Verkauf bei dem Meistgebot auszusetzen und von dem Erfolg Bericht zu erstatten“. Die Rentkammer berichtete 1809 an die großherzogliche Regierung, dass sich das Klostergebäude eigne, um dort eine „Maschinerie-Fabrik“ einzurichten. Der Züricher Ingenieur und Mechaniker Georg Bodmer nahm am 01. August 1809 die Fabrikation von Spinnmaschinen auf. Zur gleichen Zeit verhandelte der Minister von Reitzenstein mit dem vermögenden Züricher Bürger Henri Duggli, im Süd- und Westflügel des Klosters zusätzlich eine Gewehrfabrik einzurichten. Während die Gewehrfabrik scheiterte, weil die gewonnenen französischen Facharbeiter nach Frankreich zurückbeordert wurden, fehlte es Bodmer an dem nötigen Geld, um Spinnmaschinen herstellen zu können. Das Unternehmen, auf das so große Hoffnungen gesetzt waren, drohte zu zerfallen.

Hier trat der Karlsruher Bankier David Seligmann als Retter in der Not auf und beteiligte sich als Unternehmer. Am 11. November 1810 wurde dem Finanzministerium berichtet: „Dieses wichtige Etablissement ist nun, indem sich Herr Seligmann mit einem die bisherige Erwartung weit übersteigenden Kapital an die Spitze gestellt hat, als solid begründet anzusehen..... Ich muss dabei Herrn Seligmann das Zeugnis geben, dass sein Beitritt bei der guten Hoffnung, die er von der Sache nährt, wesentlich durch den patriotischen Sinn, dieses wichtige Gewerbe dem Land zu erhalten, bestimmt worden ist.“ Das Unternehmen wurde als Gesellschaft gegründet und firmiert als Societe de St. Blaise. Neben Seligmann waren der Mechaniker Bodmer, der Oberforstmeister Gerer und Charles Albert aus Paris Gesellschafter. Zur Fabrik zählte auch eine umfangreiche Landwirtschaft, welche die Arbeiter mit Nahrungsmitteln versorgte. Alle Arbeiter wohnten im Klostergebäude: Verheiratete führten ihren eigenen Haushalt, Ledige die Spinnerbuben und die Spinnermädchen erhielten eine gemeinschaftliche Verpflegung. Nach zehn Jahren sollte die Gesellschaft das Kloster für 25.000 Gulden kaufen können. Die gefertigten Bodmer’schen Spinnmaschinen traten in Konkurrenz zu den Englischen. Bodmer erhielt auf seine Maschine von Napoleon ein Patent für 10 Jahre in Frankreich. Von der eigentlichen Fertigung waren in einem Nebengebäude des Klosters Spinnmaschinen aufgestellt und in Betrieb genommen worden, um potentiellen Kunden von der Qualität dieser Maschinen zu überzeugen. Aus der Vergrößerung dieser „Verkaufsabteilung“ entstand eine eigene Spinnerei. Hier wurden bis zu 800 Menschen beschäftigt, darunter auch leider viele Kinder.

Über einen Besuch des Großherzogs Leopold mit Familie im September 1819 schreibt der spätere Großherzog Friedrich I. in seinen Jugenderinnerungen: „Wir stiegen alle bei ihm (von Eichthal) ab, nur mein Bruder und ich wohnten bei seiner mir dem Architekten Berckmüller verheirateten Tochter in einem anderen Teil des Fabrikgebäudes. Eichthal hatte seine Fabrik mit den neuesten Maschinen aus England versehen, so hatte er u. a. die erste größere Turbine in Baden eingeführt. Für seine Arbeiter sorgte er in freigebiger Weise. Alle waren sie mit ihren Familien in Wohnungen untergebracht, für die Kinder waren Schulen eingerichtet und neben dem katholischen Ortsgeistlichen war noch ein evangelischer zur Pastorierung angestellt.“

1815 hatte Seligmann mit Bodmer eine Gewehrfabrik errichtet. Seligmann konnte darauf hinweisen, dass er mehrere Hunderttausend Gulden in das Unternehmen finanzierte und vom „Kriegsministerium zur Ablieferung von Waffen sehr gedrängt“ worden war. Bodmer entwickelte nicht nur Gewehre und Pistolen, die den Stempel „St. Blasien“ tragen und heute noch im Armeemuseum ausgestellt sind, sondern auch die erste gezogene, von hinten zu ladende Kanone. Mit dieser Hinterladekanone wurden am Schluchsee Schießversuche angestellt. 1822 traten zwischen dem Ingenieur Bodmer und dem Unternehmer, nun geadelt von Eichthal, unüberbrückbare Spannungen auf. Bereits vorher waren die Gesellschafter Gerer und Albert ausgeschieden. Bodmer verließ St. Blasien und errichtete 1824 in England bei Manchester eine  Werkzeugfabrik. 1848 ging er nach Wien und beteiligte sich am Bau der Semmeringbahn. 1864 ist er in Zürich, seinem Geburtsort gestorben. Anfang der 40iger Jahre geriet das Eichthalsche Unternehmen in Schwierigkeiten, und 1845 wandelte David Freiherr von Eichthal seine Spinnmaschinen- und Gewehrfabrik in eine Aktiengesellschaft um, die jedoch infolge des Zusammenbruchs der Bankhäuser Philipp Nikolaus Schmidt in Frankfurt, Haber und Kusel in Frankfurt in Konkurs geriet. Eberhard Gothein, einer der großen Heidelberger Nationalökonomen, zählt David Freiherr von Eichthal zu den frühen Industriellen Badens, die unternehmerische Visionen hatten und den Mut aufbrachten, das stark ländlich geprägte Großherzogtum Baden zu industrialisieren. Eichthal bezeichnete sein Engagement in St. Blasien als eine Folge seiner „Liebhaberei für Industrie“.

David Seligmann wurde durch die Nobilitierung seines Vaters, die auch die Kinder einschloss, Baron bzw. Freiherr im Königreich Bayern. Um seinen Titel auch in Baden führen zu dürfen, musste er die Genehmigung des Großherzogs einholen. Am 21. Dezember 1814 genehmigte Großherzog Karl seine Standeserhöhung zum Freiherrn von Eichthal. David Seligmann resp. Freiherr von Eichthal war ein schwieriger Mensch. Er leugnete seine jüdische Herkunft nicht, lebte aber in einem sehr gespannten Verhältnis zu seiner Gemeinde. In einer Eingabe an das Oberamt Karlsruhe bemerkte er, wenn er auch als Jude lebe, so sehe er sich dennoch nicht als vollwertiges Mitglied seiner Gemeinde. Jahrelange Streitereien führte er mit seiner Gemeinde über Abgaben und Steuern, die auf alle Israeliten umgelegt wurden. Er berief sich auf sein Privileg aus dem Jahre 1799, das ihn „von allen Beiträgen zu den Religionen und sonstigen Einrichtungen der Judenschaft“ befreie.

Bernhard Steinert beschreibt in der Festschrift St. Blasien den Unternehmer David Seligmann als einen „höchst eigenwilligen und auf Grund seines Reichtums wohl geradezu herrschsüchtigen Mann. Dieser Mensch wurde über Jahrzehnte hinweg zu einer Schicksalsperson für St. Blasien.“ Offenbar hat aber der Autor dieser Zeilen den Unternehmer nur aus negativer Sicht gesehen und dabei das Überleben der Bevölkerung durch Schaffung von Arbeit in einer damals noch abgelegenen Gegend des Schwarzwaldes völlig übersehen.

Aus seiner Ehe mir Maria Anna Levi gingen zwei Töchter hervor. Die ältere Tochter Marie verstarb schon 16jährig an den Folgen der Ruhr. Die Mutter wurde 54 Jahre alt und 1833 vom evangelischen Pfarrer in St. Blasien beerdigt. Wenige Jahre vorher waren David, seine Frau Maria Anna und seine Tochter zum evangelischen Glauben übergewechselt. Die 1802 geborene Tochter Karoline heiratete 1829 den Architekten und badischen Oberbaurat Joseph Berckmüller. Die letzten Lebensjahre verbrachte David Freiherr von Eichthal in Karlsruhe. Dort starb er am 05. April 1850 im Alter von 75 Jahren.